Gesundes in Corona-Zeiten

Selbstgärtner-Projekte in Hamburg gefragt wie nie zuvor

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Thomas Heyen
Die Kundenberater Cornelia Brühl (66), Piet Maule (19) und Andrea Madadi (63) mit Bio-Gemüse inmitten von Sannmanns Biogärten.Heyen

Die Kundenberater Cornelia Brühl (66), Piet Maule (19) und Andrea Madadi (63) mit Bio-Gemüse inmitten von Sannmanns Biogärten.Heyen

Foto: Thomas Heyen

Seit Beginn der Pandemie noch mehr Anfragen. Wer 2021 in den Vier- und Marschlanden mitgärtnern will, muss sich für Projekte anmelden.

Hamburg.  Gesunde Lebensmittel aus der Region, möglichst Bio, sind immer gefragter. Das war auch schon vor der Corona-Krise so. Doch seitdem das Virus sich verbreitet, können sich die Selbsternteprojekte mit ihren weitläufigen Gemüsegärten vor Anfragen kaum retten. Schließlich bieten sie (Bio-)Gemüse an, das Städter unter freiem Himmel vom Frühjahr bis zum Herbst ernten können.

Die Selbstgärtner-Projekte gehen nach einer sehr erfolgreichen Saison in die Winterpause. Wer vom Frühjahr an sein eigenes Gemüse auf einer Mietparzelle aufziehen und ernten möchte, sollte sich schnell anmelden, zumal viele Hobbygärtner ihren Parzellen über Jahre treu bleiben.

Selbstgärtner-Projekte in den Vier- und Marschlanden sehr gefragt

Jantje Schumacher hat sich mit ihrem Mitmachgartenbau bereits Mitte September in die Winterpause verabschiedet, „sogar zwei Wochen früher als eigentlich geplant“, sagt sie. Wegen der immensen Nachfrage nach ihren Grün-Produkten zu Corona-Zeiten sei sie schnell ausverkauft gewesen: „Wir sind überrannt worden. Alle wollen an die frische Luft und mit ihren Kindern einen Ausflug machen.“ Das Gelände am Warwischer Hauptdeich 72 ist auch wegen der Hühner, Gänse und Kaninchen, die zum Teil frei herumlaufen, ein beliebtes Ausflugsziel.

Beim Mitmachgartenbau mieten die Kunden keine Flächen, sondern können sich durch alle Beete arbeiten. Bezahlt wird die Ernte dann – wie im Supermarkt – nach Gewicht oder Stückzahl. Der Hofladenverkauf wurde nach draußen verlagert, alle Kurse – etwa zu Naturkosmetik oder Kräutern – fallen bis auf Weiteres aus. In die neue Saison soll Mitte Mai gestartet werden. Internet: mitmachgartenbau.de.

Solidarische Landwirtschaft: Frisches Gemüse liegt in Depots

Die Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) Vierlande beschäftigt auf ihren Pachtflächen in Neuengamme und Kirchwerder drei Gärtner, die für die Vereinsmitglieder Bio-Gemüse anbauen und ernten. Wöchentlich holen sich die Mitglieder, die allesamt Ernteanteile besitzen, das ganze Jahr über frisches Gemüse aus diversen Depots. Sonntag, 17. Januar, gibt es eine neue Bietrunde (online), bei der die Mitglieder festlegen, was sie für ihre Ernteanteile aufbringen können und wollen.

Auch in der kommenden Saison sollen 135 Ernteanteile vergeben werden – zum Durchschnittspreis von rund 110 Euro im Monat. „Ein Anteil reicht in der Regel für zwei Erwachsene mit ein bis zwei Kindern“, sagt SoLawi-Gärtnerin Kristina Knöchel. Auf der Warteliste stehen allerdings aktuell etwa 30 Namen. Internet: solawi-vierlan.de.

Unternehmer gründete das Unternehmen Ackerhelden

Tobias Paulert gründete das Unternehmen Ackerhelden , das Selbsternteparzellen in Deutschland und Österreich anbietet – auch in Tangstedt und in Spadenland (In der Weide 8). Die jeweils 40 Quadratmeter großen Gemüsegärten sind zum Saisonstart am 15. Mai mit 150 Bio-Jungpflanzen aus rund 20 Gemüsesorten vorbepflanzt. Saisonende ist am 30. November. Vergangenen Sommer wurde die Zahl der Parzellen aufgrund der immensen Nachfrage von 50 auf 70 erhöht. Mietpreis: 229 Euro. Paulert rät, sich schnellstmöglich auf die Warteliste zu setzen. „Mit Chance, können Neueinsteiger schon zum Saisonstart dabei sein.“ Internet: ackerhelden.de.

Susanne Drengemann, Mitbetreiberin des Erlebnisgarten Hamburg (Bioland) am Kirchwerder Marschbahndamm 289 bedauert, dass wegen Corona so viele Feste und Treffen ausfielen: „Das ist ja hier auch eine Begegnungsstätte.“ Es gab 2020 mehr Nachfragen als Parzellen (87), auch für 2021 liegen bereits „überdurchschnittlich viele Buchungen“ vor. Einige Parzellen sind allerdings noch frei, auch weil viele Neugärtner mit einer 21,5-Quadratmeter-Parzelle starten.

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Sie kostet 99 Euro (inklusive Bewässerung). Für 43 Quadratmeter zum Selbstgießen werden 179 Euro fällig und 85 Quadratmeter mit Bewässerung kosten 349 Euro. Je nachdem, wie viele Parzellen in welchen Größen gemietet werden, wird es 2021 zwischen 70 und 90 Selbstgärtnerflächen geben. Wer sich schnell entscheidet, kann schon zum Saisonstart Anfang Mai dabei sein. Saisonende: Oktober. Internet: erlebnis garten-hamburg.de.

Gastronomen ernten für ihre Restaurants

In Ochsenwerder nahe der Kirche St. Pankratius befinden sich Sannmanns Biogärten . Dort wurde die Saison gerade erst beendet. Ab Mitte Mai darf dort wieder bis Mitte November geackert werden – auf 100 statt bisher 90 Parzellen á 45 Quadratmeter. Angebaut werden 20 Sorten Demeter-Gemüse, Blumen, Kräuter und Salate. „Rund die Hälfte der Gartenstücke ist bereits vermietet, wir haben viele Dauermieter“, sagt Andrea Madadi aus dem Beratungsteam. Wer in Ochsenwerder dabei sein möchte, sollte sich sputen: Im Frühjahr 2020 waren alle Parzellen schon Wochen vor Saisonstart vergeben – unter anderem an Profiköche und Gastronomen, die in Ochsenwerder Gemüse für ihre Restaurants ernten.

Corona stellte Andrea Madadi und ihre Kollegen vor besondere Herausforderungen: Die Mieter mussten in kleinen Gruppen eingewiesen werden, Termine wurden übers Internet koordiniert.

Eine Parzelle kostet 289 Euro, eine halbe 179 Euro. „So etwas ist auch ein schönes Weihnachtsgeschenk – wir haben Gutscheine“, sagt Andrea Madadi. Internet: sannmanns-biogaerten.de.