Bergedorf

Iftikar Malik – so überschattet der Hass seinen Wahlkampf

SPD-Politiker Iftikar Malik

SPD-Politiker Iftikar Malik

Foto: Anne K. Strickstrock

Deutschland soll von Deutschen vertreten werden – solche und ähnliche Kommentare bekommt der SPD-Politiker via Facebook und Co.

Hamburg. „Ich bin Iftikar Malik, bin 29 Jahre alt, Jurist, Mediator und Bildungsreferent.“ So stellt er sich im Wahlkampfvideo vor, das allein auf Facebook bereits 23.000 Aufrufe zählt. Viele Menschen wollen den jungen Mann aus Bergedorf-West offenbar kennenlernen. Dabei muss Malik, der auf Platz 58 für die SPD kandidiert und in die Bürgerschaft gewählt werden will, mit reichlich Gegenwind kämpfen: Die Hasskommentare im Netz sind verletzend und fremdenfeindlich.

„Hau ab nach Hause“

Einige Beispiele lesen sich so: „Was will der denn, unglaublich, Deutschland soll von Deutschen vertreten werden, kein anderer“, schreibt eine „Astrid Martens“. „Du suchst eine Stadt nach Deinen Wünschen? Dann pack doch die Koffer und ab wieder nach Hause!“, meint jemand, der sich „Michael Praman“ nennt. Eine Person namens „Ursula Baumann“ schreibt in schiefem Deutsch: „Ich finde es nicht richtig, Personen die nicht Deutschstämmig sind in unserer Politik mitmischen.“

„Unsere Demokratie muss man jeden Tag verteidigen“

Dieser Hass sei plötzlich so nahbar und real, meint der 29-Jährige, der auch von Muslimen angegriffen wird, die ihm „bei Allah schwören, dass du in der Hölle verweilst“. Andere schreiben, wählen zu gehen sei Muslimen nicht erlaubt. Malik schüttelt den Kopf: „Unsere Demokratie muss man jeden Tag verteidigen.“

Geboren in Deutschland

Er kam in Deutschland zur Welt, wuchs in Geesthacht auf und will die Gesellschaft politisch verändern: „Als Kind von ehemaligen Flüchtlingen gehöre ich einer Generation an, die jetzt einen Fuß in einer Tür hat, die bislang verschlossen war. Ich möchte diese Perspektive sichtbar machen und bitte um Unterstützung, um junge Menschen ins Parlament zu bekommen.“

Sozial engagierter Politiker

Der „Kampf gegen Rechts“, die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum und Bildungsgerechtigkeit sind seine Ziele: „Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das Kind eines Maurers aus einer Hochhaussiedlung die selben Aufstiegschancen und Karrieremöglichkeiten bekommt wie das Kind einer Professorin aus Villenvierteln.“ Das sagt er auch in Bergedorf-West, wo er kommissarischer Vorsitzender des SPD-Distrikts ist, wo er als Straßensozialarbeiter („Kiezläufer“) unterwegs war. Wo er Freunde hat, die ihm dazu raten, den „substanzlosen, geistigen Müll der Hasskommentare zu veröffentlichen“.

Dass seine Eltern einst aus Pakistan geflohen sind, heute als Lackierer und Hausfrau arbeiten, spiele da keine Rolle. Dass er muslimischen Glaubens ist und einen schwarzen Vollbart trägt, auch nicht.

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„Wir brauchen mehr Zivilcourage“

Auf keinen Fall sehe er sich in der Opferrolle: „Ich bin ein selbstbewusster Staatsbürger“, sagt Malik, der in Berufsschulen über interkulturelle Sensibilität spricht, Schülern und Lehrern zeigt, dass Konflikte auch konstruktiv ausgetragen werden können. Und zwar überall – ob bei der muslimischen Jugendarbeit oder im Stadtteilbeirat Bergedorf-West: „Wir brauchen mehr Zivilcourage“, sagt Malik.

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