Ochsenwerder

Werft hat viele Aufträge – und zu wenige Mitarbeiter

| Lesedauer: 3 Minuten
Thomas Heyen
Axel Brandt, Eigentümer der MSB-Werft, vor dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“, das dort immer liegt, wenn es nicht unterwegs ist.

Axel Brandt, Eigentümer der MSB-Werft, vor dem Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“, das dort immer liegt, wenn es nicht unterwegs ist.

Foto: Thomas Heyen

Axel Brandt, Betreiber der MSB-Werft in Ochsenwerder, sucht dringend Fachkräfte und Auszubildende.

Hamburg.  Auf der Werft am Oortkatenufer 4 herrscht Hochbetrieb. Überall wird geschraubt, geschliffen, geschweißt, gestrichen und gehämmert. Fünf Schiffe befinden sich derzeit auf dem Gelände des Marine Service Brandt , darunter die Hafenfähre „Hamburgensie“. Ein weiteres „Bügeleisen“, so werden die Schiffe aufgrund ihres besonderen Erscheinungsbildes genannt, wird in zwei Wochen erwartet. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagt Geschäftsführer Axel Brandt (46). Bis zum Frühjahr ist die Werft mit ihren 18 festangestellten Mitarbeitern und zehn Mitarbeitern beauftragter Subunternehmer ausgelastet. Und auch die weiteren Aussichten versprechen jede Menge Arbeit. Deshalb sucht Brandt dringend Fachkräfte.

Dem MSB-Chef fehlen ein Schlosser (oder eine andere Mettallfachkraft) und ein Tischler. Zum Sommer möchte er gern zwei weitere Auszubildende einstellen. „Sie können bei uns den Beruf des Konstruktionsmechanikers mit der Fachrichtung Metall- und Schiffbautechnik erlernen – natürlich mit der Aussicht auf Übernahme“, sagt der 46-Jährige. Vier Azubis im ersten und zweiten Lehrjahr lernen auf Brandts Werft derzeit diesen Beruf. Denn: Mittelfristig gehen einige der Mitarbeiter in den Ruhestand.

Junge Menschen können sich auf der Internetseite msb.hamburg informieren, finden dort Kontaktmöglichkeiten. Brandt empfiehlt Jugendlichen, die sich über verschiedene Berufe informieren wollen, aber auch allen anderen Menschen, die sich für seine Werft interessieren, einen Beitrag, der vor drei Wochen im Fernsehen (NDR Fernsehen, „Die Nordreportage“) lief. Die Sendung mit dem Titel „Hamburgs schwimmender Nahverkehr“ gibt’s in der Mediathek: ardmediathek.de.

Schiffe werden für den Winter flott gemacht

Vergangene Woche wurde die „Storch“ per Kran an Land gesetzt: Mit dem Messboot des Geesthachter Helmholtz-Zentrums werden Wasserproben entnommen. In Ochsenwerder wird es instand gesetzt. Viele Schiffe werden auf der Werft für den Winter flott gemacht.

Auch das zweite Schiff des Helmholtz-Zentrums, das Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“, liegt in Ochsenwerder. „Beide Schiffe haben hier ihren Heimathafen“, sagt Brandt. „So können wir sie kurzfristig reparieren, wenn sie mit Beschädigungen von ihren Einsätzen zurückkommen.“ Die „Ludwig Prandtl“ war gerade zwei Monate auf Nord- und Ostsee unterwegs, weiß der Werftbetreiber.

Anspruchsvoll gestaltet sich auch der Umbau der ehemaligen Privatjacht „Eureka“ in der großen Werft-Halle: Aus dem 20-Meter-Schiff wird ein Bestattungsschiff.

Umbau über fünf, sechs Monate

Die meiste Arbeit beschert den Metallfachkräften und Schiffbauern derzeit allerdings die „Hamburgensie“: Die Hadag-Fähre wird über fünf, sechs Monate umgebaut – ein „Refit“ sagt der Profi dazu. Die MSB-Mitarbeiter statten das Schiff mit umweltfreundlichen Abgasnachbehandlungsanlagen aus, bei denen der Katalysator nur ein Bestandteil ist. „Die mehr als 20 Hadag-Fähren werden im Laufe der Jahre nach und nach entsprechend umgerüstet“, sagt Brandt. Auch in der Vergangenheit wurden von seinem Unternehmen bereits einige Fähren mit den umweltfreundlichen Anlagen ausgestattet. Dafür müssen die Spezialisten an den Hauptmaschinen und an den Hilfsdieselmotoren arbeiten. Bei der „Hamburgensie“ wird – unabhängig von der Umweltfreundlichkeit – auch an dem rundum drehbaren Spezialpropeller gearbeitet. „So ein Propeller läuft rund 5000 Stunden im Jahr“, sagt Brandt.

Der 46-Jährige ist mit der MSB-Werft im siebten Jahr am Oortkaten-ufer vertreten. Brandt bezog das Gelände, nachdem etwa eineinhalb Jahre zuvor dort die SSB-Werft Insolvenz angemeldet hatte.