Forschung in Bergedorf

Tschentscher: „Klimaschutz sollte ein Mitmachprojekt sein“

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Bürgermeister Peter Tschentscher (l.) besucht den Bergedorfer Energie-Campus von Leiter  Prof. Dr. Werner Beba.

Bürgermeister Peter Tschentscher (l.) besucht den Bergedorfer Energie-Campus von Leiter  Prof. Dr. Werner Beba.

Foto: Alexandra Schrader

Hamburgs Bürgermeister diskutierte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) über Mobilität und neue Technologien.

Bergedorf. Mobilität, Glaubwürdigkeit, neue Technologien: Diese und weitere Themen zur Klimawende hat Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) mit den Nachwuchsforschern der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) auf dem Bergedorfer Energie-Campus diskutiert.

Das Technologiezentrum, auch genannt CC4E (Competence Center für Erneuerbare Energien und EnergieEffizienz), wurde 2015 eröffnet und gehört zur Fraunhofer Gesellschaft, der weltweit führenden Organisation für anwendungsorientierte Forschung. Ebenso ist es Teil des Verbundprojekts „Norddeutsches Reallabor“, das in Wärmeversorgung, im Mobilitätssektor und in der Industrie daran arbeitet, Schritt für Schritt den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Forschung in Bergedorf: Tschentscher lobt Studierende

Tschentscher lobte die Arbeit der Studierenden und der wissenschaftlichen Mitarbeiter der HAW, die vor allem zum Thema erneuerbare Energien forschen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten mit der Entwicklung von Zukunftstechnologien einen wichtigen Beitrag für Hamburg und die Metropolregion, in der Klimaschutz mit wegweisenden Projekten vorangebracht wird.“ Hamburg sei technologisch bereits viel weiter als der weltweite Durchschnitt – das müsse weiter gefördert werden.

„Wenn wir mit der Klimawende vorankommen wollen, reicht es nicht, die Ideen nur im Labor umzusetzen“, so Peter Tschentscher. Sie müssten aufs „große Ganze“ – und somit zum Beispiel in Unternehmen – übertragen werden. Mittlerweile sei die Klimawende großenteils „nur noch ein technisches Problem“.

Hamburg will bis 2030 CO-Emissionen um 65 Prozent senken

Die Forschenden sahen das anders. „Die Technologien sind da, aber der gesamtgesellschaftliche Kontext ist problematisch“, so Jonas Bannert, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Häufig gebe es viel Protest von Anwohnern, beispielsweise gegen Windräder. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anna Schoenfeldt nannte eher die mangelnde Glaubwürdigkeit der Politik als Problem.

Für Tschentscher ist es nun wichtig, konkrete Ziele zu nennen. So will Hamburg die CO-Emissionen bis 2030 um 65 Prozent senken – acht Millionen Tonnen CO müssten dafür in den nächsten Jahren eingespart werden. Er verstehe die Ungeduld vieler Menschen, aber es sei wichtig, Lösungen zu finden, bevor man Pläne offenbare. „Wenn etwas ins Rollen gekommen ist, funktionieren oft Dinge, mit denen man vorher nicht gerechnet hat.“

Tschentscher: „Klimaschutz sollte ein Mitmachprojekt sein“

Derzeit müsse man sich auf die Lösungen konzentrieren: Hamburg spare zum Beispiel beim Verkehr kaum CO2 ein – das müsse sich ändern. „Klimaschutz sollte ein Mitmachprojekt sein“, so Tschentscher. Man müsse die Menschen dafür begeistern und positiv bleiben.

Vor der Diskussion ließ der Bürgermeister sich von Prof. Dr. Hans Schäfers, dem stellvertretenden Leiter des CC4E, und Leiter Prof. Dr. Werner Beba das Forschungsgebäude zeigen. Teil der Tour war auch die Anlage auf dem Dach, die Kohlendioxid aus der Luft filtert. Nach einigen Zwischenschritten wird aus dem CO2 zuerst künstliches Methan und aus diesem schließlich Strom und Wärme hergestellt.

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