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Landesligist SV Altengamme: Transferoffensive ohne Geld

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Hanno Bode
Das Team des SV Altengamme für die Saison 2022/2023.

Das Team des SV Altengamme für die Saison 2022/2023.

Foto: Volker Gast

Bewährtes Konzept: Der Verein peilt mit Talenten aus der Region in der Fußball-Landesliga einen einstelligen Tabellenplatz an.

Altengamme.  Wer in diesen Tagen in der Spaghetteria Casa Leone an der Playa de Palma auf Mallorca Essen geht, der könnte auf den Gedanken kommen, dass es sich bei den Spielern des SV Altengamme um berühmte Berufskicker handelt. Denn an der Wand des bei Touristen sehr beliebten Lokals hängen aufwendig gestaltete, professionell angefertigte Autogrammkarten der Spieler des Vierländer Clubs neben signierten Bildern von Schlagerstars wie Mickie Krause.

Die Akteure des Landesligisten hatten sich die Autogrammkarten aus Spaß für ihre Saison-Abschlussreise drucken lassen – und fanden erstaunlich viele Abnehmer. „Am zweiten Abend waren fast alle weg“, berichtet der Sportliche Leiter Philipp Mohr.

Fußball-Landesliga: SV Altengamme will oben mitspielen

In der Casa Leone haben sich die Altengammer also verewigt. Und nun möchten sie nach einer verkorksten Vorsaison, in der lange um den Klassenerhalt gezittert werden musste, auch in der Landesliga wieder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit Ausnahme von Torhüter Lars Stephan (35) sind die Neuzugänge alle maximal Mitte 20 und bringen neben viel fußballerischem Talent eine enorme Dynamik mit ins Team.

„Für uns war das ein Top-Sommer, vielleicht der beste seit Jahren. Wir haben richtig viel Qualität dazugewonnen“, schwärmt Mohr von den Neuverpflichtungen. Seiner Beharrlichkeit ist es beispielsweise zu verdanken, dass Jesper Garbers nun seine Fußballschuhe am Gammer Weg schnürt. Den 25-Jährigen hatte Mohr zuvor schon zweimal angesprochen – und jeweils einen Korb bekommen. Der Sportchef blieb dennoch hartnäckig und lotste den früheren Dassendorfer Oberliga-Kicker nun vom SV Nettelnburg/Allermöhe in die Vierlande.

Jesper Garbers hat als einziger der Neuzugänge höherklassig gespielt

Garbers, der bereits in der Jugend für den SVA auflief, ist der einzige der sieben Zugänge, der schon höherklassig gespielt hat. Für alle anderen ist der Wechsel ein Karrieresprung. Während sich viele Landesliga-Konkurrenten mit namhaften – und teuren – Spielern aus höheren Ligen verstärkt haben, setzen die Vierländer auf junge Kicker aus der Region. Aufwandsentschädigungen – wie andernorts fast überall üblich – zahlt der Club ohnehin nicht.

„Alle greifen oben ins Regal, wir unten. Aber günstiger ist ja nicht schlechter“, ist Coach Ingo Carstensen zu 100 Prozent einverstanden mit der Philosophie des Dorfvereins. „Die Idee, die wir verfolgen, holt offenbar viele junge Leute ab. Ich denke, wir haben uns einen guten Ruf erarbeitet“, sagt Mohr zufrieden. Tatsächlich hätten die Zugänge Jan Lukas Stegen, Tristan Förstner, Anton Geffert, Stephan, Garbers sowie die Zwillinge Erik und Peer Wegner anderswo wohl ein paar Euro für die Ausübung ihres Hobbys bekommen können. Sie taten es aus verschiedenen Gründen nicht.

Ex-Coach Jörn Geffert riet seinem Sohn zum SV Altengamme

Dem sehr begabten Angreifer Geffert wurde beispielsweise von seinem Vater Jörn dazu geraten, den nächsten Schritt in den Vierlanden zu machen. Der Papa hatte in Altengamme von 2017 bis 2019 eine schöne Zeit als Trainer. Innenverteidiger Förstner wurde von seinem Studienkollegen Philip Alpen einfach mal zum Training mitgebracht. Dort gefiel es dem baumlangen Defensivspezialisten so gut, dass er sich für einen Wechsel von Eintracht Lüneburg zum SVA entschied. Der 1,95 Meter große Abwehrspieler soll die Lücke schließen, die durch das Karriere-Ende von Dominik Scheu (jetzt Co-Trainer) entstanden ist. Auf das Zusammenspiel mit Kumpel Alpen muss Förstner dabei zunächst verzichten. Der Angreifer fällt mit einer Fußverletzung vorerst aus. „Das ist sehr bitter. Er ist einer der Spieler, die eigentlich nicht fehlen dürfen“, seufzt Carstensen.

Die Vorzeichen für eine erfolgreiche Saison stehen trotz der 1:2-Auftaktniederlage gegen den ASV Hamburg gut. „Für uns wäre ein einstelliger Tabellenplatz ein Erfolg“, erklärt Mohr. Am Sonntag müssen die Vierländer beim starken Aufsteiger HT 16 ran (12 Uhr Legienstraße). Im Pokal stehen sie bereits in der dritten Runde. Und wer weiß: Gelingen dort noch ein paar Siege, gibt es vielleicht bald Grund, neue Autogrammkarten zu produzieren.

SV Altengamme – der Kader

Tor: Marco Fedgenhäuer, Nick Kiesling, Lars Stephan (SV Nettelnburg/Allermöhe)

Abwehr: Marvin Behr, Tristan Förstner (Eintracht Lüneburg), Bastian Hinrichs, Rene Johannsen, Niko Reimers, Marco Schulz, Simon Seidel, Tim Stegmann, Peer Wegner (SC Vier- und Marschlande)

Mittelfeld: Patrick Bierwagen, Max Böttcher, Jonas Buck, Jesper Garbers (SVNA), Anton Geffert (A-Jugend Wentorf), Christopher Kleinert, Marcel Mohr, Sebastian Peters, Luc Noah Klasen, Dennis Reckstadt, Lasse Voigt, Janis Voß, Erik Wegner (SCVM)

Sturm: Philip Alpen, Marvin Heitbrink, Jan Lukas Stegen (SC Wentorf)

Abgänge: Sebastian Pietsch (4. Herren), Tjorben Rexin (SVCN), Dominic Teßmann (2. Herren), Dominik Scheu (Karriererende)

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