Pressefotografie

Fotoreise ins Landgebiet mit Otto Garbs und Freddy Quinn

| Lesedauer: 7 Minuten
Thomas Heyen
Eine Aufnahme vom 15. Juni 1991: Damals hatte Ronald Sawatzki Schauspieler im alten Zollenspieker Fährhaus fotografiert: Martin Semmelrogge, Arthur Brauss, Peter Wicke und Freddy Quinn standen für die Fernsehserie „Großstadtrevier“ vor der Kamera.

Eine Aufnahme vom 15. Juni 1991: Damals hatte Ronald Sawatzki Schauspieler im alten Zollenspieker Fährhaus fotografiert: Martin Semmelrogge, Arthur Brauss, Peter Wicke und Freddy Quinn standen für die Fernsehserie „Großstadtrevier“ vor der Kamera.

Foto: Ronald Sawatzki / Ronald Swatzki

Ronald Sawatzki stellt mit drei Kollegen in Hamburg aus. Er hat auch im Landgebiet fotografiert – und weiß einiges zu erzählen.

Bergedorf.  Ronald „Ronny“ Sawatzki sieht seinen Beruf als Lebensaufgabe. Als freiberuflicher Fotograf ist er seit fast 40 Jahren in Hamburg im Einsatz, um das Leben in dieser Stadt in Lichtbildern festzuhalten. Auch für die Bergedorfer Zeitung schoss der 67-Jährige etliche Fotos. Viele Bilder entstanden in den Vier- und Marschlanden. Einige seiner schönsten Fotografien sind derzeit in der Fabrik der Künste zu sehen. Dort stellt Sawatzki mit drei weiteren Hamburger Pressefotografen noch bis zum 14. August aus.

Eines der Bilder aus dem Landgebiet, die Sawatzki nun ausstellt, schoss er 1990 im alten Zollenspieker Fährhaus. Damals entstanden dort Aufnahmen für die Fernsehserie „Großstadtrevier“. Unter der Regie von Jürgen Roland standen Martin Semmelrogge, Arthur Brauss, Peter Wicke und Freddy Quinn vor der Kamera. Das Schwarz-Weiß-Foto von den Schauspielern landete auf der Titelseite der Bergedorfer Zeitung. In den hinteren Teil schaffte es ein Bild, das zeigt, wie der Regisseur der Wirtin die Hand küsst. „Die Wirtin hatte für das Fernsehteam einen großen Topf Erbsensuppe gekocht, in den Jürgen Roland seinen Finger tauchte, um zu probieren“, erinnert sich Sawatzki.

„Damals haben nur ein Kollege und ich Fotos im Fährhaus gemacht“, sagt Sawatzki. „Heute sind bei solchen Terminen, wo es um Filmaufnahmen oder Promis geht, zehn, zwölf Fotografen.“ Dies liege an der Digitalisierung der Fotografie und am Internet, glaubt der Profi. Viele Fotografen würden mit ihrer „Digiknipse“ Social-Media-Kanäle bedienen.

Otto Garbs ist für Ronald Sawatzki ein „Hamburger Original“

Für eine Reportage fotografierte Sawatzki 2018 Otto Garbs in dessen Gasthof Neudorf. Garbs hat seine Feuerwehruniform an und bläst in seine Trompete. An Garbs’ Kneipendecke hängen weitere Blechblasinstrumente, im Hintergrund steht ein Grammophon. Das Bild wird ebenfalls ausgestellt – in Schwarz-Weiß, neben Domenica, Uwe Seeler und weiteren Motiven der Themenwand „Hamburger Originale“.

„Otto Garbs habe ich in den 90er-Jahren häufig gesehen, wenn ich in Ochsenwerder auf dem Fußballplatz fotografiert. Dort verkaufte er am Spielfeldrand Getränke und Süßigkeiten aus seinem blauen VW-Bus heraus“, sagt Sawatzki. „Ich kaufte immer ein Mars und eine Cola bei ihm – daran konnte er sich noch fast 20 Jahre später erinnern.“

Auch Jürgen Joost (65) fotografierte für die Bergedorfer Zeitung. Der gebürtige Reinbeker war von 1973 bis 1979 als freier Fotograf für die Sportredaktion unterwegs. Am Vatertag 1991 hatte er allerdings von der „Hamburger Morgenpost“ den Auftrag bekommen, tourende „Väter“ zu fotografieren. Ihm gelang eine super Bilderserie: Auf der Dove-Elbe sah Joost ein selbst gebautes Floß mit Feiernden. Er bat die jungen Männer, für das Foto etwas näher ans Ufer zu paddeln. Sie paddelten, aber ehe sie noch wussten, wie ihnen geschah, bekam ihr Floß Schlagseite und kenterte – und die Partytruppe samt großem Getränkevorrat ging unfreiwillig baden.

