Die Stadtteilserie: Moorfleet

Der Stadtteil-Pate: Tom R. Schulz

Für Kulturredakteur Tom R. Schulz ist Moorfleet jetzt nicht mehr nur Ikea.

Für Kulturredakteur Tom R. Schulz ist Moorfleet jetzt nicht mehr nur Ikea E-Mail: tom.schulz@abendblatt.de

Mein Lieblingsplatz

Im Sternzeichen Zwilling Geborene haben nie nur einen Lieblingsplatz, sondern mindestens zwei. Also, Nummer eins: die wohl gut vier Meter breite, grün gestrichene und ziemlich windschief verlaufende Holzbank an der Südmauer von St. Nikolai. Von dort schaut man auf schön gepflegte Gräber unter hohen Bäumen, besuchenswert vor allem die Blutbuche linker Hand. Nummer zwei: das Bauhaus. Was gibt es Herrlicheres im Leben eines Mannes, als dutzendweise gestapelte Akkuschrauber mit 246 Zubehörteilen oder 50 Varianten von Klodeckeln zu betrachten?

Das Original

Weil ein Fotograf mal eine Grünpflanze bei ihm nicht kaufen, sondern bloß für drei Tage ausleihen wollte, kam der Gartenbauunternehmer Hartmut Brinkmann auf die Idee, dass man mit dem Vermieten dekorativer Gegenstände überhaupt ein Geschäft machen könnte. Anfang der 80er-Jahre erweiterte er seinen Betrieb entsprechend. Seither kann man bei seinem Familienunternehmen Die Gestalter neben allem, was man für große Events an Ausstattung braucht, auch so nützliche Dinge wie einen Miniatur-Eiffelturm oder eine englische Telefonzelle borgen.

Ideal für ...

Moorfleet ist ein Paradies für hörgeschädigte Stadtflüchtlinge, die bei akuten Heimwehanfällen trotzdem rasch nach Hamburg kommen wollen. Wer nichts an den Ohren hat, muss den Dauersound von Autobahnen und Eisenbahn ertragen und das Gerumpel der 30-Tonner, die innerorts durch den Brennerhof zum "Tank-Park" fahren oder zu einem der vielen Gewerbebetriebe an der Halskestraße. Aber die gehört schon zu Billbrook. Gärten und Häuser in der Senke unterm Moorfleeter Deich liegen idyllisch. Familien suchen sich ihr Zuhause besser anderswo.