„Fit im Homeoffice“

Wie Familien im Corona-Alltag mental gesund bleiben

| Lesedauer: 4 Minuten
Juliane Brachvogel ist selbst Mutter zweier Teenager. Die Pädagogin und Familiencoach zeigt, wie Familien mental gesund bleiben können.

Juliane Brachvogel ist selbst Mutter zweier Teenager. Die Pädagogin und Familiencoach zeigt, wie Familien mental gesund bleiben können.

Foto: Privat

Juliane Brachvogel gibt in unserer Serie „Fit im Homeoffice“ Tipps, wie Eltern jetzt ihre Kinder unterstützen können – ohne Streit.

Hamburg. Als Pädagogin, Lerntherapeutin und systemischer Familiencoach liegt die Aufgabe von Juliane Brachvogel (Praxis EntfaltungsRaum) darin, Familien in schwierigen Situationen zu begleiten – egal ob bei Lernschwierigkeiten, Auffälligkeiten in der Entwicklung oder familiären Herausforderungen.

Die 40-jährige Curslackerin ist Mutter zweier Teenager und arbeitet im Hauptberuf noch als Lehrerin und Kinderchorleiterin. Durch den engen Kontakt zu Familien weiß sie, an welchen Stellen der Schuh im Alltag drücken kann.

6. Folge „Fit im Homeoffice“: Als Familie den Corona-Alltag meistern

1. Folge:aktive Yoga-Pausen mit Tina Meier aus Kirchwerder

2. Folge:Yoga für die ganze Familie mit Cathérine Waraszik aus Börnsen

3. Folge:Übungen mit dem eigenen Körpergewicht mit Birgit Rehbein

4. Folge:Fit am Schreibtisch mit Physiotherapeutin Anja Terruhn

5. Folge:Yoga-Entspannung für die Arbeitspause

Ihr Grundsatz: Beziehung geht vor Erziehung und Belehrung

Oft wird sie um Rat und Unterstützung gebeten. Sie hat Zusatzausbildungen im Bereich Entspannung, systemisches Coaching und Lerntherapie absolviert und arbeitet in ihren eigenen Praxis, die sie ab Sommer hauptberuflich führen wird.

Die Ausnahmesituation, in der sich Familien aktuell durch Homeoffice, Homeschooling und Kinderbetreuung befinden, setzt häufig eine Negativspirale aus Unzufriedenheit, einem raueren Umgangston und zunehmendem Frust in Gang. „Aus der Hirnforschung wissen wir, dass bei Stress, Ärger und Angst Hirnareale blockiert sind, die zum Lernen und Denken benötigt werden“, sagt Juliane Brachvogel.

Anhand einfacher Beispiele Streit und Stress vermeiden

Es gilt also, die Negativspirale zu unterbrechen. Ein Leitsatz in diesem Zusammenhang lautet: Beziehung vor Erziehung und Belehrung

Hierfür ein paar konkrete Beispiele:

Dein Kind stöhnt über die Fülle seiner Aufgabe und fängt nicht an. Statt: „Jetzt stell’ dich nicht so an. Ich muss auch arbeiten“, kommt beim Kind an: „Meine Gefühle haben keine Berechtigung.“ Probiere: „Ich sehe, dir fällt es gerade schwer loszulegen. Mir geht es auch manchmal so, wenn ich mich nicht wohlfühle. Lass uns gemeinsam überlegen, was dir helfen kann, anzufangen.“ Das kommt an: „Meine Gefühle sind okay. Jemand interessiert sich für mich und gemeinsam finden wir Lösungen für Probleme.“

Dein Kind versteht die Aufgabe trotz mehrmaliger Wiederholung nicht. Statt: „Ich habe es dir jetzt so oft erklärt, was gibt es denn daran nicht zu verstehen?!“ Das kommt an: „Ich bin zu dumm dafür.“ Probiere: „Ich habe jetzt versucht, es dir zu erklären. Wahrscheinlich ist das nicht der richtige Weg für dich. Wer könnte dir denn bei der Aufgabe besser helfen als ich?“ Das kommt an: „Wenn ich Dinge nicht verstehe, liegt es nicht allein an mir. Auf anderen ­Wegen geht es vielleicht leichter.“

Dein Kind kann sich einfach nicht konzentrieren. Statt: „Jetzt bleib’ doch mal bei der Sache.“ Das kommt an: „Tu’ etwas, was dir gerade nicht möglich ist.“ Probiere: „Dir fällt es gerade schwer, dich zu konzentrieren. Mache einmal eine kurze Pause und mache zehn Hampelmänner. Dann stellen wir den Timer auf fünf Minuten und du gibst in dieser Zeit noch einmal dein Bestes.“ Das kommt an: „Wenn ich mich nicht konzentrieren kann, gibt es Dinge, die mir helfen können. Jemand hat Vertrauen in mich, dass ich mein Bestes geben kann.“

In Situationen mit Reibungspotenzial bis 3 zählen, bevor irgendetwas gesagt wird und dann den Dreischritt beherzigen: 1. Wahrnehmung: „Ich sehe, dass…“; 2. Gefühl: „Das Gefühl XY ist damit verbunden.“; 3. Lösung: „Was brauchst du/ich/wir, damit es dir/mir/uns besser geht?“ Dies kann ein erster Ansatz sein, um die mentale Gesundheit aller Familienmitglieder zu fördern.

Juliane Brachvogel bietet ab sofort den vierteiligen Kursus „Mehr Leichtigkeit im Familienleben“, der ab drei Teilnehmern online durchgeführt wird (70 Euro pro Teilnehmer). Infos und Einzeltermine unter 0178/330 25 19 oder E-Mail info@julianebrachvogel.de; Internet: www.julianebrachvogel.de

( bz/ )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Curslack