Alte Holstenstraße

Lichtkunst im Tunnel: Wer soll das bezahlen?

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Thomas Voigt
Tunnel in Hamburg-Lohbrügge: Agentur legt Konzept für 70.000-Euro-Investition vor – und kassiert selbst schon mal 20.000 Euro dafür.

Tunnel in Hamburg-Lohbrügge: Agentur legt Konzept für 70.000-Euro-Investition vor – und kassiert selbst schon mal 20.000 Euro dafür.

Foto: Thomas Voigt

Einen ersten Versuch, die Bahnunterführung Alte Holstenstraße aufzuwerten, gab es vor zehn Jahren. Nun startet ein dritter Anlauf.

Hamburg. Schon vor mehr als zehn Jahren haben Politik und Verwaltung versucht, die schummrige Bahnunterführung Alte Holstenstraße zwischen Bergedorf und Lohbrügge mit Lichtinstallationen freundlicher zu gestalten. Geglückt ist das bisher nicht.

Bahnunterführung Alte Holstenstraße: Immer wieder Ausfälle und Beschmutzung

Immer wieder fielen Strahler aus, meist gleich mehrere der zehn Lichtquellen auf beiden Straßenseiten. Eine Zeit lang verdreckten Tauben aus ihren Nestern in den Nischen unter den Gleisen die angebrachten Leinwände. Zudem hatte es stets über die dort projizierten schwarz-weißen Motive, zunächst von Schülern entworfen, dann in einem zweiten Schritt von einer Bergedorfer Künstlerin, geteilte Meinungen und Diskussionen ­gegeben. Und in den vergangenen Jahren haben mehr und mehr selbst ernannte Graffiti-Künstler und Schmierer die großen Projektionsflächen für sich entdeckt.

Neue Lichtinstallation soll 70.000 Euro kosten

Eine professionelle Lösung erhofften sich Bergedorfs Bezirksabgeordnete, als sie die renommierte Hamburger Lichtagentur „Ulrike Brandi Licht – Lichtplanung und Leuchtenentwicklung“ hinzuzogen, die als Referenzen schon Aufträge für die Royal Academy of Music in London, die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart und Hamburgs Elbphilharmonie vorweisen konnte. Dem Kulturausschuss wurde nun das Konzept der Agentur präsentiert – auftragsgemäß unter Einbindung von Schüler-Entwürfen aus dem Lohbrügger Gymnasium Bornbrook. Kosten für die Umsetzung: rund 70.000 Euro. Jährliche Unterhaltungskosten: etwa 8500 Euro.

Geld kann nur von Rise-Mitteln kommen

Woher dieses Geld nun kommen soll, darüber debattierten die Kulturpolitiker engagiert. Einer Beschlussvorlage, nach der Bezirksamtsleiter Arne Dornquast eine Finanzierung mit Bezirksmitteln etwa aus dem Quartiersfonds, Mitteln des Klimaschutzes und möglichen künftigen Rise-Mitteln für die Stadtentwicklung in Bergedorfs Zentrum schneidern soll, wollte die Koalition aus SPD, Grünen und FDP nicht zustimmen und legte einen Gegenantrag vor. Danach soll das Vorhaben erst weiter verfolgt werden, wenn Bergedorfs Zentrum als Rise-Gebiet anerkannt ist und
von Bund und Hansestadt die ­Mittel dafür fließen.

Ein Konzept kostet schon mal 20.000 Euro

„Das kann noch zehn oder fünfzehn Jahre dauern“, ärgerte sich Erika Garbers für die CDU. „Anders bekommen wir das Geld aber nie zusammen“, argumentierte Heribert Krönker (Grüne). Fraktionsübergreifend irritiert war das Gremium auch von einer Reihe religiöser Motive in den Entwürfen der Schüler, da diese erfahrungsgemäß schnell beschmiert werden. Das Thema ist nun erst mal vertagt, die Rechnung der Lichtagentur aber schon geschrieben: 19.684,20 Euro.

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