Machbarkeitsstudie

Dove-Elbe: Bürgerinitiative will weiter kämpfen

Im Forum Tideelbe wurde die Dove-Elbe von der Tatenberger Schleuse (1) bis zur Krapphofschleuse (re.) betrachtet (blaue Linie). Nach vehementen Widerstand wurde entschieden, die Anschlussvariante zu ändern. Dies würde den Bau einer Mittelschleuse auf Höhe der Allermöher Kirchenbrücke nötig machen (2). So würde der Tideneinfluss auf den Abschnitt zwischen Tatenberger Schleuse und Kirchenbrücke begrenzt werden. Hinzu käme die Vertiefung von Fahrrinnen, Hafenbecken und Zufahrten im schraffierten Bereich (3).

Im Forum Tideelbe wurde die Dove-Elbe von der Tatenberger Schleuse (1) bis zur Krapphofschleuse (re.) betrachtet (blaue Linie). Nach vehementen Widerstand wurde entschieden, die Anschlussvariante zu ändern. Dies würde den Bau einer Mittelschleuse auf Höhe der Allermöher Kirchenbrücke nötig machen (2). So würde der Tideneinfluss auf den Abschnitt zwischen Tatenberger Schleuse und Kirchenbrücke begrenzt werden. Hinzu käme die Vertiefung von Fahrrinnen, Hafenbecken und Zufahrten im schraffierten Bereich (3).

Foto: Forum Tideelbe

Bürgerinitiative ist enttäuscht: Die Öffnung der Dove-Elbe ist weiter aktuell. Für Sonntag ist eine Protestaktion in Hamburg geplant.

Tatenberg. Insgeheim hatten die Anlieger der Dove-Elbe schon gehofft, heute die Sektkorken knallen lassen zu können. Schließlich sei im Hintergrund schon gemunkelt worden, die Anbindung der Dove-Elbe an die Tideelbe sei vom Tisch. Doch die Korken mussten in der Flasche bleiben. „Wir sind schon sehr enttäuscht. Wir hatten uns konkretere Aussagen gewünscht. Jetzt sind wir genauso unsicher wie vorher“, sagt Wolfgang Schnorrenberg, Vorsitzender vom Hamburger Yacht-Club am Tatenberger Deich. Für die Bürgerinitiative „Dove-Elbe-retten.de“ ist ganz klar: „Unser Engagement geht weiter“, betont Torsten Möller vom Sportboothafen Möller.

Die große Ablehnung ist in der Machbarkeitsstudie vermerkt

Ebenso wie die Sportschiffer sorgen sich entlang der Dove-Elbe viele Anwohner, Werften, Angler, Jachthafenbesitzer, Landwirte, Gärtnereien oder Berufsschiffer um die Zukunft des Flussarmes. Dass die Maßnahme gesellschaftlich mehrheitlich ablehnt wird, ist in der gut 170 Seiten starken Machbarkeitsstudie zur Dove-Elbe vermerkt. Daher sei der Betrachtungsraum auch verkleinert worden: Statt bis zur Krapphofschleuse wurde der Tideeinfluss auf den Abschnitt bis zur Allermöher Kirchenbrücke begrenzt, wo für den Fall eine Mittelschleuse gebaut werden müsste.

Heinz Wulff, Vorsitzender vom Wasserverbandstag Hamburg, kritisiert, dass die Dove-Elbe überhaupt in die nähere Betrachtung gekommen ist. Denn das Forum Tideelbe verfolgt das Ziel, der Tideelbe mehr Raum zu geben. Doch mit der Variante, die nun betrachtet werde, sei das nur noch ein Viertel der ursprünglich betrachteten Fläche, der Effekt daher minimal. „So wäre die Dove-Elbe direkt rausgefallen“, ist Wulff überzeugt, der die Maßnahme daher ausdrücklich ablehnt. Auch weil er eine Vergiftung der Gräben durch den Eintrag von schadstoffbelasteten Sedimenten fürchtet, die dann alle paar Jahre kostenintensiv von den privaten Anliegern und Landwirten entsorgt werden müssten.

Politik muss über Umsetzung der Maßnahmen entscheiden

Die Wasser- und Bodenverbände in Hamburg und Niedersachsen lehnen eine weitere Planung und Umsetzung der Maßnahmen Dove-Elbe und Alte Süderelbe grundsätzlich ab. Das gilt auch für den Bauernverband Hamburg. Befürchtet wird die nachhaltige Veränderung des etablierten Systems der Be- und Entwässerung, die Inanspuchnahme von landwirtschaftlichen Flächen, eine nachhaltige Veränderung der Natur vor Ort sowie ein Eintrag von schadstoffbelasteten Schwebstoffen in die Gewässer.

Manfred Meine, Geschäftsführer vom Forum Tideelbe, muss eingestehen, dass man sich zu Beginn des Prozesses vor vier Jahren deutlich mehr erhofft hatte: Die vom Forum empfohlenen Maßnahmen könnten die ökologisch nachteiligen Entwicklungen der Tideelbe nur bedingt ändern. Dennoch stehe fest, dass etwas getan werden muss, so Meine. Denn das Gesamtsystem Tideelbe ist durch menschliche Eingriffe – wie Fahrrinnenanpassung, Ausbau von Häfen oder Eindeichungen – gestört. Daher müssten dringend Maßnahmen ergriffen werden, um das Ungleichgewicht der Tidedynamik, das sich durch den Klimawandel weiter verschärfen wird, zu reduzieren.

Nun sei die Politik gefordert, über die weitere Planung und Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen zu beraten und zu befinden. Gleichzeitig müsse der Dialog zur Zukunft der Tideelbe weitergehen.

Ablehnung soll vor dem Rathaus deutlich gemacht werden

Die Fraktionen in der Bergedorfer Bezirksversammlung hatten bereits im August einstimmig einen Antrag auf den Weg gebracht, der eine Öffnung der Dove-Elbe ablehnt. Bezirksversammlungsmitglied Jörg Froh (CDU) aus Allermöhe bekräftigt diese Ablehnung erneut wie sein Parteifreund Dennis Gladiator. „Dove-Elbe und Tideelbe zu verbinden, war von Anfang an eine Schnapsidee. Es ist nun Aufgabe des Senats, diesen Schildbürgerstreich endgültig zu beerdigen“, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete. Karsten Schütt, Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Bergedorf, kritisiert, dass die ökologischen Vorteile in der Machbarkeitsstudie nun hervorgehoben werden, da die Effekte auf das Tidegeschehen zu vernachlässigen sind. „Bei den Umbaumaßnahmen die erforderlich wären, kann ich aber keinerlei Vorteile erkennen“, stellt Schütt fest.

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Die Bürgerinitiative „Dove-Elbe-retten.de“ hat für Sonntag, 4. Oktober, zur Übergabe der knapp 13.200 Unterschriften aufgerufen, die für den Erhalt des Flusses gesammelt wurden. Sie sollen gegen 14 Uhr auf dem Hamburger Rathausmarkt übergeben werden. Wer dabei sein möchte, meldet sich an per E-Mail an: teilnahme@dove-elbe-retten.de.

Ergebnisbericht und Machbarkeitsstudie des Forums Tideelbe können im Internet abgerufen werden: www.forum-tideelbe.de (Ergebnisse).