Deichsicherheit

Deich im Landgebiet trotzt Orkantief und Sturmflut

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Die Deichschau-Kommission zieht über den Hauptdeich: Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschaffen sich einen Eindruck vom Zustand der Hochwasserschutzanlage.

Die Deichschau-Kommission zieht über den Hauptdeich: Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschaffen sich einen Eindruck vom Zustand der Hochwasserschutzanlage.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Der Hauptdeich im Landgebiet ist in gutem Zustand. Doch Tiere sorgen für Probleme. Zudem müssen vier Häuser abgerissen werden.

Hamburg. Als Orkantief „Zeynep“ Mitte Februar über Hamburg hinwegfegte, da sollten sich die Bewohner der Hansestadt Hamburg möglichst ein sicheres Plätzchen mit Dach über dem Kopf suchen. Die ehrenamtlichen Deichwarte um Deichvogt Peter Stoof zog es hingegen hinaus an die Elbe. Dort hatten sie ein wachsames Auge auf das aufgepeitschte Wasser und den Hauptdeich von Altengamme bis Tatenberg.

Orkan und Sturmflut konnten der gut 30 Kilometer langen Hochwasserschutzanlage der Vier- und Marschlande aber nichts anhaben: „Der Deich ist in einem guten Zustand“, bescheinigt Michael Schaper, Leiter des Fachbereichs Deichsicherheit im Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG).

Deichsicherheit in Gefahr? Es knackte und knarrte gewaltig

Für ihr ehrenamtliches Engagement hätten die 28 Wasser- und Bodenverbände, wozu auch der Deichverband Vier- und Marschlande zählt, mehr Beachtung und Dank verdient, ist Verbandsberater Klaus Thiesen überzeugt. Stattdessen blieben diese bei der Gedenkfeier zu 60 Jahren Sturmflut in Wilhelmsburg gänzlich unerwähnt, kritisierte Thiesen im Rahmen der Frühjahrsdeichschau. Eine Kommission mit etwa 60 Vertretern des Deichverbandes sowie weiterer Verbände, der Politik, Polizei, Feuerwehr und des Bezirksamtes zog dabei am Dienstagvormittag über den Deich - teils zu Fuß, teils im Reisebus.

Es knackte und knarrte gewaltig, erinnert sich Dieter Timmann, als Deichwart zuständig für Deichkilometer 10,4 bis 15,6, als er im Februar im Dunkeln auf dem Deich stand. Im Hellen waren die Folgen von „Zeynep“ dann besonders gut zu sehen: Zahlreiche Bäume hatte der Orkan im Deichvorland entwurzelt und wie Streichhölzer umgekippt, Äste abgebrochen sowie Treibsel angeschwemmt.

Giftlinsen, um Nagerbefall im Deich Herr zu werden

Etwa mit der doppelten Abfuhrmenge – und damit auch doppelten Kosten – rechnet Andreas Pohl von der Wasserwirtschaft im Bezirksamt. Vor allem in der Nähe der alten Badestelle am Zollenspieker liegen noch meterhohe entwurzelte Pappeln am Ufer. Während diese aus Naturschutzsicht dort verbleiben sollen, fürchten Deichschützer, dass sie bei einer nächsten Sturmflut aufschwimmen und den Deich beschädigen könnten. Der LSBG wolle sich nun aber dafür einsetzen, dass diese geborgen werden, kündigte Michael Schaper an.

Flinke Mäuse und buddelnde Hunde machen dem Deich zu schaffen

Die Deichwarte hatten für ihre Abschnitte vor allem die bekannten Probleme zu vermelden: Mäuse machen der Hochwasserschutzanlage insgesamt auf etwa 16 Kilometern zu schaffen, fasst Andreas Pohl zusammen. In den kommenden Wochen und Monaten sollen Giftlinsen gezielt in die Mäuselöcher eingebracht werden, um die Zahl der Nager zu dezimieren. Im Herbst könnten dann Löcher und Gänge mit Klei verfüllt werden. Besser als die Mäuse hat der Bezirk die Wildkräuter im Griff: Das Konzept mit gezielter Nachsaat von Gras, beständigem Mähen, Kalkung und Düngung funktioniere gut, resümiert Andreas Pohl. Allerdings bliebe abzuwarten, ob für die Düngung nach Abrechnung der Sturmflutfolgen noch finanzielle Mittel im Bezirk zur Verfügung stehen würden, so Pohl.

Im Bereich Kaltehofe machen Vierbeiner dem Deich zu schaffen, berichtet Michael Schaper. Hunde, auch gern mal in größeren Gruppen, würden dort ausgeführt, frei laufen gelassen und munter im Deich buddeln. Schon vor einiger Zeit wurden dort Schilder aufgestellt, um die Frau- und Herrchen auf die Leinenpflicht aufmerksam zu machen – die würden nun wieder vermehrt ignoriert, so Schaper.

Vier Häuser sollen zum Schutz des Deiches abgerissen werden

Insgesamt vier Häuser sollen in diesem Jahr am Hauptdeich abgerissen werden: die Häuser am Warwischer

Hauptdeich 90 und 92 sowie am Kraueler Hauptdeich 179 standen schon im vergangenen Jahr auf der Liste der Gebäude, die zum Schutz der Hochwasserschutzanlage abgebrochen werden sollen, da sie im Fuß des Deiches stehen. Am Kraueler Hauptdeich waren im vergangenen Jahr allerdings die Schwalben schneller als der Abrissbagger: Um die brütenden Vögel nicht zu stören, wurde das Haus noch stehen gelassen. Nun soll es in den nächsten Wochen aus dem Straßenbild verschwinden. Zudem soll der Abrissbagger gut 850 Meter weiter östlich Arbeit bekommen: Auch das Haus am Kraueler Hauptdeich 253 soll in diesem Jahr abgerissen werden. Danach soll der Deich nach den Vorgaben der Deichordnung wiederhergestellt werden.

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