Landwirtschaft Hamburg

Die Hoffnung auf gute Getreideernte ist gedämpft

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Thomas Heyen
Ein Landwirt fährt bei der Getreideernte mit seinem Mähdrescher über ein Haferfeld. (Symbolfoto)

Ein Landwirt fährt bei der Getreideernte mit seinem Mähdrescher über ein Haferfeld. (Symbolfoto)

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Die Ernte ist in den Vier- und Marschlanden durchschnittlich ausgefallen. Die Rahmenbedingungen bereiten den Bauern Sorgen.

Hamburg. Die Landwirte haben ihre Ernte von Mitte Juli bis Anfang September eingefahren – Gerste, Roggen, Hafer und vor allem Weizen, aber auch Raps (Ölfrucht) und Triticale (Tierfutter). Lediglich der Mais wird noch geerntet, ab Monatsende. Hamburgs Bauernpräsident Martin Lüdeke aus Curslack, selbst Landwirt, zieht für die Getreideernte eine gemischte Bilanz.

Im August, der Haupterntezeit für Getreide, war es zu kalt und zu nass, sagt Lüdeke. „Es gab zu viele Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit und Nebel.“ Das Getreide habe keine zwei Tage am Stück gedroschen werden können. „Vor einem Jahr haben wir das alles in einem Rutsch innerhalb von zehn Tagen erledigt.“ Immerhin: Trotz des Stückwerks seien die Äcker befahrbar gewesen.

Landwirtschaft Hamburg: Unbeständige Witterung lässt Ertragsminderungen erwarten

2020 sei alles anders gewesen: „Da hatten wir 14 Tage mit über 30 Grad – optimales Erntewetter“, betont der 56-Jährige. Im Frühjahr 2021 sei die Erwartung der Bauern an die Ernte noch hoch gewesen: „Das Getreide war gut über den Winter gekommen, weil er nicht zu nass war, und sah – nach einem Frühjahr ohne Nachtfrost – bis Mai überdurchschnittlich gut aus.“ Doch im Juni sei es zu warm und zu trocken gewesen, im Juli gab es zu viel Regen, sei es nicht hell genug gewesen, um das Wachstum der Pflanzen optimal voranzutreiben.

Der Mais habe hingegen von der Witterung profitiert, weiß Lüdeke. Zwar habe der Mais kurz nach der Aussaat Ende April gelitten, weil es im Frühjahr überdurchschnittlich kalt war, aber dann hätten die tropischen Pflanzen aufgeholt: Im Juli hätten sie viel Wärme und Feuchtigkeit abbekommen. „Wenn es Ende September viel Sonne und keinen Regen gibt, kann das eine gute Ernte werden.“

Im Frühjahr war die Erwartung an die Ernte noch hoch

„Nun haben wir beim Getreide durchschnittliche Erträge erzielt. Teilweise sind die Körner zu klein, weil zu wenig Proteine gebildet wurden.“ Das Getreide müsse in den Silos nachgetrocknet werden. Die Bauern blasen über Wochen warme Luft auf die abgeernteten Pflanzen. Das mache viel Arbeit und koste Geld, betont der Bauernpräsident.

Positiv sei, dass die Getreidepreise, die sich nach der Nachfrage auf dem Weltmarkt richten, deutlich über dem Durchschnitt liegen würden: „Die Chinesen kaufen viel“, stellt Lüdeke fest. Finanziell bewege man sich nach der Ernte in diesem Jahr also in einem „guten Durchschnitt“. Aber: „Gestiegene Lohn- und Lebenshaltungskosten sowie vor allem höhere Energiekosten, ganz besonders die stark angestiegenen Dieselpreise, sorgen für eine schlechte Erntebilanz.“ Den Landwirten bleibe kaum Geld für Investitionen in ihren Betrieben.

Landwirtschaft Hamburg: Beim Fleischkauf auf die Haltungsform achten

Das Grundproblem sei seit Jahren dasselbe: „Die Gesellschaft fordert Tierwohl, Naturschutz und gesunde Nahrung, aber sie ist nicht bereit, dafür mehr Geld auszugeben.“ Martin Lüdeke rät den Verbrauchern, „nicht im Ausland produzierte Lebensmittel zu kaufen“. Das schone das Klima aufgrund kürzerer Transportwege und helfe den heimischen Erzeugern.

Bei Fleisch sollte auch auf die Haltungsform der Tiere geachtet und nicht das billigste Produkt erworben werden, weil das auch die schlechteste Haltungsform bedeute. Ein weiterer Punkt ist dem Hamburger Bauernpräsidenten sehr wichtig: „Die Menschen sollten nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen, sie statt dessen wertschätzen und sich Gedanken darüber machen, wie aufwendig sie produziert werden.“

Appell: Nicht so viele Lebensmittel wegschmeißen

Lüdeke geht noch weiter: Die Deutschen sollten die Verantwortung „nicht auf andere Gesellschaften abwälzen“ und sie den Preis für Misswirtschaft zahlen lassen. „Wir müssen Verantwortung und Respekt gegenüber anderen Ländern haben.“ In Spanien hätten die Menschen kaum noch Wasser „und wir schmeißen dort erzeugte Paprika in den Müll“. Dabei gebe es in Ländern, aus denen Lebensmittel massenhaft importiert werden, „oft nicht genug Essen für die eigenen Leute“.

Die deutschen Verbraucher „müssen vorweg gehen und ein Vorbild sein“, ist Lüdeke überzeugt. Erst dann könnten sich auch andere Länder bei der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse neu aufstellen. „Das ist ein langer, mühsamer Weg, aber der einzig mögliche. Schließlich müssen wir auch an unsere Nachkommen denken. Wir können die Länder rechts und links von uns nicht einfach ausblenden“, betont Hamburgs Bauernpräsident.

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