Vier- und Marschlande

Trotz kalter Temperaturen: Diese Wildbienen sind schon aktiv

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Ute Meede
Die Frühlings-Seidenbiene baut ihr Nest in den Sandboden der Elblandschaft – derzeit gut zu beobachten in Kirchwerder.

Die Frühlings-Seidenbiene baut ihr Nest in den Sandboden der Elblandschaft – derzeit gut zu beobachten in Kirchwerder.

Foto: Dr. Ute Meede

Die Frühlings-Seidenbiene bettet in den Vier- und Marschlanden ihre Brut auf „Seide“. Weibchen fliegen noch bis in den Mai.

Kirchwerder. Das Wildbienenjahr beginnt mit unübersehbaren Hummeln, die zu den Echten Bienen und staatenbildenden Insekten gehören. Die Hummel-Königinnen sind bereits bei zwei Grad Celsius aktiv. Die dann aufgepäppelten Arbeiterinnen können erst ab sechs Grad Celsius ihre Arbeit aufnehmen.

Es gibt auch andere frühzeitig aktive Bienen wie die Frühlings-Seidenbiene. Sie erscheint im März oder April, immer dann wenn Weidenarten blühen. Die Frühlings-Seidenbiene ist auf Pollen und Nektar der Weiden spezialisiert (oligolektisch).

Die Frühlings-Seidenbiene ist jetzt in den Vier- und Marschlanden aktiv

Die Sandböden in unserer Elblandschaft in den Vier- und Marschlanden, insbesondere in den Flussauen, sind ein Lebensraum für die Frühlings-Seidenbiene. Auf der Nordseite des Kraueler Sammelgrabens im Gebiet am Krauel, dem südlichen Teil der Ohe, hat diese frühe Wildbiene ein Gebiet, in dem sie nisten kann. Durch ihr frühes Erscheinen und ihre Körperlänge bis zu 13 Millimeter ist diese Art gut erkennbar.

Die Flugzeit der Frühlings-Seidenbiene beginnt Mitte März. Die Männchen fliegen von Mitte März bis Anfang April, die Weibchen noch bis in den Mai hinein.

Frühlings-Seidenbienen leben solitär, jedes Weibchen baut ihr eigenes Nest

Die vor den Weibchen geschlüpften Männchen patrouillieren, um sich mit den erscheinenden Weibchen zu paaren. Das geht dann recht turbulent zu, denn es bemühen sich gleich mehrere Männchen um ein Weibchen und bilden ein Paarungsknäuel. Frühlings-Seidenbienen leben solitär, jedes Weibchen baut ihr eigenes Nest horizontal in den kaum bewachsenen sandigen Boden.

In diesem Jahr kam es unter günstigen Bedingungen in Kirchwerder zu großen Ansammlungen. Die Nester lagen dicht beieinander. Der Hauptgang im Nest liegt etwa 20 Zentimeter tief im Sandboden. Von dort werden Nebengänge mit Brutzellen angelegt. Damit die Röhren nicht einstürzen, kleidet das Weibchen sie mit seidenartigem Gewebe aus: So entstand der Name Seidenbiene.

Bienenart gilt zwar nicht als gefährdet, ist aber besonders geschützt

Danach wird in jede Brutzelle ein etwa drei Millimeter langes Ei an die Decke geheftet und der Nahrungsbrei aus Pollen und Nektar eingebracht. Die Zelle wird verschlossen und die nächste angelegt. Aus den Eiern schlüpfen Larven und nachdem der Vorrat verzehrt wurde, verpuppen sie sich. Bereits im August schlüpfen die ersten Bienen und überwintern in den Brutzellen. Erst im Frühjahr des nächsten Jahres, zur Zeit der Weidenblüten, kommen sie ins Freie.

Die Art war in Europa häufig und ist nun in Mitteleuropa seltener. Sie gilt als nicht gefährdet, ist jedoch nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt.

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