Gärtnereibetriebe

Neuer Bio-Betrieb in den Vier- und Marschlanden

Kai Burmester (50), Gärtnermeister und Mitglied des regionalen Vermarktungsverbandes Vierländer Frische, produziert seine „Energie-Kräuter“ nun nach der europäischen Öko-Verordnung und hat zwei Drittel seiner Betriebsfläche auf Bio umgestellt. Hier präsentiert er Thymian (links) und Salbei.

Kai Burmester (50), Gärtnermeister und Mitglied des regionalen Vermarktungsverbandes Vierländer Frische, produziert seine „Energie-Kräuter“ nun nach der europäischen Öko-Verordnung und hat zwei Drittel seiner Betriebsfläche auf Bio umgestellt. Hier präsentiert er Thymian (links) und Salbei.

Foto: Thomas Heyen

Kai Burmester aus Ochsenwerder betreibt nun zum Großteil Öko-Landbau. Die Angst vor einem Misserfolg ist sein täglicher Begleiter.

Ochsenwerder. Er möchte seinen Pflanzen „gute Leckerlis bieten“: Kai Burmester setzt bereits seit mehr als 15 Jahren auf organisches Bio-Substrat als Dünger, verwendet selbst gemixte Pflanzenstärkungsmittel. Schädlinge in seinen Zierpflanzen und Kräutern, allesamt Topfpflanzen, bekämpft der Gärtnermeister mit Nützlingen, Ölen und Pflanzenextrakten. Standarddünger habe er nur selten verwendet. Doch den letzten Schritt traute sich Burmester lange nicht zu machen – bis jetzt.

Seit August stellt er seinen Betrieb weitgehend auf Öko-Anbau um. Auf zwei Dritteln seiner Gärtnerei-Fläche am Ochsenwerder Elbdeich 81 – etwa zur Hälfte Felder und Gewächshäuser auf einem Hektar – produziert er nun zertifizierte Bio-Kräuter (zwei Drittel) und Bio-Blumen (ein Drittel; Sommerstauden, Ziergräser) nach EU-Öko-Verordnung.

Umstellung auf Bio-Anbau sorgt für Angst vor Misserfolg

Bei einem Rundgang durch die Gärtnerei mit Berufskollegen aus verschiedenen Bundesländern, Vertretern von Bioverbänden, dem Kontrollverband Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS), dem Label Bioland, der Landwirtschaftskammer, Beratern sowie den Produzenten von Bio-Dünger und -Substrat informierte der 50-Jährige die rund 20 Gäste über seine Betriebsumstellung. Nach der jahrelangen Vorarbeit sei die letzte große Hürde vor der Umstellung „die Angst im Kopf“ gewesen, sagte der Gärtnermeister.

Die Angst vor einem Misserfolg sei nach wie vor sein Begleiter, betont Burmester. „Was ist, wenn es doch mal einen heftigen Schädlingsbefall gibt? Kriege ich das hin?“ Außerdem wisse er nicht, welche Kosten exakt auf ihn zukommen. Der Gärtner geht von bis zu 25 Prozent Mehrkosten aus, die er im Wesentlichen auf den Verkaufspreis schlagen wird. Burmester zahlt nun mehr Geld für biologische Pflanzenschutzmaßnahmen und Dünger, Beratung und vorgeschriebene Kontrollen sowie den Einkauf von Saatgut und Jungpflanzen.

Erste Bio-Pflanzen werden im März verkauft

Die ersten Bio-Pflanzen werden im März verkaufsbereit sein, berichtet Burmester, der nun Schritt für Schritt umstellt und erst einmal seine Gewächshäuser reinigt. Dafür setzt er Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) ein, die – als Extrakt im Gießwasser für die Pflanzen oder im Raum versprüht – chemische Restbestände abbauen.

Ab Vertragsbeginn, also dem Tag, an dem der Gärtner oder Landwirt mit der Umstellung auf Öko-Landbau beginnt, wird der Betrieb mindestens einmal im Jahr kontrolliert. Die Prüfer kommen vorbei, ziehen auch Proben, die im Labor ausgewertet werden, berichtet Susanne Dlugowski vom Kontrollverband GfRS in Göttingen. Weitere Kontrollen nimmt der Handel vor, der die Messlatte oft höher lege als das Pflanzenschutzgesetz, betonen die Experten bei dem Rundgang.

