Hamburg

Spielhaus in Lohbrügge soll abgerissen werden

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Anne K. Strickstrock
Bemalt und altgeliebt, dennoch heute wenig genutzt: Das Gebäude des Spielhauses am Kurt-Adams-Platz in Lohbrügge.

Bemalt und altgeliebt, dennoch heute wenig genutzt: Das Gebäude des Spielhauses am Kurt-Adams-Platz in Lohbrügge.

Foto: Thomas Voigt

Bezirksverwaltung sieht keinen Bedarf mehr für die Jugendarbeit in der Lohbrügger Einrichtung. Außerdem ist das Haus marode.

Hamburg. Vorbei die Zeiten, als bunte Sommerfeste auf der Wiese gefeiert wurden, Bastel- und Theaternachmittage sich im Spielhaus am Kurt-Adams-Platz in Lohbrügge abwechselten. Hunderte Lohbrügger erinnern dort ihre freie Kindheit – auch das kostenlose Mittagessen, das die langjährige Leiterin Bärbel Granzow im Kinder-Restaurant angeboten hatte. Längst aber führt das Haus, das der Lichtwark-Verein 1974 dem Bezirk schenkte, ein Schattendasein.

„Vormittags ist gar keine Nachfrage, und nachmittags gibt es bloß noch eine Handvoll Nutzer“, berichtet Normen Danelzig im Jugendhilfe-Ausschuss. Der Mann, der die Dienstaufsicht für die kommunalen Einrichtungen führt, spricht von „Umstrukturierung“. Im Klartext: Das Haus soll geschlossen und abgerissen werden.

Kein Bedarf: Spielhaus in Lohbrügge soll abgerissen werden

Und dafür gebe es reichlich gute Gründe: Die Betriebskosten sind einfach zu hoch, die alten Elektroheizungen und die Dämmung erforderten eine teure Sanierung. Das Haus liege versteckt im Dunkeln, werde häufig von Vandalen heimgesucht und sei grundsätzlich „wenig attraktiv mit seinem Hintereingang am Hang, der nicht an den Spielplatz im Grünen Zentrum angebunden ist“, befindet Danelzig.

Allem voran aber sehe er keinen Bedarf mehr für ein solches Angebot: „Das ist kein Stadtteil, in dem wir die Jugendarbeit forcieren wollen.“ Lohbrügge-Nord sei mit seinen 10.845 Einwohnern „teilweise überaltert“. Der Anteil der Minderjährigen betrage nur 16,5 Prozent, im gesamten Bezirk seien es im Vergleich 18,4 Prozent.

Aktuellen Angebote in diesem Stadtteil reichen aus

Nicht nur die umliegenden Kitas, auch das Eltern-Kind-Zentrum am Röpraredder decke das Angebot gut ab. Das Jugendzentrum am Kurt-Adams-Platz betreut Zwölf- bis 25-Jährige, zudem kümmere sich die Awo mit ihrem mobilen Kinderprojekt („Mobilo“) um Sechs- bis 14-Jährige. Das möge gern weiterhin so bleiben, wenn es auch neue Räume brauche: Derzeit nutzt das „Mobilo“ 58 Quadratmeter des Spielhauses als Büro- und Lager­fläche.

Zutiefst schockiert und erschrocken“ jedoch zeigte sich Katharina Przybylski, die mit dem „Mobilo“ dienstags an der Korachstraße Station macht: „Damit allein könnten wir einen Wegfall doch nicht decken. Außerdem ist mit uns überhaupt nichts im Vorfeld angesprochen worden“, wunderte sie sich über den „Alleingang der Kommune“. Wenigstens hätte es einen ­Runden Tisch geben müssen, auch mit dem Jugendzentrum KAP und dem „Clippo“.

Kritik von Sozialarbeiter an der Bezirksentscheidung

Dass das Spielhaus weniger genutzt werde, hänge zudem mit der Personalsituation zusammen, sagte Katharina Przybylski: „Da war immer viel los, bis die Leitung in Elternzeit ging und einfach nicht nachbesetzt wurde.“ So seien die verbliebenen Honorarkräfte ein Stück weit überfordert gewesen.

Dem Bezirksamt schwebt nun eine Umverteilung vor: Die volle Stelle soll im neuen „Jugendclub im Quartier“ angesiedelt werden. Weiteres Personal (eine 0,4-Stelle) soll im Sommer dem Spielhaus Neu­allermöhe zugeschlagen werden, so Danelzig.

Lob und Kritik aus den Fraktionen für die Bezirksentscheidung

Die Pläne stießen bei der CDU grundsätzlich auf Zustimmung, „wenn auch das ,Mobilo’ finanziell besser ausgestattet werden kann“, betonte Elsbeth Elsner. Andere Vertreter der Jugendhilfe zeigten sich skeptischer: „Ich bin betroffen über die massiven Widersprüche von Katharina. Außerdem ist doch bitteschön eine partizipative Jugendhilfeplanung erwünscht“, sagte Michael Böckenholt (Grüne). Auch der Ausschuss-Vorsitzender Stefan Thomsen wollte keine vorschnelle Entscheidung, er betonte: „Da sind noch viele Fragen offen, wir sollten erst im März darüber beschließen.“

Tatsächlich wäre auch eine komplette Neugestaltung der sozialen Infrastruktur denkbar, warf zudem Sozialplanerin Regine Schilde ein: „Vielleicht könnte die Sozialbehörde an der Stelle einen Kita-Neubau finanzieren samt Eltern-Kind-Zentrum und Platz für das ,Mobilo’. Das ist bislang aber nur ein reiner Planungsgedanke.“

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