Hobby

Wo aus Blech und Stahl filigrane Kunstwerke entstehen

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Lena Diekmann
Mit Amboss und Hammer kann Hubertus Schulze umgehen. Der 68-Jährige war 50 Jahre lang beruflich als Schmied tätig. Und auch im Ruhestand bearbeitet er weiterhin gern heißes Eisen.

Mit Amboss und Hammer kann Hubertus Schulze umgehen. Der 68-Jährige war 50 Jahre lang beruflich als Schmied tätig. Und auch im Ruhestand bearbeitet er weiterhin gern heißes Eisen.

Foto: Lena Diekmann

Hubertus Schulze aus Kirchwerder hat 50 Jahre lang als Schmied gearbeitet. Und selbst im Ruhestand soll damit nicht Schluss sein.

Hamburg. Für Hubertus Schulze ist es die Erfüllung eines lang gehegten Traums: Auf einem Hinterhof in Neuengamme hat der 68-Jährige sich eine eigene Werkstatt eingerichtet. Dort kann er nun voll und ganz dem Schmieden nachgehen. "Ich habe schon lange nach passenden Räumlichkeiten Ausschau gehalten. Als meine Frau die Vermietungsanzeige fand, hat es endlich geklappt", sagt er.

Glühendes Metall, fliegende Funken und metallisches Klopfen begleiten Hubertus Schulze schon fast sein ganzes Leben lang: Im Alter von nicht mal 15 Jahren begann er seine Ausbildung zum Schmied. Damals lebte er noch in der nordhessischen Kleinstadt Waldkappel nahe der Grenze zu Thüringen. Nach der Lehrzeit ging er dann als Geselle neugierig auf Montage und traf dabei auf ein paar Hamburger Jungs: "Mit denen habe ich mich gleich gut verstanden", erzählt Schulze.

Hubertus Schulze schafft filigrane Kunstwerke

Und so wurde auch sein Interesse für die Hansestadt im Norden geweckt: 1976 bewarb er sich bei Blohm+Voss – und wurde vom Fleck weg eingestellt. "Einen Schmied wollten sie damals lieber gestern als heute einstellen", erinnert sich Hubertus Schulze. Es sollten 41 Berufsjahre auf der Schiffswerft im Hamburger Hafen folgen, in denen der Schmied an unzähligen Schiffen mitwirkte, Spanten bog oder Außenhautbleche in Form brachte – ob für filigrane Jachten oder die ganz dicken Pötten wie Tankschiffe. Auch als Kranführer und in der Ausbildung von Lehrlingen war er tätig.

In seiner Werkstatt zeugen viele Bilder an den Wänden von seiner Zeit auf der Werft. Mit Elbsegler auf dem Kopf und einem blauweißen Tuch mit Zierknoten um den Hals ist aus dem 68-Jährigen auch längst ein echter Hamburger geworden. Nur sein Akzent, der verrät auch noch nach 45 Jahren in Hamburg seine hessische Herkunft.

Kronleuchter, Kerzenständer, flache Wandbilder an den Wänden

Sein Beruf ist für Hubertus Schulze aber längst zu Berufung geworden: Und so sollten Hammer und Amboss auch nicht zur Ruhe kommen, als er Ende 2017 in den Ruhestand ging. Schulze bleibt weiter Schmied – nun eben als Hobby. "Das lässt einen nie los, man bleibt immer ein Teil davon", sagt er. Und diese Passion gibt Schulze auch gern an seine drei Enkel (14, elf und acht Jahre alt) weiter, für die je nach Größe und Alter auch passende Ambosse und Hammer in unterschiedlichen Größen bereitstehen.

In seiner Propangasschmiede wurde in den vergangenen Jahren bei bis zu 1400 Grad eine Menge Metall erhitzt, um es zu zahlreichen Werken weiterzuverarbeiten: Kronleuchter, Außenthermometer, Kerzenständer, Haken, flache Wandbilder mit Pferde- und vielen Ankermotiven oder kunstvoll geschwungene Rankgitter für den Garten. Sie alle schmücken die Wände der Werkstatt.

"Wir wohnen da, wo andere Urlaub machen"

"Es gibt so viele Schätze zu entdecken, man muss nur genau hinschauen", sagt Brigitte Mante. Die 66-Jährige und ihr drei Jahre älterer Mann Klaus aus Kirchwerder sind schon seit mehr als 40 Jahren mit dem Schmied bekannt, waren anfangs Nachbarn. Denn als Hubertus Schulze Mitte der 1970er-Jahre mit seiner Frau Ursula aus Nordhessen nach Hamburg zog, fanden sie am Durchdeich eine Wohnung.

Und auch wenn sein Arbeitsweg aus Fünfhausen bis in den Hamburger Hafen immer ein Weilchen dauerte – die Vierlande wollten sie nie mehr verlassen. "Es ist einfach schön hier draußen. Die Natur und die Elbe, wir wohnen da, wo andere Urlaub machen", ist Hubertus Schulze überzeugt.

Neue Gesamtkunstwerke in 3-D-Optik entstehen

Und mittlerweile verbindet Hubertus Schulze nicht mehr nur die ehemalige Nachbarschaft und die Liebe zu den Vier- und Marschlanden mit dem Ehepaar Mante, sondern auch auch das Schmieden: Nachdem auch Klaus Mante, ehemals Speditionskaufmann im Hafen, in den Ruhestand gegangen war, fand das Paar vor gut vier Monaten in der Werkstatt von Hubertus Schulze eine erfüllende Beschäftigung – und bringt nun noch mehr maritimen Flair in die Werkstatt. Denn sie haben sich Bildern mit Segelmotiven verschrieben: ob mit bunten Segeln oder auch in dezentem Silbergrau.

Die Motive stammen aus der Feder von Brigitte Mante, die als gelernte technische Zeichnerin ein Händchen für filigrane Zeichnungen hat. Ihr Mann Klaus setzt ihre Entwürfe dann handwerklich um, schneidet Blech zurecht und klopft es beharrlich in die passende Form. Hubertus Schulze schmiedet die Teile dann zusammen, sodass ein Gasamtkunstwerk in 3-D-Optik entsteht. Mit dem passenden farblichen Anstrich von Brigitte Mante werden die Werke, die schon mal bis zu 15 Kilo schwer sind, vollendet. "Wir ergänzen uns perfekt. Und wir sind schon stolz, was wir in den vergangenen Monaten gefertigt haben", sagt Brigitte Mante, die mittlerweile ebenso wie Hubertus Schulze beinahe täglich in der Werkstatt beschäftigt ist.

Wenn es die Situation wieder zulässt, würden sie auch gern andere Menschen an ihrer Kunst teilhaben lassen, sie beispielsweise auf Kunsthandwerkermärkten präsentieren. Wer an seinen Werken interessiert ist, kann Hubertus Schulze telefonisch kontaktieren: 0157/82 68 40 57.

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