Neuallermöhe

„Sea Dump“ holt den Schlamm aus dem Annenfleet

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Jan Schubert
Rostbraun und mit seiner mächtigen Baggerschaufel samt riesigen Schwimmtonnen ziemlich unheimlich: Der „Sea Dump“ schwebt von der Brücke des Fanny-Lewald-Rings ins Wasser des Annenfleets, seinem Arbeitsplatz für die kommenden drei Monate. Das Motorboot „Fiete“ wird ihn manövrieren.

Rostbraun und mit seiner mächtigen Baggerschaufel samt riesigen Schwimmtonnen ziemlich unheimlich: Der „Sea Dump“ schwebt von der Brücke des Fanny-Lewald-Rings ins Wasser des Annenfleets, seinem Arbeitsplatz für die kommenden drei Monate. Das Motorboot „Fiete“ wird ihn manövrieren.

Foto: Ulf-Peter Busse

Die Wasserstraßen in Neuallermöhe brauchen stetige Pflege. Die Schlickschicht ist bis zu 1,40 Meter stark und raubt viel Sauerstoff.

Hamburg. Sein Spezialgebiet sind flache Gewässer, er lässt sich präzise über GPS auch an engen Stellen steuern – und seit Mitte dieser Woche baggert sich der „Sea Dump“, eine baggerartige Fusion aus Schaufeln und großen schwimmenden Fässern, im Annenfleet voran. Dort buddelt das 8,5 Tonnen schwere Gerät in den nächsten drei Monaten Unmengen Schlamm vom Grund des Fleets.

Insgesamt etwa 3600 Kubikmeter Schlamm sollen nach Angaben von Knut Harald Larsen auf 1200 Metern, die sich der Annenfleet vom Fanny-Lewald-Ring bis zum Rahel-Varnhagen-Weg durch Neuallermöhe zieht, aus dem Wasser geholt werden. „Damit wollen wir das ursprüngliche Gewässerprofil wieder herstellen“, erklärt Larsen, der im Management des Öffentlichen Raums des Bezirksamts die Abteilung Neubau und Planung leitet.

Schlamm in den Fleeten durch Laub

Natürlich kennt er auch die Gründe für die Verschlammung: „Das kommt hauptsächlich vom Laub der Bäume am Wasser, das in die Fleete fällt, sich zersetzt und schließlich auf den Grund sinkt.“ Weiteres „Schlammmaterial“ entstehe marginal durch Straßenabrieb oder Hinterlassenschaften von Fischen und Vögeln.

Apropos Meeresbewohner: Großmuscheln wurden wegen der Baggerarbeiten bereits umgesiedelt und auch die Fische vergrämt, also per Elektroschock an die Oberfläche geholt, eingesammelt und anderswo im Fleetsystem wieder ausgesetzt.

Entschlammung sorgt für ausreichenden Sauerstoffgehalt

Ausgesucht werden für die regelmäßigen Entschlammungen im speziellen Fleetbereiche, wo Wassersportler aktiv sind, mit dem Kanu durchs Wasser gleiten wollen. Noch wichtiger ist der ausreichende Sauerstoffgehalt im Wasser, damit Fische und andere Meeresbewohner dort leben können. „Das Wasser darf nicht umkippen und muss tief genug sein. Deshalb ist immer wieder eine Entschlammung nötig“, so Knut Larsen. Bis zu 1,40 Meter stark ist die Schicht am Grund des nur rund 1,50 Meter tiefen Annenfleets bereits. Der Einsatz des „Sea Dump“ ist also dringend nötig.

Wie in jedem Jahr, hat das vom Motorboot „Fiete“ manövrierte Ungetüm der Firma Weseloh aus Harburg nun drei Monate Zeit für seine Arbeit. Ende Februar muss aus Naturschutzgründen Schluss sein. Dann gehört auch der Annenfleet wieder den Fischen, Amphibien und sonstigen Bewohnern. Hintergrund: Dann beginnt deren Fortpflanzungszeit.

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Schlamm wird in Spezialdeponien gebracht

Seit 16. November bereits ist die zur Arbeit des „Sea Dump“ gehörende Baustelle auf der Brücke Fanny-Lewald-Ring in Höhe der Hausnummer 25 eingerichtet, die ab sofort nun auch sichtbar bespielt wird. Auf der Brücke steht neben zwei Containern ein Bagger, der mit langem Arm etwa sieben Meter hinunter greift und ein großes Loch, das sogenannte Schlammdepot, aushebt.

Dort legt regelmäßig der „Sea Dump“ an, um den Schlamm abzuladen, den seine mächtige Schaufel vom Grund des Fleets geholt hat. Der Bagger befördert diese Fracht dann in die zwei Container auf dem Fanny-Lewald-Ring. Täglich bis zu vier Lkw fahren den Schlamm mit hohem organischen Anteil in Spezialdeponien, wo er als ökologisch unbedenkliches Füllmaterial eingelagert wird. Knut Larsen: „Wir werden die Baustelle bis zum Ende dieses Jahres hier am Fanny-Lewald-Ring behalten.“ Rund um die jetzige Einsatzstelle fallen so lange etwa 15 Parkplätze weg. Im neuen Jahr wechselt das Schlammdepot dann voraussichtlich an eine andere Stelle am Annenfleet.

Neuallermöher Fleetsystem wurde in den 1980er-Jahren angelegt

Zuletzt wurden in Fährbuernfleet und Landscheidefleet im Winter 2018/19 auf einer Länge von 1400 Metern 4400 Kubikmeter Sediment aus dem Wasser geholt. Das Neuallermöher Fleetsystem wurde in den 1980er-Jahren angelegt, um das damals gebaute Quartier oberflächlich über Gräben zu entwässern und Pufferräume für überschüssiges Wasser zu schaffen.

Gleichzeitig wurden diese Gewässer zur Visitenkarte des Quartiers, an dessen 18 Fleetkilometern sich viele Grünanlagen und Wanderwege entlang ziehen. Ein vergleichbares System soll es auch im Zukunftsstadtteil Oberbillwerder geben.

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