Gastronomie

Auf der Sternwarte Bergedorf bleibt die Küche kalt

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Anne K. Strickstrock
Wenigstens an Wochenenden könnte sich hier ein Café lohnen, meint Bergedorfs Verwaltungsdezernent Ulf von Krenski.

Wenigstens an Wochenenden könnte sich hier ein Café lohnen, meint Bergedorfs Verwaltungsdezernent Ulf von Krenski.

Foto: Ulf-Peter Busse

Neuer Pächter fürs Café gesucht, doch Gastronomen sagen trotz guter Konditionen reihenweise ab. Das sind die Gründe.

Bergedorf.  Immer wieder hat Bergedorfs Verwaltungsdezernent Bewerber zur Sternwarte geführt und ihnen die Räume im historischen Gebäude des 1-Meter-Spiegels gezeigt. Wo einst die Geschwister Klärmann ihr Café Raum & Zeit betrieben haben, soll ein neuer Gastronom einziehen. Doch aus dem Start zum 1. Juli wird wohl nichts: „Trotz vieler Besichtigungen hat hier niemand eine Wirtschaftlichkeit gesehen“, sagt Ulf von Krenski, der oft hören musste, dass man „nicht vier Stunden auf drei Gäste warten will, die dann ein Stückchen Kuchen essen“.

Er setzt dennoch auf unternehmerischen Mut und will „einen neuen Angang machen“, schließlich seien die Rahmenbedingungen mit Universität und dem Hausmeister geklärt, möge das 110 Jahre alte Observatorium an der August-Bebel-Straße mehr Touristen nach Bergedorf locken.

Sternwarte Bergedorf: Café ist 70 Quadratmeter groß

Nicht nur, dass die Sonntags-Führungen des Freundeskreises sehr beliebt seien, die über den Museumsdienst gebucht werden können. Auch für größere Feiern wie Hochzeiten bietet sich das 70 Quadratmeter große Café samt Küche und 100 Quadratmeter großem Veranstaltungsraum an.

Ob man nicht den Bergedorfer Impuls fragen könne, der mit seinen behinderten Mitarbeitern durchaus Großes leiste, fragte Maria Westberg (Die Linke) im Kulturausschuss an. Man sei für alle Ideen offen, so der Verwaltungschef, der kreativen Wirten gute Konditionen anbieten kann: Im ersten Jahr werden nur die Nebenkosten fällig, in den beiden folgenden 500 Euro Pacht pro Monat. Erst danach will das Amt acht Prozent des Umsatzes kassieren, maximal 2000 Euro monatlich.

Politiker kritisiert Restaurant im Schloss Bergedorf

Das Bezirksamt hofft auf einen Betreiber, der zumindest an den Wochenenden ab 10 Uhr feste Öffnungszeiten im Kuppelbau bietet. Doch das Thema Öffnungszeiten erhitzt – zumindest mit Blick auf das Restaurant im Bergedorfer Schloss, das ebenfalls vom Bezirksamt verpachtet wird: „Wie lange will das Amt noch dulden, dass das Café nicht zu den Öffnungszeiten des Museums offen ist?“, fragte Rudi Walter (Die Linke) und fügte hinzu: „Ich kritisiere ziemlich heftig, dass es da tagsüber keinen Kaffee gibt, aber bis spät abends noch Cocktails zu haben sind.“

Aktuell sind die Küchenzeiten von „In aller Munde“ mittwochs bis sonnabends von 17 bis 22 Uhr, dazu ist an Sonntagen zwischen 10 und 13 Uhr geöffnet, wenn Bergedorfs Jazzclub zu Konzerten im Innenhof einlädt.

Gastronomie sucht dringend Mitarbeiter

Das Restaurant müsse sich erst mal am Markt behaupten – „und das trotz der schwierigen Corona-Zeit“, meint Ulf von Krenski und verweist auf ein Problem, das derzeit die gesamte Gastronomie betrifft: „Es gibt einfach kein verfügbares Personal, etwa zwei Drittel der einstigen Mitarbeiter sind weg.“

Auf jeden Fall brauchen sie dringend Köche und Servicepersonal, bestätigen die Betreiber Philipp Stiller und Andreas Kilonzo: „Gerade für tagsüber Leute zu finden ist schwierig.“ Im vergangenen Jahr hätten sie den Café-Betrieb getestet, und „das hat sich überhaupt nicht bewährt. Für drei Kaffeegedecke am Tag lohnt sich das einfach nicht“, sagen die Gastronomen, die sich derzeit lieber auf die Abendgäste freuen, die etwa Entenbrust (26,90 Euro), Trüffel-Tagliatelle (24,90 Euro) oder Chateaubriand (49,90 Euro) bestellen.

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