Hamburg. Die Tiere feiern ihr Comeback im Hamburger Naturschutzgebiet. Warum sie sich besser zur Landschaftspflege eignen als technische Geräte.

Sie sind einfach unersetzlich: Anfang Mai kehren eine Schafsherde sowie mehrere Ziegen zurück in die Boberger Niederung. Ihre Aufgabe: die Pflege und der Erhalt des Naturschutzgebiets in Hamburg. Auftraggeber ist die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, die quasi einen Fünfjahresvertrag mit den tierischen Landschaftspfleger geschlossen hat.

Zwischen Mai und Oktober sollen die 120 Heidschnucken und 15 Ziegen verhindern, dass die Flächen vergrasen oder junge Bäume in den wertvollen offenen Lebensräumen Heide, Düne und Trockenrasen wachsen. Dabei ergänzen sich Schaf und Ziege sehr gut: „Ziegen fressen im Gegensatz zu Schafen nicht nur Raufutter wie Gras, sondern auch junge Gehölze, dornige Sträucher und Rinde“, heißt es aus der Umweltbehörde.

Naturschutzgebiet in Boberg: Rasenmäher ersetzten 2022 die Schafe

Die Tiere halten jedoch nicht nur die Flächen in dem Naturschutzgebiet offen, sondern vernetzen auch Lebensräume. „In der Wolle verfangen sich Samen und Insekten, die so durch das Gebiet transportiert werden“, so Behördensprecher David Kappenberg.

Das ist auch ein Vorteil gegenüber Mähmaschinen, die im vergangenen Jahr statt der Schafe und Ziegen in der Boberger Niederung zum Einsatz kamen. Die Umweltbehörde erhoffte sich mit den technischen Geräten „den Blühhorizont für Insekten stärker zu entwickeln“, hieß es Anfang 2022. „Die Pflanzen kommen dann ganz anders zum Blühen“, so damals das Argument der Loki Schmidt Stiftung, die das Dünenhaus in Boberg betreibt und mit den Schäfern zusammengearbeitet.

Die tierischen Landschaftspfleger tragen dazu bei, dem Aufwachsen von Gehölzen und einer Vergrasung der Flächen in dem Naturschutzgebiet entgegenzuwirken.
Die tierischen Landschaftspfleger tragen dazu bei, dem Aufwachsen von Gehölzen und einer Vergrasung der Flächen in dem Naturschutzgebiet entgegenzuwirken. © BGZ | Loki Schmidt Stiftung

Schafe und Ziegen sind auch deutlich kostengünstiger als die Maschinen

Doch der Umstieg auf die Mähmaschinen, der laut Umweltbehörde nur ein Test war, habe gezeigt, dass in der von Trockenrasen und anderer nährstoffarmer Vegetation dominierten Landschaft zwischen Boberg und Mümmelmannsberg nicht sinnvoll ist. Ein Gutachter sowie das Team des Boberger Dünenhauses kamen zu dem Ergebnis: Die Schafe sind zum Erhalt der weiten Rasen- und Dünenflächen unverzichtbar. Und sie sind sogar kostengünstiger: „Der finanzielle Aufwand ist 2022 von ehemals 45.000 auf 162.000 Euro gestiegen“, teilte die Behörde auf Nachfrage mit.

Deswegen ziehen nun wieder Schafe und Ziegen durch das gesamte Naturschutzgebiet. Eine Schäferin und ein Schäfer begleiten die tierischen Rasenmäher, Hütehunde treiben die Tiere zu den Flächen. Um die Hütehunde und Schafe bei ihrer Arbeit nicht zu stören, bittet die Umweltbehörde darum, mitgeführte Hunde immer anzuleinen – so wie es in Naturschutzgebieten vorgeschrieben ist.

Boberger Niederung: Dabei sein, wenn die Schafe und Ziegen zurückkommen

Wer dabei sein möchte, wenn die Herde wieder ins Naturschutzgebiet stürmt, kann die Tiere am Mittwoch, 3. Mai, ein Stück begleiten. Treffpunkt ist das Dünenhaus (Boberger Furt 50) um 10.30 Uhr. Zusammen mit dem Schäfer und den Tieren geht es dann ins Naturschutzgebiet. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Wer zudem die Schäfer bei der Schur der Schafe beobachten möchte und mehr darüber erfahren will, was mit der Wolle anschließend passiert, hat dazu am Montag, 29. Mai, die Möglichkeit. Am 2. Juni gibt es zudem einen Vortrag und eine Führung zum Thema Beweidung mit Schafen und Ziegen. Weitere Infos auf der Internetseite der Loki Schmidt Stiftung.