Die Stadtteilserie

Bergedorf

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Jochen Gipp

Hier steht Hamburgs einziges Schloss und setzten kluge Köpfe weltpolitische Akzente.

Eines haben Bergedorf und der Sonnenaufgang gemeinsam: Sie sind für die meisten Hamburger im Osten zu finden. Bergedorf ist das Ortszentrum und die historische Keimzelle des gleichnamigen Bezirks. Und mit Bergedorf hat Hamburg eine Stadt in der Stadt. Rathaus, Bahnhof, Schloss, Kirche, Hafen, Amtsgericht, Gefängnis, Schwimmbad, Minigolf, Bootsvermietung, Windmühle, Theater, Wasserturm, Krankenhaus, Sternwarte und die bunte Vielfalt von Läden und Gastronomie liegen nah beieinander.

+++ Kurz & knapp +++

+++ Zahlen & Fakten +++

+++ Bekannte Söhne +++

+++Name & Geschichte +++

"Wir gehen in die Stadt", sagen Bewohner des Bezirks Bergedorf, wenn sie zwischen Bahnhof und Mohnhof zum Einkaufen durch die Geschäfte bummeln wollen. "Wir fahren nach Hamburg", heißt es hingegen, wenn es zum Einkaufen in Richtung Mönckebergstraße geht. Der feine Unterschied lässt den geheimen Wunsch der Bewohner nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit erkennen. Altbundeskanzler Helmut Schmidt, früher wegen seines Bundestagswahlkreises auch als Schmidt-Bergedorf bezeichnet, sieht Bergedorfer als heimatverbunden, traditionsbewusst und auch etwas schrullig an.

Ein besonders auffälliges Verhalten ist das völlig unorganisierte Zusammentreffen von Jung und Alt jeden Heiligabend kurz vor Geschäftsschluss, von 12 bis 14 Uhr, auf dem Bergedorfer Markt. Glühwein wird getrunken und viel erzählt. Die Zahl der Besucher und der Begegnungen wächst kontinuierlich von Jahr zu Jahr.

Bier für China und Afrika

Der Stadtteil Bergedorf hat sich mit seinem Namen auf vielerlei Art weltweit bekannt gemacht. Sei es durch eigene Briefmarken, die von 1861 bis 1867 auf Postsendungen geklebt wurden und inzwischen hohen Sammlerwert haben, oder auch durch das "Bergedorf Beer" das noch heute als Exportbier zumeist in China und Afrika verkauft wird, oder auch durch den vom Unternehmer Kurt A. Körber (1909-1992) vor 51 Jahren gegründeten "Bergedorfer Gesprächskreis". Vorsitzender ist Altbundespräsident Richard von Weizsäcker. Anlässlich der hochkarätig besetzten politischen Diskussionsrunden gab es schon Zusammenkünfte unter anderem in Peking und in Kairo.

Spezialitäten aus erster Hand

Bergedorfer Eierlikör aus der Weinkellerei von Have, Bergedorfer Marzipan aus der Konditorei Erdmann (Dat Backhus), Bergedorfer Schlosskugeln aus der Kaffeerösterei Timm oder auch Bergedorfer Pralinen aus der kleinen Schokoladenmanufaktur von Jutta Kaulitz haben ihre Anhänger weit über die Stadtgrenzen hinaus. Der Einzelhandel an den Hauptstraßen der Bergedorfer Innenstadt, an Sachsentor und Alter Holstenstraße, besteht neben den üblichen Filialisten auch noch aus zahlreichen inhabergeführten Geschäften - neben der Weinkellerei, der Kaffeerösterei und der Pralinenmanufaktur sind im Stadtzentrum auch die Modegeschäfte Schramm und Willhöft, das Schuhgeschäft Schüttfort, das Schreibwarengeschäft Papyrus, das Hi-Fi-Studio, der Tea & British Shopping Room oder auch die Juweliere Schramm und Moriz zu finden. Eine Nummer größer ist die Firma Optiker Bode. Sie expandierte von ihrem Hauptsitz Bergedorf und zählt in Deutschland gut 70 Filialen.

Bergedorf ist schon seit frühen Zeiten Ausflugsziel vieler Hamburger. Der ursprüngliche Verbindungsweg verlief über den Geesthang. Heute rollt auf selber Strecke der Verkehr vierspurig über die Bundesstraße 5. Die Marschenautobahn A 25 schafft seit Anfang der 1980er-Jahre eine weitere Straßenverbindung. Als erste Eisenbahnen in Norddeutschland dampften von 1842 an die Lokomotiven "Hansa" und "Berlin" in 25 Minuten zwischen Hamburg-Deichtorplatz und Bergedorf. Der alte Bahnhof kann am Neuen Weg 54 immer noch bewundert werden.

