Bundestagswahl

Umfrage: Was sich Bergedorf von der Ampel wünscht

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Alexandra Schrader
Studentin Lena Sandhoff (22) hätte gerne eine Regierung, die auch die Themen, die die jüngere Generation beschäftigen, ernster nimmt. So zum Beispiel den Klimawandel und Feminismus.

Studentin Lena Sandhoff (22) hätte gerne eine Regierung, die auch die Themen, die die jüngere Generation beschäftigen, ernster nimmt. So zum Beispiel den Klimawandel und Feminismus.

Foto: Alexandra Schrader

Eine mögliche neue Bundesregierung verhandelt aktuell über Details. Die Bürger erwarten Klimaschutz und Entlastungen.

Hamburg. Das Sondierungspapier ist fertig, die Koalitionsgespräche laufen: Mehr als einen Monat ist es nun her, dass Deutschland eine neue Bundesregierung gewählt hat. Auch wenn derzeit noch unklar ist, ob die Ampel mit SPD, Grünen und FDP auf einen gemeinsamen Nenner kommt: Die Bürger haben schon jede Menge Erwartungen an die neuen Entscheidungsträger.

Rentnerpaar möchte mehr Windräder – auch in Bayern

Anne und Jochen Krüppelin aus Geesthacht hoffen auf mehr Naturschutz. Die Senioren bummeln am Nachmittag durchs Sachsentor in Bergedorf. „Die Umwelt steht für uns an erster Stelle“, sagt Anne Krüppelin (78). Ihrer Meinung nach wäre es wichtig gewesen, das Tempolimit von 130 km/h durchzusetzen. Ihr Mann nickt zustimmend: „Außerdem müssen in allen Bundesländern Windräder gebaut werden, auch in Bayern. Der Strom für E-Autos muss schließlich auch irgendwo herkommen.“ Die beiden betonen: Diese Wahl sei besonders für die junge Generation wichtig gewesen, sie sollte jetzt im Vordergrund stehen. Und auch Geflüchteten müsse eine bessere Zukunft ermöglicht werden: „Mehr Sprachkurse und individuelle Förderung – auch in Schulen.“

Im Bezug aufs Klima ist Lehrerin Claudia Pracht der gleichen Meinung: „Bei den Verpackungen könnte zum Beispiel einiges an Plastik gespart werden.“ Die 42-Jährige wünscht sich außerdem mehr Unterstützung für Familien. Dazu gehöre auch, dass wegen Corona nicht wieder Kitas geschlossen werden, ohne Alternativen zu schaffen. „So wie während der Lockdowns im Homeoffice mit zwei kleinen Kindern zu Hause, das geht einfach nicht“, meint die Bergedorferin.

Politik soll mehr Maßnahmen gegen Rassismus und Homophobie ergreifen

„Von der Politik ernster genommen zu werden“, wünscht sich Lehramtsstudentin Lena Sandhoff. Sie habe derzeit häufig das Gefühl, die Themen, die jungen Menschen besonders wichtig seien, würden belächelt. „Zum Beispiel Feminismus, Geschlechterrollen und der Klimawandel.“ Es brauche noch viel mehr junge Politiker im Bundestag, auch eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre fände sie angemessen. „Vor den Wahlen wird immer viel angekündigt, danach passiert dann doch nichts“, sagt die 22-Jährige.

Schülerin Leona sieht das ähnlich. In ihren Augen müsse die Politik mehr Maßnahmen gegen Rassismus und Homophobie ergreifen. „Das gibt es in Deutschland viel zu viel, auch hier in Bergedorf habe ich es schon erlebt“, sagt die 14-Jährige.

Hohe Preise für Lebensmittel und Sprit bereiten Menschen Sorgen

Der Bergedorfer Michael Gundlach ist in der Alten Holstenstraße unterwegs. Er sieht die Probleme vor allem bei den steigenden Kosten. „Sprit wird immer teurer, die Löhne werden weniger. Steuererhöhungen darf es auf keinen Fall geben“, sagt der 54-Jährige, der im Außendienst für ein Fahrradunternehmen arbeitet. Auch die Arbeitslosigkeit in Bergedorf mache ihm Sorgen.

Gisela Kohn (77) aus Nettelnburg sieht das ähnlich: „Alles wird teurer. Und ein höherer Mindestlohn ist toll, aber irgendwer muss es auch bezahlen.“ Das Hochwasser in Ahrweiler habe außerdem gezeigt, wie wichtig Klimaschutz sei: So etwas könnte bald auch in Hamburg passieren.

Eher auf Wasserstoff- als auf Elektroautos setzen

Finanzielle Entlastung wünscht sich die Familie Bianchi. „Lebensmittel kosten schon viel, vor allem gesunde Produkte wie Gemüse“, sagt der 56-Jährige Jörg Bianchi. Außerdem solle eher auf Wasserstoff- als auf Elektroautos gesetzt werden. „Für die Batterien der E-Autos werden schließlich auch Kobalt und Lithium unter ausbeuterischen Bedingungen in Afrika und Südamerika abgebaut“, so der Familienvater.

Das Ehepaar Schlichting aus Lohbrügge erhofft sich von der Regierung mehr Gerechtigkeit für Geflüchtete. „Ich verstehe, dass die Menschen fliehen“, sagt Erika Schlichting (82). Gefährdern müsse die Einreise jedoch eher verwehrt werden, andere Zuwanderer sollten dafür mehr Unterstützung erhalten. „Und alle EU-Staaten müssen bereit sein, Menschen aufzunehmen“, so Schlichting.

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