Vogelschau

Streng geschützte Art: Kampfläufer ziehen durch Kirchwerder

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Ute Meede
Kampfläufer sind Langstreckenzieher und gehören zu den Schnepfenvögeln.

Kampfläufer sind Langstreckenzieher und gehören zu den Schnepfenvögeln.

Foto: Dr. Ute Meede

Vogelart pflegt ein besonders aggressives Balzverhalten. Das Liebesgehabe der Männchen erinnert Beobachter an Hahnenkämpfe.

Hamburg. Der Begriff „Kampfläufer“ suggeriert Eindrücke, die aus Naturfilmen bekannt sind: Heftig balzende Männchen, die etwa 30 Zentimeter groß sind und an Hahnenkämpfe erinnern. In den Vierlanden sind Kampfläufer als Durchzügler, wie nun im April, über den Kirchwerder Wiesen, kurzzeitig zu beobachten.

Ornithologe Alexander Mitschke berichtet von ähnlichen Trupps im Landschaftskorridor Allermöhe. Der Schnepfenvogel brütet in der nördlichen Tundra in ganz Eurasien. Auch in Deutschland gibt es Brutvorkommen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und küstennahen Tiefländern. Voraussetzung sind feuchte, extensiv genutzte Wiesen mit Tümpeln und Gräben. Männliche Kampfläufer kehren früher als Weibchen in die Brutgebiete zurück.

Kampfläufer sind jetzt über den Kirchwerder Wiesen zu beobachten

Kampfläufer sind Langstreckenzieher, die nach einer Brut von Mai bis Juni zum Überwintern nach Südafrika oder Südostasien ziehen. Einzelne Tiere wurden in den Niederlanden und im Emsland beobachtet, die den Winter dort verbrachten, statt in wärmere Regionen zu ziehen. Balzarenen werden jedes Jahr wiederholt aufgesucht, nicht nur Arenen im Brutgebiet, sondern auch im Zugbereich.

Männchen haben im Prachtkleid tief schwarze, kastanienbraune oder orangerote Kragenfedern. Auf einem nur einen Quadratmeter kleinen Areal zeigen sie ihr aggressives Verhalten insbesondere gegen Rivalen mit dunklem Kragen. Sie balzen um die Weibchen herum, die dann ein Männchen für die Paarung auswählen.

Satelliten-Männchen balzen in „Arenen“ um die Gunst des Weibchens

Als Satelliten-Männchen werden Artgenossen mit hellem oder weißem Kragen bezeichnet. Sie halten sich am Rande der Arenen auf und warten dort auf eine Chance, sich doch noch mit einem Weibchen zu paaren. Auch außerhalb der Arenen werben Männchen, die ihr Schlichtkleid behalten haben, um sich mit einem Weibchen zu paaren. Sie sind jedoch erfolgloser als ihre Artgenossen in den Arenen.

Die Nahrung der Kampfläufer besteht wie bei den meisten Wiesenvögeln aus tierischen und pflanzlichen Anteilen. Kleine wirbellose Tiere wie Schnecken, Insekten, deren Larven, Spinnen und Pflanzensamen wie Getreidekörner gehören zu ihrer Kost.

In Deutschland sind die Kampfläufer streng in ihrer Art geschützt

Die kleineren Weibchen tragen schlichtes Gefieder und sind so als Bodenbrüter besser getarnt. Weibchen brüten im zweiten Lebensjahr. Nach der Paarung suchen sie einen gut versteckten Standort in der Vegetation für das Nest. Er sollte trocken sein und gleichzeitig am Rande nasser Zonen liegen.

Ende Mai legt ein Weibchen vier Eier und bebrütet sie etwa drei Wochen. Während der ersten zehn Lebenstage werden die Nestlinge gewärmt und nur kurze Zeit nach dem Schlupf gefüttert. Nach wenigen Tagen picken die Jungen selbstständig nach Nahrung und nach einem knappen Monat sind sie flügge. In Deutschland ist diese Art streng geschützt.

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