Bergedorf

Sonderzug „Schrubbi“ sorgt mit Hochdruck für Pünktlichkeit

„Schrubbi“ hat Hochsaison gegen Schmierlaub, ist täglich bis zu neun Stunden im Einsatz.

„Schrubbi“ hat Hochsaison gegen Schmierlaub, ist täglich bis zu neun Stunden im Einsatz.

Foto: S-Bahn HH

Gegen nasses Laub auf den Gleisen: Die S-Bahn Hamburg setzt das Fahrzeug zur Schienenreinigung jetzt täglich ein.

Bergedorf. Ohne den fleißigen „Schrubbi“ würde in diesen Herbsttagen kaum noch etwas laufen auf einigen Strecken der Hamburger S-Bahn. „Schrubbi“ verdankt seinen liebevollen Namen den Lokführern, die das postgelbe Schienenfahrzeug jetzt täglich in aller Herrgottsfrühe auf den Gleisen bewegen.

Was nach einer alten Dampflok klingt, ist in Wirklichkeit der umgebaute Mittelwagen eines Zuges, der die Schienen im Netz der S-Bahn Hamburg von schmierigen Laubresten befreit. Denn die stören immens beim Beschleunigen und auch beim Bremsen und verursachen Verspätungen. „Schrubbi“ ist ein Hochdruckreiniger.

Zwei Pumpen drücken mit etwa 500 bar das Wasser auf die Gleise und machen diese blitzeblank. Mit etwa 100 Tonnen Wasser dreht er täglich seine Runde und hat seine Einsatzschwerpunkte natürlich dort, wo am meisten Laub auf den Schienen liegt: zwischen Bergedorf und Aumühle, zwischen Blankenese und Wedel sowie zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel.

Wann Sonderzug „Schrubbi“ im Einsatz ist

Damit er den regulären Fahrplan nicht behindert, müssen die Lokführer Tag für Tag um 3 Uhr morgens mit dem Sonderzug auf Tour gehen. Er reinigt die Schienen, bis die erste fahrplanmäßige S-Bahn ihren Betrieb aufnimmt. Danach fährt „Schrubbi“ immer zwischen den Linien.

In den Herbstmonaten wird das Fahrzeug in eine reguläre S-Bahn eingebaut und ist auch tagsüber im Streckennetz unterwegs. Dabei fährt es rund sechs Stunden am Tag. Er kann aber in der „Hochsaison“ im November, wenn die meisten Blätter auf den Schienen liegen, auch bis zu neun Stunden im Einsatz sein.

S-Bahn Hamburg: zu 93,9 Prozent pünktlich

Dabei ist das frische Laub auf den Gleisen nicht das eigentliche Problem. „Erst wenn die Züge mit ihrem Gewicht über die Blätter fahren, werden sie zerquetscht“, erklärt ein S-Bahn-Sprecher. „Vermischt mit Wasser, Staub, Bremsbelägen und anderen Stoffen aus der Umwelt, entsteht ein Schmierfilm auf den Schienen.“ Dieser sorgt für das lästige Durchdrehen der Räder beim Anfahren und Bremsen. Und besonders das Bremsen auf diesem Schmierfilm macht den Rädern zu schaffen, weil sie dabei unrund werden.

Das merken früher oder später auch die Fahrgäste, weil der Zug klopft und ruckelt, insbesondere beim Anfahren. Der verminderte Haftwert ist nach Auskunft der S-Bahn zwar nicht gefährlich, stört aber den Betrieb. Die Züge beschleunigen langsamer, und Bremsvorgänge werden länger, was sie nochmals unpünktlich macht. Daher werden Räder mit einer Unwucht schnellstens nachgeschliffen oder ausgetauscht.

Die aktuelle Pünktlichkeit von Hamburgs S-Bahnen liegt nach Angaben des Sprechers bei 93,9 Prozent. Die restlichen 6,1 Prozent der Züge haben mehr als eine Minute Verspätung oder fallen komplett aus, wobei die Ausfallquote 1,7 Prozent betrage. „Mit diesen Werten können wir noch nicht zufrieden sein, aber es ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum letzten Jahr.“ Das gelte gerade auch für die in der Vergangenheit gebeutelte Strecke Aumühle - Hauptbahnhof.