Hamburger Limousinen-Verleih

Zulassungsbetrug: Edel-Ferrari wird zur Schrottkarre

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Jan Schubert
Teurer Fehleinkauf: „Dieses Auto hätte niemals eine deutsche Zulassung bekommen dürfen“, sagt Limousinen-Unternehmer Hamid Khawaja. Seinen mängelbelasteten „Ferrari“ hat er am 23. März aus der Verwahrstelle abgeholt und wird das Fahrzeug demnächst entsorgen.

Teurer Fehleinkauf: „Dieses Auto hätte niemals eine deutsche Zulassung bekommen dürfen“, sagt Limousinen-Unternehmer Hamid Khawaja. Seinen mängelbelasteten „Ferrari“ hat er am 23. März aus der Verwahrstelle abgeholt und wird das Fahrzeug demnächst entsorgen.

Foto: Jan Schubert / BGDZ

Polizei legt Limousine wegen zahlreicher Mängel still. Lohbrügger Unternehmer gerät unwissend in einen spektakulären Kriminalfall.

Hamburg. Wenn sich die weiße Seitenschiebetür auf Knopfdruck öffnet, können bis zu sieben Personen in dem 8,20 Meter langen Auto mitfahren und im luxuriös ausgestatteten Fonds mit dem „Cavallino rampante“ an der Decke, dem doppelten Werksemblem mit schwarzem, aufbäumendem Pferd, feiern – kaum zu fassen, dass dieser „Ferrari GTL“ mal ein unspektakulärer Peugeot 406 gewesen ist.

Hamid Khawaja war im vergangenen Sommer überzeugt, den ohnehin opulenten Fuhrpark seines Lohbrügger Party-Limousinendienstes „Deine Limo“ aufzustocken: „Ich dachte: ,Wenn wir den haben, wird das der Burner’.“ Mittlerweile ist klar: Dieser „Ferrari“ für die Kaufsumme von 43.000 Euro ist ein Rohrkrepierer und Hamid Khawaja ziemlich „abgebrannt“. Der 41-Jährige hat viel Geld in den Sand gesetzt und wurde betrogen – und das in offenbar großem Stil.

Lohbrügger Limousinen-Verleiher kauft für 43.000 Euro einen Albtraum-„Ferrari“

Am 30. Juli 2020 kaufte Khawaja den Boliden, hielt das Angebot eines Bremer Berufskollegen auf der Online-Plattform Mobile.de für interessant. Auch an den Papieren hatte der Unternehmer nichts auszusetzen. Seine geschäftlichen Grundsätze waren erfüllt: Zulassung und TÜV stammten aus Deutschland, auch im Fahrzeugschein war alles eingetragen. Und das Auto stammte ja von einem anderen Limousinenservice – wo sollte da der Haken sein?

Mehrere Monate war Khawaja glücklich mit seinem „Neuen“, etwa 30-mal rollte der „Ferrari GTL“ vom Gelände von „Deine Limo“ am Rudorffweg. Bis zum 22. März dieses Jahres: Da wurde einer von Khawajas Mitarbeitern auf der Stresemannstraße bei einer Verkehrskontrolle von der Polizei gestoppt. Nachdem die Kollegen von der Dienstgruppe „Autoposer“ hinzukamen, stand fest: Dieser „Ferrari“ darf nicht weiterfahren, ist nur noch Schrott.

Fahrten untersagt: Insgesamt 27 Mängel stellten Polizei und TÜV fest

Insgesamt 27 Mängel stellten Polizei und TÜV fest – Bremse, Frontscheibe, Rückspiegel, Hinterachse, alles fehlerhaft, zudem ließ sich die stylische Seitentür nicht von innen öffnen. „Auf viele Mängel wäre ich trotz eines gewissen Sachverstands niemals gekommen“, muss Hamid Khawaja gestehen. Der weiße Ferrari wurde zur Zentralen Verwahrstelle an der Halskestraße gebracht.

„Ich habe mich auf die Behörden verlassen“, sagt Khawaja, „dieses Auto hätte niemals eine deutsche Zulassung bekommen dürfen.“ Nun fristet die Schrott-Limousine hinter seiner Montagehalle ein trauriges Dasein. Der Landesbetrieb Verkehr hat jegliche Fahrten damit untersagt, solange die Mängel bestehen.

Nobelkarosse stammt aus der Ukraine und gelangte illegal nach Deutschland

Das sei viel zu kostenaufwendig, sagt Khawaja, der seine Energie anderweitig einsetzte. Er betrieb selbst Recherchen, telefonierte viel herum, schaltete auch einen Rechtsanwalt ein, weil er vom Verkäufer des Wagens das Geld zurückfordert und ihn auch angezeigt hat.

Das eigentliche Ergebnis der anwaltlichen Nachforschungen ist aber umso erstaunlicher: Demzufolge stamme der „Ferrari GTL“ ursprünglich aus der Ukraine, wurde auf kriminellem Wege nach Deutschland eingeführt und illegal zugelassen.

Betrug geht auf gefälschte Papiere einer Mitarbeiterin in Zulassungsstelle zurück

Kein Einzelfall: Eine Mitarbeiterin der Zulassungsstelle des Landratsamts Böblingen soll auf vergleichbare Weise für 537 Nobelkarossen die nötigen Papiere gefälscht haben, nachdem sie sich zuvor von zwei Hintermännern bestechen lassen haben soll. Die 28-Jährige wurde am 24. Juli 2020 festgenommen, muss sich aktuell vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Ein Urteil wird für den 21. April erwartet.

Und Hamid Khawaja? „Ich fühle mich eigentlich von allen betrogen.“ Das in den Sand gesetzte Geld tut dem erfolgreichen Freizeit-Unternehmer, der seit 2009 Inhaber von „Deine Limo“ ist, natürlich weh. Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Buchungslage überschaubar, er verbucht 90 Prozent weniger Einnahmen: „In einer Woche haben wir normalerweise 40 Buchungen, viele Hochzeiten oder Touristengruppen. Zuletzt waren es nur zwei.“

Linienbusfahrten, Werkstatt und Postfilialen bringen noch ein paar Einnahmen

Khawaja hat mit „Limo XXL“, „Lifestyle Limo“ und „Hamburg Limo“ noch drei weitere Konkurrenten in der Stadt übernommen, sein Fuhrpark umfasst 28 Werkslimousinen, neun Party- und vier Linienbusse.

„Linienbusfahrten haben uns im vergangenen Corona-Jahr den A ... gerettet“, sagt der in Billstedt lebende Limousinen-Fan. Einnahmen bringen auch noch die Kfz-Werkstatt und die Postfiliale auf dem Lohbrügger Betriebsgelände.

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