Ochsenwerder

Der Mann, der als Darth Vader das Hamburg-Wetter vorhersagt

| Lesedauer: 7 Minuten
Thomas Heyen
Torben Schwarz präsentiert täglich das Wetter für Hamburg und Umgebung im Internet. Dort ist er nicht zu erkennen, denn der 37-Jährige trägt auf seiner Seite "Hamburg-Wetter" stets eine Darth-Vader-Maske.

Torben Schwarz präsentiert täglich das Wetter für Hamburg und Umgebung im Internet. Dort ist er nicht zu erkennen, denn der 37-Jährige trägt auf seiner Seite "Hamburg-Wetter" stets eine Darth-Vader-Maske.

Foto: Torben Schwarz

Wenn Hobby-Meteorologe Torben Schwarz verkleidet das Wetter im Internet präsentiert, verfolgen das bis zu 20.000 Menschen am Tag.

Ochsenwerder. Wenn Torben Schwarz seine Wetterberichte im Internet präsentiert, werden sie auf Facebook und Instagram von bis zu 20.000 Menschen angeklickt - am Tag. Der aus Kirchwerder stammende Hobby-Meteorologe tritt auf seiner "Hamburg-Wetter"-Seite stets mit einer Darth-Vader-Maske auf, dem Kennzeichen des dunklen Jedi-Ritters aus dem Science-Fiction-Klassiker "Krieg der Sterne".

Zudem trägt der 37-Jährige auf den eingeblendeten Bildern dem Wetter entsprechende Kleidung und Accessoires wie Sonnenbrille, Regenschirm, kurze Hose oder auch mal einen Rock.

Der Wettermann mit Darth-Vader-Maske stammt vom Krauel

Nur einmal habe er die Maske des dunklen Lords abgesetzt und auf seiner Wetterseite ein Foto gezeigt, das sein Gesicht zeigt: "Das war zu meiner Hochzeit, quasi ein Geschenk für die Abonnenten", sagt Schwarz.

Jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen werden die aktuellen Daten gesichtet und eine Wettervorhersage im Internet veröffentlicht. Als Schwarz vor zwölf Jahren anfing, standen die kultigen Illustrationen der Wetterprognosen im Vordergrund. Das hat sich längst geändert: Der Masken-Mann ist im Kommentar-Bereich unter dem Hauptbild zu sehen. Dominiert wird die Seite von einer Stadtkarte, die Hamburg und Umgebung zeigt.

Inzwischen steht der Service-Charakter im Vordergrund

"Viele Abonnenten hatten sich das so gewünscht - mehr Service-Charakter, weniger Kult", sagt Schwarz, der diese Richtungsänderung ein wenig zu bedauern scheint. Obwohl er, was die Korrektheit seiner ermittelten Daten betrifft, keinen Scherz versteht: "Da hört der Spaß auf."

Neue Masken- und Verkleidungsbilder macht der Wetterfrosch nur noch selten: In seinem Archiv haben sich rund 100 Aufnahmen für jede Wetterlage angesammelt. Die Wetterkarte mit den Temperaturanzeigen und Wettersymbolen bastelte er mit einem Freund am Computer. Die Wettervorhersagen können kostenfrei angeklickt werden.

Torben Schwarz wohnt jetzt in Asendorf in der Nordheide

Schwarz wohnt sei 2017 in Asendorf bei Jesteburg in Niedersachsen, am Stadtrand von Hamburg. Er ist verheiratet, das Paar hat eine zweieinhalbjährige Tochter. Sein Geld verdient der gelernte Speditionskaufmann als Vertriebsinnendienstler einer Firma in Buchholz in der Nordheide.

Mit seiner Wetterstation auf dem Grundstück seiner Eltern am Kraueler Hauptdeich zog er 2016 an den Ochsenwerder Norderdeich. "Dort hat ein guter Freund einen Gartenbaubetrieb mit Winterdienst", sagt Schwarz. "Der kann die Wetterdaten selbst gut gebrauchen."

Wetterstation steht am Ochsenwerder Norderdeich

Die Wetterstation steht am Ende eines großen Feldes, auf einem Hallendach ist ein Windaufzeichnungsgerät befestigt. Die nächsten Häuser stehen weiter weg, "das ist besonders für die Windmessungen gut, wenn es um maximale Sturmböen und Windgeschwindigkeiten geht". Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag werden von der Wetterstation gemessen - zwei Meter über dem Boden, so wie es in der Meteorologie Standard ist.

Alle zwei Sekunden werden die Windaufzeichnungen aktualisiert, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck angepasst. Auch über die gefühlte Temperatur kann Torben Schwarz Aussagen treffen. Sie ist nicht nur von den tatsächlichen Celsius-Werten abhängig, sondern auch entscheidend vom Wind. Eine leichte Brise macht aus acht Grad Celsius schnell gefühlte kühle drei Grad.