Gärtnerei bereits in vierer Generation

Kai Burmester produziert ausschließlich Pflanzen in Töpfen, will nun von Plastik- auf umweltfreundliche Materialien wie Hanf umstellen. Der Zustand des Bodens, auf dem die Töpfe stehen, spielt keine Rolle. Seine Berufskollegen, deren Pflanzen nicht in Töpfen produziert werden, haben es da schwerer: Die Europäische Union schreibt in ihrer Ökoverordnung vor, dass die Ackerfläche im ersten Jahr der Umstellung noch als konventionell gilt und – je nach den dort wachsenden Produkten – erst im zweiten oder dritten Jahr von Bio-Pflanzen gesprochen werden kann.

Burmester betreibt die mehr als 100 Jahre alte Gärtnerei, die mit dem Anbau von Gemüse begann, in vierter Generation, steht seit 2012 an ihrer Spitze. Neben seiner Frau packen auch seine Eltern sowie zwei weitere Mitarbeiter mit an. Vor 15 Jahren begann Burmester mit der Kräuterproduktion. Heute wachsen in seiner Gärtnerei rund 40 Sorten, darunter Minze, Thymian, Salbei, Rosmarin, Petersilie, Oregano und Strauchbasilikum, aber auch Tee-­ und Chili-­Pflanzen sowie Asia-­Salate.

Seit fünf Jahren verstärkte Umstellung auf Öko-Landbau

Der 50-Jährige vertreibt sie unter dem geschützten Begriff „Energie-Kräuter“. Außerdem produziert er mehr als 100 Zierpflanzensorten. Die Topfpflanzen verkauft er an eine große und kleine Händler, darunter auch Gartencenter. Für eine große Handelsgesellschaft, die seine Gärtnerei seit 25 Jahren beliefert, ist Burmester auch als Berater tätig.

Immer mehr Gärtner stellen in Deutschland vom konventionellen Anbau auf Bio um, berichtet Björn Marzahn, Sprecher der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA). „Erkennbar ist, dass seit 2015 wieder eine verstärkte Umstellung auf den ökologischen Landbau eingesetzt hat, auch in Hamburg“, sagt er. Die Umstellungsbereitschaft als solche werde von den Behörden nicht erhoben. Der Deutsche Bauernverband berichtete im August, dass das „Öko-Umstellungsinteresse deutscher Bauern bei 18 Prozent“ liege. Drei Prozent seien fest entschlossen. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren wollten zwölf Prozent auf Öko-Anbau umstellen. Es sei aber kaum umgestellt worden.

Dennoch habe die Produktionskapazität des Ökolandbaus in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren kumuliert um mehr als 50 Prozent zugenommen. Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Öko-Betriebe real um 6,3 Prozent auf 33.698 Betriebe – das sind 12,6 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe. Umstellen würden vor allem Futterbaubetriebe, aber die Ackerbauern und Veredler hätten ebenfalls stark zugelegt, berichtet der Bauernverband.

Senat will Anteil der Öko-Flächen massiv erhöhen

Entsprechend steige die Anfrage nach Bio-Dünger, bestätigten die Mitarbeiter der Hersteller-Firmen bei der Hofbesichtigung in Ochsenwerder. In Hamburg sollen Öko-Landwirtschaft und neue regionale Absatzmöglichkeiten gefördert werden, berichtet der Verein Landesvereinigung Ökologischer Landbau Schleswig-Holstein und Hamburg (LVÖ, von der BUKEA geförderte Hamburger Bio-Offensive). Öko-Produkte insbesondere regionaler Herkunft sollen in öffentlichen Einrichtungen der Stadt verstärkt angeboten werden.

Lesen Sie auch:

Die Bioladen-Alternative zu „Currywurst-Pommes“

In der Koalitionsvereinbarung der rot-grünen Regierung wird dem Ökolandbau ein hoher Stellenwert beigemessen. Ziel sei es, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche bis 2025 von derzeit 9,4 Prozent auf 20 bis 25 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu erhöhen.

“Bio-Gartenbautagung“ in Rosengarten-Ehestorf

Trotz aller Bedenken ist Burmester optimistisch: „Wenn alles gut läuft, werde ich in zwei, drei Jahren nur Bio-Pflanzen produzieren.“

Für Mittwoch, 28. Oktober, 10 bis 16.30 Uhr, bittet die LVÖ zu einer „Bio-Gartenbautagung“ im Museum am Kiekeberg, Am Kiekeberg 1, in Rosengarten-Ehestorf. Dort berichtet unter anderem ein Praktiker aus seiner 30-jährigen Erfahrung mit dem Anbau von Zierpflanzen und Gemüsejungpflanzen nach Bio-Zertifikat. Internet: www.oekolandbau-hh.de. Telefon: 04331/9 43 81 79.