Vier- und Marschlande

Marschbahndamm: Naturschützer finden Sanierung „hirnrissig“

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Thomas Heyen
Marschbahndamm, Ochsenwerder, kurz nach dem Übergang aus Graumanntwiete

Marschbahndamm, Ochsenwerder, kurz nach dem Übergang aus Graumanntwiete

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Parallel zur Elbe verlaufender Marschbahndamm soll asphaltiert werden. Kritiker fürchten Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt.

Hamburg. Die Bergedorfer Koalition in der Bezirksversammlung aus Grünen, SPD und FDP will den parallel zur Elbe verlaufenden Marschbahndamm sanieren und asphaltieren lassen – und zieht damit den Zorn von Naturfreunden und Umweltschützern auf sich. Durch eine Komplettsanierung des fast 40 Kilometer langen alten Bahndamms, der mitten durch das Naturschutzgebiet Kirchwerder Wiesen führt, wird weitere Naturfläche versiegelt, sollen noch mehr Fahrradfahrer angelockt werden. Kritiker sehen Flora und Fauna in Gefahr sehen.

Vögel und weitere Tiere würden durch den Baulärm vertrieben, betont Doris Neben (61), Naturfreundin aus Kirchwerder. Außerdem würden Käfer, Insekten und Schlangen den Damm nicht mehr in seiner Breite überqueren, wenn es kein Gras mehr gibt, das ihnen Deckung bietet. „Durch die Versiegelung wird den Tieren natürlich auch Naturfläche genommen.“

Sanierung des Marschbahndamms sei „Hirnrissig und abartig“

Dem stimmt Lutz Pieper (77), erfahrener Hobby-Ornithologe und Naturführer des Nabu und der Loki-Schmidt-Stiftung, zu: „Das Vorhaben ist hirnrissig und abartig.“ Mit Flora und Fauna in dem Bereich werde sowieso schon rücksichtslos umgegangen: „In Kirchwerder, also im Naturschutzgebiet, sind gerade die Seitenbereiche gemäht worden – mitten in der Brutzeit.“ Oft würden bei den Arbeiten alte Bäume gravierend beschädigt. Vor zwei Jahren sei ein alter Busch gefallen, in dem fünf Hornissen-Königinnen überwintert hatten.

Pieper verweist darauf, dass künftig auch seltener Reiter auf dem Damm unterwegs sein dürften: „Sie lassen ihre Pferde bisher auf dem unbefestigten Mittelteil des Betonspurwegs laufen.“ Die Argumentation der Grünen, dass durch die Maßnahme mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen, kann Doris Neben nicht nachvollziehen: „Es gibt doch wohl kaum Pendler, die den Bahndamm als Arbeitsweg nutzen und das Auto stehen lassen. Als Verbindung in die Stadt wäre er ein Umweg. Die Strecke wird von Ausflüglern genutzt.“

Mehr Rennrad- und Autofahrer auf dem alten Bahndamm befürchtet

Ihre Zahl würde sicher steigen, sind sich Doris Neben und Lutz Pieper sicher: „Dann würden auch mehr Rennradfahrer in Kolonnen dort unterwegs sein. Sie verhalten sich allerdings leider schon auf den Deichstraßen sehr rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern, auch gegenüber den Landwirten“, sagt die 61-Jährige.

Pieper fürchtet zudem mehr Autos, obwohl der Marschbahndamm zumindest im östlichen Bereich in Fünfhausen und Kirchwerder nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist. „Dort sind eh häufig Autos unterwegs. Wenn ich die Fahrer auf ihr Fehlverhalten hinweise, reagieren sie oft aggressiv. Mir wurden schon Schläge angedroht.“ Pieper fasst zusammen: „Je höher die Frequentierung, desto mehr wird das Naturschutzgebiet leiden.

Trotz dieser starken Bedenken: Die Bergedorfer Politik hat bereits beschlossen, den Damm zum „touristischen Aushängeschild der Vier- und Marschlande“ zu machen, wie es Lenka Brodbeck (Grüne) formulierte. Nach den Sommerferien soll dem Regionalausschuss berichtet werden, was Hamburg von den Sanierungswünschen der Koalition umsetzen will.

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