Ronny Sawatzki fotografierte außer für die Bergedorfer Zeitung auch für die „Norddeutschen Nachrichten“, „Hamburger Abendblatt“ und „Bild“, „meine Stammredaktionen“, belieferte Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Werbeagenturen und Agenturen. Seine Fotografien waren deutschlandweit zu sehen, manche sogar in den USA oder Israel. Der Hamburger machte Sportfotos, fotografierte „viel Kultur und Reportagen“, lieferte Schmuckfotos, die etwa einen Vogelschwarm im Sonnenuntergang zeigten.

Die erste Kamera war eine Minolta – ein Geschenk der Eltern

Ronny Sawatzki hat immer als Freiberufler gearbeitet. Seine erste Kamera bekam Sawatzki Anfang der 70er-Jahre von seinen Eltern geschenkt, eine Minolta. Das habe sein Interesse an Fotografie geweckt. Als Profi startete er mit Canon-Kameras („Das waren besonders gute, lichtstarke Objektive“), später stieg er auf Nikon um. In seine Ausrüstung habe er im Laufe der Jahrzehnte „einige Zehntausend Euro“ investiert.

Heute greift Ronny Sawatzki, ausgebildeter Mediengestalter, seltener zu seinen hochwertigen Kameras, schließlich kann er seinen Ruhestand ohne finanziellen Druck genießen. „Ich mache gern Projekte, die mich privat interessieren, mit denen ich kein Geld verdienen möchte.“ Es gehe ihm um den Spaß am Fotografieren. „Früher fehlte mir dafür die Zeit. Heute kann ich sie mir nehmen, etwa, um Menschen, charakterstarke Gesichter auf der Straße zu fotografieren.“ Dann habe er bei der „Arbeit“ eine weitere Ausstellung im Hinterkopf. Denn auch die Organisation der jetzigen Schau in der Fabrik der Künste habe ihm viel Spaß bereitet. „Als Fotograf hört man ja nie ganz auf“, sagt Sawatzki, der von einer „Lebensaufgabe“ spricht. Er habe für seine Arbeit gelebt. Er sei froh und dankbar, dass er mit dem Blick durch den Sucher sein Geld verdienen konnte. „Das war ja eine ganz andere Arbeit als die eines Ottonormalbürgers, der jeden Tag ins Büro geht.“

Er traf Filmstars wie Cate Blanchett – „auch wenn ich nur zwei Minuten zum Fotografieren in ihrem Hotelzimmer hatte“ –, trank Kaffee bei Helmut Schmidt. „Ich konnte viele unterschiedliche Charaktere kennenlernen.“ Auch unbekannte Menschen fotografierte und fotografiert er gern: „Die Streetfotografie liegt mir am Herzen.“ Im Hamburger Hafen dokumentierte er nächtelang die Arbeit auf Schleppern, war er auf Containerbrücken im Einsatz.

Heute würde er den Beruf des Pressefotografen nicht mehr auswählen, sagt er: „Das wird inzwischen viel schlechter bezahlt. Mit der Altersvorsorge wird es für Berufsfotografen schwierig. Auch eine Familie zu ernähren, dürfte eine Herausforderung sein.“

300 Bilder werden bei der Ausstellung in Hamburg gezeigt

Mehr als eine Million Fotografien habe der 67-Jährige archiviert. Die vier ausstellenden Fotografen brächten es auf „mehr als vier Millionen Bilder“. Aus dem riesigen Fundus aus Papierabzügen, Dias und Negativen wählten die Männer 300 Bilder für die Ausstellung. Die Fotografien werden großformatig präsentiert in Größen von 20 mal 30 bis 40 mal 60 Zentimeter. Jeder Fotograf hat seine eigenen Ausstellungswände, an denen seine Werke thematisch geordnet hängen. Sawatzki: „Das ist eine Zeitreise in die vergangenen 40 Jahre. Das haben uns auch schon viele Besucher gesagt.“ Weit mehr als 2000 Menschen seien schon in der Ausstellung gewesen.

Die Ausstellung „40 Jahre Pressefotografie“ am Kreuzbrook 10 (Hamm-Süd, nahe der Süderstraße) ist dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr geöffnet, sonnabends und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro. Am Sonntag, 14. August, 16.30 Uhr, wird die Ausstellung mit einer Finissage in lockerer Atmosphäre und mit Livemusik der Band King Mary beendet.

Am Sonntag, 7. August, 13 Uhr, gibt es in den Ausstellungsräumen eine Matinee mit dem Titel „Fotografie und Medien – Wie sehen Kultur und Politik den Fotojournalismus“. Der Politiker Falko Droßmann (SPD) sowie die Schauspieler Kim-Sarah Brands, Wanda Perdelwitz und Marek Erhardt berichten von ihren Begegnungen und Erfahrungen mit den Pressefotografen. Moderiert wird die Matinee von Carlo von Tiedemann (NDR).

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