Torben Schwarz hat auch internationales Wetter im Blick

Eine zweite, baugleiche, aus den USA stammende Anlage steht seit vier Jahren auf seinem Grundstück in Asendorf. Empfangsgeräte in Haus und Halle zeichnen die gemessenen Daten auf und übermitteln sie per Datenfernübertragung ans Internet. "Die einzelnen, zur Station zählenden Geräte sind wiederum per Funk miteinander verbunden."

Zwei Wetterstationen seien oft hilfreich, um noch genauere Daten zu erhalten, sagt der Experte, der auch die Daten der internationalen Wettermodelle stets im Blick hat - rund um den Globus miteinander verbundene Hochleistungsrechner.

Sponsor unterstützt den Hobbymeteorologen

Rund 1200 Euro kosteten die Wetterstationen jeweils. "Im semiprofessionellen Bereich sind sie das Beste und Teuerste. Sie werden auch von Profis genutzt", sagt Schwarz. Die nächstbesseren Messstationen würden gleich mehrere Zehntausend Euro kosten. "Doch sie haben keine bessere Leistung. Aufgrund der besseren Verarbeitung halten sie allerdings länger."

Gelegentlich müssen verschlissene Bauteile ausgetauscht werden. Geld kostet Schwarz auch der Provider, der den Internetauftritt ermöglicht. Deshalb freut sich der 37-Jährige über eine kleine, regelmäßige Finanzspritze eines Sponsors - eine Versicherung, deren Name mit im Bild des Wetterstudios zu sehen ist.

Hobbymeteorologe Torben Schwarz hat 8000 Follower

Doch Schwarz macht "Hamburg-Wetter" nicht, um Geld zu verdienen, sondern aus Spaß an der Meteorologie. Und das kommt gut an: 8000 Menschen verfolgen seine Vorhersagen regelmäßig, Abonnenten, sogenannte Follower. 95 Prozent von ihnen würden aus Hamburg und Umgebung stammen, also aus Schwarz' Wirkungskreis.

"Die anderen fünf Prozent finden wohl einfach die Präsentation witzig oder sie machen Urlaub in Hamburg." Es käme wohl auch gut an, dass er sich bemühe, jede E-Mail zu beantworten. "Ein Abonnent lebt in Chile. Wir schreiben uns auf Spanisch, Deutsch und Englisch."

Er wäre allerdings auch gern Berufs-Meteorologe: "2001 bewarb ich mich beim Deutschen Wetterdienst um einen Ausbildungsplatz im mittleren Dienst - zur falschen Zeit. Leider wurden damals keine Ausbildungen angeboten."

Schon als Kind vom Blick in die Wolken fasziniert

Wieso er in die Meteorologie so vernarrt ist? "Ich weiß es nicht. Das war schon als Kind so." Das ursprüngliche Haus seiner Eltern habe in Kirchwerder direkt auf dem Deich gestanden. "Das war vor seinem Abriss das südlichste Haus Hamburgs. Wir hatten einen freien Blick - auch auf die Wolken. Vielleicht hat mich das beeinflusst."

Nach wie vor sei der 37-Jährige gern draußen. Bei Gewitter steuert er Plätze in der Umgebung an, von denen aus sich die elektrischen Entladungen aus der Ferne gut beobachten und fotografieren lassen.

Wetterprognosen oft genauer als die der Profis

Dass seine Beobachtungen, Schlussfolgerungen und Vorhersagen oft sogar genauer sind als die der Profis, mache Schwarz schon ein wenig stolz: "Während die die ganze Welt im Blick haben, schaue ich auf einen relativ kleinen Bereich. Durch diese Spezialisierung kann ich ausführlicher arbeiten, sodass ich genauere und detailliertere Ergebnisse erhalte."

Bei unspektakulären Wetterverhältnissen seien seine Daten oft genauer als die des Wetterdienstes. "Bei Sturm, Gewitter und Starkregen schauen auch die Profis genauer hin, liefern auch sie sehr präzise Vorhersagen."

Irrtümer kommen vor: Unwetter übersehen

Wetter-Apps würden wiederum oft Daten ausspucken, die ungefiltert aus den Wettermodellen kämen. "Da fehlt die Einschätzung durch einen Menschen, gibt es keine Erfahrungswerte." Deshalb würden die Prognosen manchmal daneben liegen.

Doch auch Schwarz habe sich schon häufiger geirrt, etwa Gewitter als unwahrscheinlich angekündigt - "und dann kam ein heftiges Unwetter über große Teile der Stadt. Oder es war umgekehrt". Ein, zwei Stunden investiere er täglich in sein Hobby, das so vielen Menschen im Alltag hilft. "Wenn das Wetter besonders spannend ist, sind es schnell auch mal drei, vier Stunden."