Offener Brief

Oberbillwerder: Gefährlich für Ökologie und Nachbarn?

| Lesedauer: 3 Minuten
IBA-Chefin Karen Pein (l.) und Oberbillwerder-Planerin Sabine de Buhr laden am Donnerstag zur Bürgerbeteiligung.

IBA-Chefin Karen Pein (l.) und Oberbillwerder-Planerin Sabine de Buhr laden am Donnerstag zur Bürgerbeteiligung.

Foto: Ulf-Peter Busse

Vor dem Start der Bürgerbeteiligung an Hamburgs Zukunftsstadtteil erneuern Gegner ihre Kritik. Online-Diskussion am Donnerstag.

Hamburg. Pünktlich zur „frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligungam morgigen Donnerstag, 8. April, macht die Initiative „Nein zu Oberbillwerder“ mobil gegen Bergedorfs geplanten Zukunftsstadtteil: Ökologisch bedenklich, beim Straßenverkehr konzeptlos, in Sachen Entwässerung gefährlich, für die örtliche Landwirtschaft tödlich und für alle Nachbarquartiere hochbelastend, heißt es in einem siebenseitigen Offenen Brief, der über die Ostertage an Politik, Behörden und Presse verschickt wurde.

Die Kritiker, zu denen neben der federführenden „Dorfgemeinschaft Billwärder an der Bille“ nach eigenen Angaben 20 Initiativen und Interessenvertretungen gehören, warnen besonders vor weitreichenden Überflutungen bei Starkregen und unkontrollierten Verkehrsströmen.

Offener Brief der Oberbillwerder-Kritiker vor Online-Diskussion am Donnerstag

Die Entwässerungsplanung sei gefährlich, heißt es weiter, weil Oberbillwerder auf den Wiesen nördlich des S-Bahnhofs Allermöhe entstehe und so mehr als 100 Hektar Fläche versiegele, die vor dem Bahndamm eine natürliche Regenrückhalte- und Verdunstungsfläche darstelle. Fehle sie, würde sich das Wasser bis in die benachbarten Stadtteile Bergedorf-West, Neuallermöhe und sogar Nettelnburg zurückstauen. Denn zur Oberflächenentwässerung Richtung Marschlande stehe nur das Schöpfwerk Allermöhe zur Verfügung.

Als noch dramatischer, weil alltäglich, stuft die Initiative die befürchtete Autolawine ein. 20.000 Fahrten täglich erwarten die Gutachter für den 15.000-Einwohner-Stadtteil, in dem zudem bis zu 5000 Arbeitsplätze entstehen soll. Wem das deutlich zu optimistisch klingt, dem geben die Kritiker Argumente an die Hand: „Bei den Untersuchungen zum Masterplan wurden lediglich die Verkehrsströme aus Oberbillwerder dargestellt. Der Verkehrsfluss hinein sowie Such- und Schleichverkehre wurden nicht berücksichtigt.“

Diese drei geplanten Straßenanbindungen werden kritisch gesehen

Und die Kritiker lassen es sich nicht nehmen, die drei geplanten Straßenanbindungen unter ihre Lupe zu nehmen. Der Großteil des Verkehrs, so ihre Annahme, werde nach Westen zum Mittleren Landweg fließen. Der müsste für die geschätzt 9000 zusätzlichen Fahrten aber verbreitert werden, ebenso wie die auf dem Weg zur A 25 anschließenden Straßen im Gewerbegebiet Allermöhe. Genau das sei aber kaum möglich, was den schmalen Billwerder Billdeich zum gefährlichen Schleichweg mache.

Nach Süden soll es laut Masterplan von Oberbillwerder einen Straßendurchstich des Bahndamms nach Neuallermöhe-West geben, was die Kritiker vor einer Blechlawine im ganzen Stadtteil Richtung Autobahn warnen lässt – wenn die Bahn den Durchstich denn überhaupt zulasse.

Befürchtungen um Verlust eines Stücks der Boberger Niederung

Kritisch wird auch der geplante Anschluss über den Ladenbeker Furtweg an die Bergedorfer Straße in Höhe der heutigen Brücke gesehen: Sehr viel Flächenverbrauch und sogar der Verlust eines Stücks vom Naturschutzgebiet Boberger Niederung seien die Folge. Fazit der Kritiker: Vor einer Lösung dieser Geburtsfehler und einer „echten Bürgerbeteiligung“ muss die Planung für Oberbillwerder ruhen.

Die öffentliche Plandiskussion beginnt an diesem Donnerstag um 18.30 Uhr. Der Livestream läuft unter hamburg.de/bergedorf.

( upb )