Per Schiff zum Jungfernstieg

Die heutige S-Bahn-Linie S 2/21 hält im neu ausgebauten Bahnhof, zu dem jetzt auch ein ZOB gehört und ebenso ein bewachtes Fahrrad-Parkhaus mit mehr als 600 Stellplätzen. Die gediegenste Art, von Hamburg nach Bergedorf zu kommen, ist von April bis Oktober, mittwochs bis sonntags, die dreistündige Fahrt per Alsterschiff ab Jungfernstieg zum Bergedorfer Hafen. Der Hafen heißt Serrahn, eine frühere Bezeichnung für Wasserstau und Aalfang. Die Bille war bereits 1208 für den Betrieb der Kornwassermühle gestaut worden. Durch den Stau entstand der Mühlenteich - auch Schlossteich genannt. Wer durch die Alte Holstenstraße und das Sachsentor geht, kommt am Geburtshaus von Johann Adolf Hasse (1699-1783) vorbei, der zu seiner Zeit ein gefeierter Opernkomponist war und dessen Andenken von der Bergedorfer Hasse-Gesellschaft gepflegt wird. Gleich neben Hasses Geburtshaus zieht die um 1500 gebaute St.-Petri-und-Pauli-Kirche die Blicke auf sich. Kaum 100 Meter weiter steht das vor 800 Jahren ursprünglich als Wasserburg angelegte Bergedorfer Schloss - Hamburgs einziges. In ihm sind das Heimatmuseum, das Standesamt und das Café la note zu finden. Aus der Zeit um 1550 stammt Hamburgs ältestes Gasthaus Stadt Hamburg am Eck von Sachsentor und Vierlandenstraße. Ein schmuckes Bauwerk. Anfang der 1970er-Jahre richtete Eugen Block darin eines seiner ersten und erfolgreichsten Steakhäuser ein. In knapp zwei Kilometer Entfernung befindet sich die seit 1912 bestehende Sternwarte auf dem Gojenberg. Der Optiker Bernhard Schmidt (1879-1935) konstruierte hier Teleskope, deren Fotoaufnahmen viel beachtete Erkenntnisse in die Astrophysik brachten.

Die Landschaft ist von abfließendem Schmelzwasser der letzten Eiszeiten geformt. Es entstanden das Billtal und das Elbtal. Menschen siedelten sich zuerst in höheren Lagen, am Geesthang, an und nutzten flache Stellen, Furten, um das Wasser zu überqueren. Erstmals urkundlich erwähnt wurde "Bergerdorp" 1162. Am Anfang seiner dokumentierten 850-jährigen Siedlungsgeschichte stand der Ort unter dänischer Herrschaft, hat seit 1275 Stadtrechte, wurde von 1420 bis 1867 gemeinsam von Hamburg und Lübeck verwaltet. Hamburg kaufte 1868 den Lübecker Anteil für 200 000 preußische Taler.

Heimatgeschichte im Netz

Seinen dörflichen Charakter verlor Bergedorf unter Dr. Ernst Mantius, der von 1882 bis 1897 Bürgermeister war und sich für den Bau des Villengebietes, eines Wasserwerks am Möörkenweg, eines Elektrizitätswerks, einer Kanalisation sowie der Gründung einer Müllabfuhr eingesetzt hatte.

+++ Der Stadtteil-Pate: Jochen Gipp +++

Mehr zur Geschichte ist im Internet nachzulesen. Gerd Hoffmann, Vorstandsmitglied im Bergedorfer Bürgerverein und im Grundeigentümerverband sowie Buchautor und ehrenamtlicher Stadtchronist, hat unter www.ber gedorf-chronik.de bereits einen Großteil aller heimatgeschichtlicher Arbeiten öffentlich zugänglich gemacht, deren Ursprungssammlung sein Großvater Ludwig Uphoff angelegt hatte. Die 1838 gegründete Bergedorfer Liedertafel ist Bergedorfs ältester Verein und einer der ersten Gesangvereine Deutschlands. Städtebaulich wird sich Bergedorf entlang des Schleusengrabens weiterentwickeln.

In der nächsten Folge: Bramfeld

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