"Existenzbedrohend"

Bergedorf: Scharfe Kritik am Umbau der Chrysanderstraße

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gegenläufiger Radverkehr Chrysanderstraße

gegenläufiger Radverkehr Chrysanderstraße

Foto: Ulf-Peter Busse

Straße soll zugunsten des Radverkehrs umgestaltet werden. Wirtschaftsverband fürchtet um Geschäfts-Existenzen am östlichen Sachsentor.

Hamburg. Eigentlich sollen die Bauarbeiten im Herbst beginnen. Doch nun regt sich heftiger Widerstand gegen die Pläne des Bezirks, die östliche Chrysanderstraße umzugestalten: Der Wirtschaftsverband WSB kritisiert den geplanten Umbau zugunsten des Radverkehrs und zulasten von Parkplätzen und Anlieferzonen als „potenziell existenzbedrohend“ für Gewerbetreibende im östlichen Sachsentor. WSB-Geschäftsführer Marc Wilken appelliert an den heute tagenden Verkehrsausschuss, das Vorhaben „im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit aller anliegenden Unternehmen“ zurückzunehmen.

Chrysanderstraße: Radler sollen künftig in beide Richtungen fahren können

Wie berichtet, soll der Abschnitt zwischen Mohnhof und Bergedorfer Schlossstraße vor allem für Radler und Fußgänger ganz neuen Komfort bringen. Das Kopfsteinpflaster soll verschwinden und gegen einen glatteren Belag ersetzt werden. Die Radler sollen künftig in beiden Richtungen durch die Einbahnstraße fahren dürfen, erhalten dazu eigene Spuren und eine großzügige Ein- und Ausfädelung von der Fahrbahn am Mohnhof.

Das Problem: Dafür müssen aus Platz- und Sicherheitsgründen alle acht Parkplatze wegfallen, die es derzeit in Höhe Schuhhaus Schüttfort gibt. Es bleiben wohl nur die Plätze an der Einfahrt zum Mohnhof – und die wohl nur für Autofahrer mit Behinderung.

„Wenige Leute, die das zweimal in der Woche brauchen“

Während die Planer erwarten, dass Radfahrer die neue Fahrtrichtung vom Villengebiet in Richtung Mohnhof rege nutzen werden, bezweifelt Marc Wilken genau dies: „Das wird jetzt für wenige Leute gemacht, die das zweimal in der Woche am Markttag brauchen“, meint er. Das sei unverhältnismäßig, da der Umbau gleichzeitig eine Vielzahl von Geschäften bedrohe.

Die Argumente des WSB: Die Kunden, von denen viele aus dem Landgebiet oder den Umlandgemeinden kämen, „sind auf Park- und Haltepunkte an dieser Stelle der City angewiesen, um die Geschäfte auf kurzem Wege erreichen zu können. Gerade Senioren und Familien können und wollen oftmals keine großen Strecken zurücklegen“, heißt es in dem Appell an den Verkehrsausschuss. Den Gewerbetreibenden drohe der Verlust von Teilen ihrer Kundschaft. Zudem sei ein Anlieferverkehr gar nicht mehr möglich. Wilken: „Ich bezweifle, dass hierzu bisher überhaupt mit den gewerblichen Anrainern persönlich gesprochen wurde.“ Auch Handwerker und unternehmensnahe Dienstleister bräuchten Abstellmöglichkeiten.

Modernisierung der Chrysanderstraße ja – aber nicht so

Wilken betont, dass auch der WSB einen Umbau und eine Modernisierung der Chrysanderstraße befürworte. „Wenn dies allerdings zur Folge hat, dass nahezu sämtlicher ruhender Kfz-Verkehr aus dem Bereich verdrängt wird, führt dies zu einer potenziell existenzbedrohenden Lage für zahlreiche Gewerbetreibende in und um das östliche Sachsentor.“

Der Verkehrsausschuss hatte sich im Mai von den Plänen sehr angetan gezeigt. Schon damals war aber angemahnt worden, eventuell nötige Anlieferzonen nachzurüsten.

( cr )

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