Jugendarbeit

"Clippo Boberg" hat einen neuen Jugendvorstand

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Anne K. Strickstrock
„Es dauert manchmal ewig, aber man kann etwas bewegen“: Maya Schuster (17) engagiert sich schon in ihrer dritten Legislaturperiode im Vorstand des Boberger Jugendclubs.

„Es dauert manchmal ewig, aber man kann etwas bewegen“: Maya Schuster (17) engagiert sich schon in ihrer dritten Legislaturperiode im Vorstand des Boberger Jugendclubs.

Foto: strickstrock / BGZ

Die neuen Mitglieder wollen mit Politikern „auf Augenhöhe“ diskutieren. Sie haben so einige Themen auf dem Zettel stehen.

Hamburg. Auf so etwas Kompliziertes wie Überhangmandate haben sie verzichtet, und eine anonyme Online-Wahl sollte es auch nicht sein. Aber sechs Kandidaten wurden vorgeschlagen, die Steckbriefe mit ihren Wahlzielen aufhängten. Dann brauchte es noch einen handfesten Karton, der sich zur Wahlkabine umbasteln ließ und natürlich ein ordentliches Wahlverzeichnis, damit sich niemand zweimal reinschleicht. Und Schwupps: Mit 60 Stimmen wurde jetzt der neue Jugendvorstand vom „Clippo Boberg“ bestimmt.

Im Jugendhaus wird an die demokratischen Strukturen herangeführt

Als „Heranführen an die demokratischen Strukturen“ bezeichnet Sozialpädagoge Stefan Baumann das, was im Jugendhaus am Bockhorster Weg schon seit vier Legislaturperioden Tradition hat: Maya Schuster zum Beispiel, die sich als Grundschülerin erstmals zum „coolen PC-Kurs“ ins Jugendhaus wagte, ist schon das dritte Mal im Vorstand – gemeinsam mit Jendrik Mattar und Dominik Rutkowski (beide 17) sowie den 16-jährigen Sarah Lehmkühler, Carlo Ihlenfeld und Arian Sundiry.

„Ich merke, dass man tatsächlich etwas bewegen kann, wenn man sich ins Gemeinleben einbringt“, meint Maya, die eine gute Vernetzung im Stadtteil lobt: Natürlich sind die Jugendlichen beim Müllsammeln dabei und verteilen Kuchen nach jedem Laternenfest. Und auf Anfrage der Awo gibt die 17-Jährige gerade Deutsch- und Mathe-Nachhilfe in der Mutter-Kind-Einrichtung am Boberger Anger.

„Neun Jahre für den neuen Bolzplatz gekämpft“

Auf jeden Fall aber braucht es einen langen Atem, wenn Jugendliche beim politischen Stammtisch „auf Augenhöhe“ diskutieren und endlich Erfolg sehen wollen: Der für 100.000 Euro frisch sanierte Bolzplatz soll im Sommer mit einem großen Fest eingeweiht werden. „Für dieses Projekt müssen sich die Politiker nicht auf die Schultern klopfen. Wir haben neun Jahre lang darum gekämpft. Martin, der 2013 dafür im Jugendhilfe-Ausschuss vorsprach, ist zwischenzeitlich sogar schon Vater geworden“, erklärt Maya Schuster.

Zuletzt war die Gymnasiastin, die später einmal Sexualtherapeutin werden möchte, beim „Jugend-Talk der Grünen“. Das sei eine nette Runde gewesen, doch „unsere Probleme mit dem Homeschooling konnte da auch niemand lösen“. Alle Treffen sind derzeit schwierig, denn nur drei Leute dürfen nach Anmeldung gleichzeitig im „Clippo“ sein. Da gibt sich keiner mehr an einem Freitagabend die Klinke in die Hand.

Mit Jugendlichen in Kontakt trotz Corona-Pandemie

Zwar ist nachmittags der Bolzplatz voll, aber „viele Jugendliche nutzen auch unsere Koch-Tutorials oder die Sport-Einheiten, die wir online anbieten“, sagt Stefan Baumann, der auch in der Pandemie die offene Arbeit, vor allem aber den Kontakt nicht abreißen lassen will.

Insbesondere die Ausfahrten zum Jugendhof bei Vechta vermissen alle sehr: „Bei den Time-out-Reisen können wir ernsthaft Projekte diskutieren, unseren Umgang etwa mit Stress oder Diskriminierung auch in Rollenspielen ausdrücken“, erklärt Maya Schuster.

Nächtliche Treffpunkte erwünscht

Dass Bergedorfs Bezirksamtsleiter bald eine Sprechstunde für Kinder und Jugendliche einrichten will, findet sie super – und bleibt doch skeptisch: „Vielleicht kann er uns nicht für 600 Euro eine Playstation 5 schenken, aber er könnte seinen Stadtplanern sagen, dass es Plätze im Bergedorfer Zentrum braucht, an denen sich Jugendliche auch noch um Mitternacht treffen dürfen.“

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