Schmieden, Lanzenkampf und Schabernack in Neuengamme

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Lena Diekmann
Meisterin Gretlein Rotenburger (rechts) leitet in ihrer Schmiede ihren Gesellen Lucas beim Bearbeiten von Metall an, während Joel (hinten) das Feuer schürt.

Meisterin Gretlein Rotenburger (rechts) leitet in ihrer Schmiede ihren Gesellen Lucas beim Bearbeiten von Metall an, während Joel (hinten) das Feuer schürt.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Im „Historischen Spiel“ reisen 20 Kinder ins Köln des Jahres 1431 und bereiten sich auf Fasnacht vor. Wir waren vor Ort.

Hamburg. Der Geruch von Rauch und Feuer hängt in der Luft. Dazu ertönt das metallische Klopfen von Hammer auf Amboss hinter dem Neuengammer Gemeindehaus an der Feldstegel. Denn das Gelände zwischen Abenteuerspielplatz, Fußballwiese und Bahndamm verwandelt sich in dieser Woche wieder zu einem Fleckchen längst vergangener Zeiten. Genauer gesagt: Ins Köln zu Beginn des Jahres 1431. Und dort bereiten sich die Bürger der Stadt voller Vorfreude auf Fasnacht vor.

„Mummenschanz und Narrentanz“ lautet in diesem Jahr das Motto für das Historische Spiel, das bereits seit 1997 für Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren in Neuengamme angeboten wird. Seit acht Jahren organisiert die Evangelische Jugend Neuengamme das Ferienprogramm, steckt Jahr für Jahr viel Engagement, Herzblut und Liebe zum Detail in die Vorbereitungen.

Nach einem Jahr Pause kann die Zeitreise endlich wieder starten

In diesem Jahr war die Vorfreude auf die fünftägige Zeitreise besonders groß, denn im vergangenen Jahr musste das beliebte Spiel coronabedingt erstmals ausfallen. Ebenso das Zeltlager und die Kanufreizeit der Gemeinde. In diesem Sommer ist das bewährte Ferienprogramm wieder möglich – wenn auch noch mit deutlich kleineren Gruppen als vor der Pandemie. So gehen im Historischen Spiel 20 Mädchen und Jungen auf Zeitreise – damit etwa die Hälfte weniger als noch 2019. Doch bei Martin Tonne überwiegt ganz klar die Freude: „Die Arbeit mit den Kindern hat mir sehr gefehlt“, sagt der Neuengammer Diakon, der in dieser Woche zum Bürgermeister von Köln wird.

Mit prunkvollem Schlüssel an der dicken, goldenen Halskette schreitet er als Johann von der Arken durch seine Stadt, in der die Bürger in ihren verschiedenen Gewerken noch fleißig arbeiten: So werden Körbe geflochten sowie Holzschwerter und Narrenstäbe gefertigt, in der Apotheke Salben angerührt und Tee gekocht. Die Ritter üben den Kampf mit der Lanze und dem Schwert, pflegen ihr Rüstzeug, während in der Schneiderei Jonglierbälle genäht und mit Zwiebelschalen oder Rotkohl die Gewänder für die verschiedenen Gewerke gefärbt werden.

Die hohen Herren erwartet im Mummenschanz so mancher Schabernack

Doch im Hintergrund zieht Unruhestifter Pit bereits seine Fäden und stachelt seine Mitbürger zu allerhand Schabernack an. Denn die Fasnacht naht mit großen Schritten. Bis dahin müssen unbedingt die bunten Masken für jeden Bewohner fertig sein. Denn beim Mummenschanz (Maskenspiel) wird die Ordnung der Stadt auf den Kopf gestellt und so manchem Meister ein Streich gespielt. Allerorts soll dann Freud und Lachen das Feilschen und den Arbeitstrott ersetzen. Den hohen Herren missfällt dieses ausgelassene Treiben schon jetzt.

Bis zum Ende der Woche wird sich aber vor allem der Bürgermeister wohl noch so einigen Schabernack gefallen lassen müssen. Das wird Martin Tonne gern über sich ergehen lassen. Genießt es der Diakon doch ebenso wie die Betreuer, im Historischen Spiel immer wieder in ganz neue Rollen zu schlüpfen.

Während Martin Tonne in den vergangenen Jahren so schon zu einem Bischof oder Römer wurde, gefiel Flemming Reher – in diesem Jahr als Glasermeister Kasimir dabei – in all den Jahren die Rolle als vornehmer Wikinger Bolli Bollerson besonders gut: „Da kam ich voller Prunk und mit erhobener Nase von meinen Reisen zurück und konnte Geschichten anderer Länder erzählen“, erinnert sich der 22-Jährige, der voll und ganz in seinen Rollen aufgeht.

„Ich habe das als Kind schon sehr gemocht und bin ebenso gern als Teamer dabei“, sagt der Neuengammer, der schon seit mehr als einem Jahrzehnt im Sommer an der Feldstegel stets mit in die Vergangenheit reist. „Ich bin damit groß geworden und möchte den Kindern heute das zurückgeben, was ich damals erleben durfte“, sagt der 22-Jährige.

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