Bus und Bahn in Hamburg

HVV erhöht Ticketpreise – SPD sieht keinen Grund für Kritik

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Ulf-Peter Busse
Der HVV will die Ticketpreise für Bus und Bahn in Hamburg erhöhen (Symbolfoto).

Der HVV will die Ticketpreise für Bus und Bahn in Hamburg erhöhen (Symbolfoto).

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture-alliance/ dpa

Koalition in Bergedorf lehnt CDU-Antrag gegen Tariferhöhungen für Bus und Bahn ab. SPD: Menschen können günstige Jahreskarte kaufen.

Bergedorf.  Die CDU als Kämpfer für preisgünstigen Nahverkehr – und Grüne wie auch SPD dagegen? Das Publikum der jüngsten Bezirksversammlung in Bergedorf staunte nicht schlecht: Ausgerechnet die Christdemokraten waren es, die den Antrag „Keine Tariferhöhungen beim HVV“ einbrachten und damit eine fast 30-minütige Debatte auslösten.

An deren Ende war es dann Bergedorfs Koalition aus SPD, Grünen und FDP, die es mit ihrer Mehrheit einstimmig ablehnte, Bezirksamtsleiterin Cornelia Schmidt-Hoffmann auf einen Feldzug in Hamburgs Behörden zu schicken, um die angekündigte Verteuerung der Ticketpreise im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) um durchschnittlich 3,2 Prozent zu stoppen.

HVV: Preise für Fahrkarten in Hamburg sind laut CDU deutlich zu hoch

„Hier wird an der Lebenswirklichkeit der Menschen in Bergedorf vorbei argumentiert“, ärgerte sich CDU-Fraktionschef Julian Emrich mit Blick auf die Redebeiträge der Koalition. Er wisse natürlich, dass die Bezirksversammlung nicht über die Tarifgestaltung des HVV bestimme. Aber er habe mit dem Antrag „ein klares Signal aus unserem Bezirk an die Verantwortlichen“ senden wollte, dass die Preise „schon heute etwa mit mindestens 8,20 Euro für eine Tagesfahrkarte deutlich zu hoch“ seien und sich eine weitere Erhöhung schon deshalb verbiete. „So werden Bus und Bahn nicht attraktiver.“

Grünen-Fraktionschefin hielt dagegen, dass ein solcher Antrag in die Hamburgische Bürgerschaft gehöre und nicht auf die Tagesordnung der Bezirksversammlung. Ihre SPD-Kollegin Katja Kramer ging noch einen Schritt weiter: „Die Kritik an steigenden Preisen für Einzel- und Tagestickets zum neuen Jahr geht am Kern des attraktiven Personennahverkehrs vorbei“, erinnerte sie die CDU. „Wir wollen, dass sich die Menschen nicht von Tag zu Tag entscheiden, ihre Auto stehen zu lassen, sondern sich wenigstens per Monatsticket Bus und Bahn den Vorzug geben.“ Genau dort setze schließlich auch das 49-Euro-Ticket an, das in 2023 als Nachfolger des 9-Euro-Tickets bundesweit geplant sei.

49-Euro-Ticket hat nicht für jeden Hamburger Vorteile

Das war die Vorlage für die Opposition: „Die Lebenswirklichkeit sieht anders aus“, erinnerte Julian Emrich an die steigende Zahl der Menschen, die wenigstens einen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice sitzen.. „Sie brauchen keine Monatskarte, sondern fahren nur an einem oder zwei Tagen ins Büro. Genau sie stellt sich der HVV mit seiner Preispolitik aber nun ins Abseits.“

Die Linken kritisieren die 49 Euro: „Das ist für etliche Bergedorfer sehr viel Geld. Vor allem auch deshalb, weil der Betrag in Wirklichkeit zwölfmal fällig wird. Denn die neue Vergünstigung erhält nur, wer sich gleich für ein ganzes Jahr an Bus und Bahn bindet“, sagte Robert Gruber.

Zudem könne das 49-Euro-Tickt nur online gebucht werden, was viele Senioren ohne Internet aus dem Kreis der Nutzer ausschließe, ergänzte Jörg Froh (CDU). Und für Lutz Jobs (Linke) war bis zum Ende der Debatte nicht klar, warum die Koalition den Vorstoß eigentlich wirklich durchfallen ließ: „Ein klares Signal zu setzen, ist doch immer gut. Auch wenn wir hier in Bergedorf nicht über die Preise des HVV bestimmen: Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns als als Bezirksversammlung trauen, klar Stellung zu beziehen.“

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