Naturgarten

Was macht eigentlich eine Natur- und Wildnispädagogin?

| Lesedauer: 5 Minuten
Gabriele Kasdorff
Die Natur- und Wildnispädagogin Antje Giesenberg genießt ihr kleines Paradies in ihrem Pracht- und Pachtgarten in Kirchwerder.

Die Natur- und Wildnispädagogin Antje Giesenberg genießt ihr kleines Paradies in ihrem Pracht- und Pachtgarten in Kirchwerder.

Foto: Gabriel Kasdorff

Antje Giesenberg widmet sich intensiv Bäumen und Pflanzen – nicht nur in ihrem Garten. Immer wieder gibt sie eigene Seminare.

Hamburg. Das sonnige Wochenende zeigte sich auch in dem 3200 Quadratmeter großen Naturgarten von Antje Giesenberg (50) in Kirchwerder in frühlingszarter Blüte und mit Vogelgesang. Frische Rehspuren im feuchten Boden, ein Hase, der auf dem Nachbargrundstück vorbeihoppelt, der erste Zitronenfalter. Und Bienen, die fleißig den Blütenstaub Tausender Schneeglöckchen sammeln, sowie ein laut schreiender Fasan und vorbeifliegende Kraniche. Das Paradies kann kaum perfekter sein. Im Garten der Natur- und Wildnispädagogin Antje Giesenberg wird nicht nur ihre Fachkenntnis, sondern auch ihre Liebe zur Natur deutlich.

Natur- und Wildnispädagogin Antje Giesenberg hat einen Naturgarten angelegt

Dabei ist ihr der gegenseitige Respekt, die Achtung der unterschiedlichen Lebensformen und Bedürfnisse von Pflanzen, Tieren und Menschen wichtig. Als Kind mit den Eltern viel in der Natur unterwegs – der Vater war Hobbyornithologe und -geologe –, wurde in Antje Giesenberg die Neugier geweckt, die sie in ihren Seminaren weitergeben möchte. „Als Kind hatte ich Terrarientiere, habe den Weinbergschnecken bei der Paarung zugesehen, Kaulquappen gerettet und die Frösche ausgesetzt“, sagt die passionierte Fahrradfahrerin, die autofrei lebt und gern mit Rad und Zelt in den Urlaub fährt. „Ich habe Forstwirtin gelernt, arbeitete mit der Kettensäge im Wald. Später studierte ich Geologie in Göttingen. Dabei bin ich dem grünen Bereich immer treu geblieben“, sagt die in Mölln lebende Naturfreundin.

Natur- und Wildnispädagogin will bei Grundschülern Interesse an der Natur wecken

Ihre Diplom-Arbeit handelte von unterschiedlichen Waldpflanzen in historisch alten Wäldern wie dem Hambacher Wald: „Es braucht mehrere Hundert Jahre, bis sich so ein Wald entwickelt. Anhand sogenannter Zeigerpflanzen lässt sich die Bodenart und die Beschaffenheit bestimmen.“ So ist etwa das weißblühende Waldvöglein eine Zeigerpflanze für Buchenwald.

Die 50-Jährige arbeitet halbtags als Umweltpädagogische Fachkraft, angestellt bei der Stadt Mölln. Unter anderem weckt sie in Projekten mit Grundschülern deren Interesse an der Natur.

"Es ist wichtig mit dem Baum in Kontakt zu treten"

Nach dem Studium war sie im Naturschutzinfohaus in Boberg tätig, lernte dort Umweltpädagogik kennen. Als Trainerin für Agroforst – auch in diesem Bereich hat sich Antje Giesenberg weitergebildet – könnte sie an landwirtschaftlichen Schulen ihr Wissen zur Einrichtung einer dynamischen Agrokultur weitergeben. In dieser Kulturform werden Äcker mit Bäumen wie Nuss- oder Obstbäumen gemischt, die so weit auseinanderwachsen, dass der Landwirt mit seinem Gerät noch durchfahren kann.

Doch derzeit fehle ihr schlicht die Zeit, um solche Seminare zu geben. Antje Giesenberg möchte ihr Wissen um Natur, Bäume und Beeren, Pflanzen und deren Wechselwirkungen mit Tieren und Klima lieber in eigenen Seminaren weitergeben. Am 13. März, 10.30 bis 14.30 Uhr, demonstriert sie etwa Interessierten in ihrem Garten den „Wesensgemäßen Obstbaumschnitt“, Regeln und Techniken. „Es ist wichtig in Kontakt mit dem Baum zu treten, dann weiß man, wo man schneiden sollte. Die Baum- und Pflanzenkommunikation bringe ich immer mit in meine Seminare ein.“ Für ihre Seminare und Projekte neben ihrer Anstellung in Mölln hat sie ein Kleingewerbe angemeldet.

Es ist sinnvoll, verblühte Pflanzen im Garten ein Weiterleben zu ermöglichen

Seit 13 Jahren hat Antje Giesenberg ihren Wildgarten, der sie das ganze Jahr über mit Obst und Gemüse, Kräutern und Beeren versorgt. Dort wachsen Himbeeren, Walderdbeeren, Kürbisse und zahlreiche Kräuter sowie etwa 40 verschiedene Obstsorten wie Äpfel, Kirschen, Pflaumen und Birnen an etwa 60 bis 70 Bäumen. In ihrer Wildbaumschule wächst ein selbst gezogener Apfelbaum der alten Sorte „Wohlschmecker aus Vierlanden“. Da die Streuobstwiese zweimal jährlich gemäht werden muss, würde sie sich über einen Helfer freuen, der das Mähen übernimmt, um das Mähgut zu verwerten.

Am Herzen liegt ihr auch die Pflanzenrettung: „Die gekauften Pflanztöpfchen mit Narzissen, Krokussen, Primeln und Hyazinthen enthalten viel Torf: Um die Moore zu schützen – die große CO2-Speicher sind--, wäre es sinnvoll, der verblühten Pflanze im Garten ein Weiterleben zu ermöglichen.“ Dann müssten nicht ständig neue Pflanzen gekauft werden, würde weniger Torf benötigt und der Abbau der Moore gemindert. Moore könnten gegenüber Wäldern ein Vielfaches an Kohlendioxid speichern.

Antje Giesenberg gibt eigene Workshops und Seminare

Die Forstwirtin, sowie Natur- und Wildnispädagogin gibt auf Nachfrage Kurse zu Themen rund um den Wald, stellt lehrreiche Waldspiele für Kinder ab fünf Jahren vor, erarbeitet mit Lehrern und Erziehern Grundlagen zur Weitergabe von Wissen rund ums Thema Wald und Natur. Stecklingsvermehrung und -veredelung sind weitere Themen ihrer Schulungen.

Wer mehr über ihre Angebote erfahren möchte, erreicht Antje Giesenberg per E-Mail an antje@giesenberg.de oder telefonisch unter 0151/75 02 69 38.

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