Rechtsruck befürchtet

Protest gegen Christoph Ploß: Bergedorfer verlässt die CDU

Georg Schumacher hat 44 Jahre lang Jugendarbeit gemacht

Georg Schumacher hat 44 Jahre lang Jugendarbeit gemacht

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Georg Schumacher war 17 Jahre lang CDU-Mitglied und ist Urgestein der Jugendarbeit. Doch der Führungswechsel stößt ihm sauer auf.

Hamburg. Da war er schon „ein ­bisschen geplättet“: Ausgerechnet ­während der jüngsten Online-Sitzung des Jugendhilfeausschusses las Georg Schumacher gleichzeitig in einer Drucksache, dass ihn seine Fraktionskollegin Janet Külper-Stehr künftig als CDU-Mitglied in diesem Gremium ersetzen wird, Dennis Gladiator als Stellvertreter im Ausschuss fungiert. „Naja, es müssen Jüngere nachrücken“, sagt der 75-Jährige schmunzelnd – und weiß doch um die Hintergründe.

Ende Oktober war er nach 17 Jahren aus der CDU ausgetreten. Aus Protest, denn mit Christoph Ploß als neuen Vorsitzenden der Hamburger Christdemokraten ist er nicht einverstanden: „Da sehe ich eine sehr konservative Ader. Ich befürchte einen starken Rechtsrutsch in der Hamburger CDU.“ Das sei mit ihm nicht zu machen.

"Wegen der Betonköpfe" aus der SPD ausgetreten – und jetzt aus der CDU

Dabei war er nie ein Parteisoldat. Die Jugendarbeit stand für ihn im Mittelpunkt – „das hätte ich auch für die Linke oder die Grünen gemacht“, sagt Schumacher, dessen erstes Parteibuch tatsächlich rot war: „Die SPD hatte mich gefragt, ob ich als Abgeordneter in die Bezirksversammlung gehe. Da war ich eine Legislaturperiode von 1983 bis 1987, bis ich wegen der Betonköpfe ausgeschieden bin. Mir hat das nicht gepasst, dass man die Fraktionsbeschlüsse immer mittragen musste.“

Zu der Zeit war Schumacher, der in Bremerhaven groß wurde und in Bayreuth zunächst den Beruf des Altenpflegers erlernte, schon längst ein bekannter Kopf in der Bergedorfer Jugendhilfe. Denn nach seinem Studium im Rauen Haus in Hamburg kam er als Diakon in die Christophorus-Gemeinde nach Bergedorf-West.

Georg Schumacher war schon bei der Gründung des Jugendwohlfahrtausschusses dabei

Inmitten von Baustellen – noch gab es dort keine Hochhäuser – war in der mit Sturmseilen ­gesicherten Kirchenbaracke nachmittags Konfirmandenunterricht angesagt, abends dann Jugendarbeit: „Wir hatten jeden Tag von19 bis mindestens 22 Uhr offen, hörten Musik, spielten Tischtennis und Billard und die legendären Doppelkopf-Runden.“

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Ebenso erinnert sich der Kirchenbeamte an die große Brettspielesammlung und den alten Commodore-Computer, mit dem die Jugendlichen lernten, Eisenbahnanlagen zu steuern. „Und selbstverständlich wurde dabei geraucht und Bier getrunken.“ Den Aufbau der Arbeitsgemeinschaft Bergedorf-West und die errungenen 100.000 D-Mark Sondermittel für einen Barackenneubau zählt Georg Schumacher zu seinen großen Erfolgen. Zudem war er 1976 bei der Gründung des damaligen Bergedorfer Jugendwohlfahrtsausschusses dabei, war die ersten zwölf Jahre der Vorsitzende.

Schumacher hat zwei große Wünsche für die Jugendarbeit im Bezirk

1991, nach 20 Jahren als Diakon und inzwischen Vater von drei Kindern, hatte er genug von Jugendfreizeiten in Zeltlagern: „Ich musste mal aus den Lederhosen ‘rauskommen“, umschreibt er den altersbedingten Sinneswandel, der ihn zur Diakonie- und Sozialstation an der Holtenklinker Straße führte, wo er die folgenden 15 Jahre die Geschäftsführung übernahm.

Unterdessen hatte aber seine Boberger Nachbarin Elke Thomas (CDU) gefragt, ob er die Partei im Jugendhilfeausschuss vertreten wolle. Und während das Neubaugebiet am Dorfanger immer jugendlicher wurde, setzte sich Schumacher dafür ein, dass die Skateanlage ertüchtigt und der Bolzplatz renoviert wurden. Dann kam das Jugendhaus Clippo hinzu.

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Im Rückblick auf 44 Jahre Jugendarbeit resümiert der 75-Jährige: „Heute sind wir im Bezirk wirklich nicht schlecht aufgestellt.“ Und doch formuliert er zwei große Wünsche: „Mit dem Nachmittagsunterricht der Schulen müssten die Öffnungszeiten in den offenen Jugendclubs nach hinten verschoben werden. Und man müsste sich weniger um Kinder, sondern bitte stärker auf die Jugendlichen konzentrieren.“