Kultur-Tipps

Hamburgs kulturelle Höhepunkte zwischen den Jahren

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Ein echter Dauerbrenner: Victoria Fleer (links) und Anne Weber in der „Nachttankstelle“ am St. Pauli Theater.

Ein echter Dauerbrenner: Victoria Fleer (links) und Anne Weber in der „Nachttankstelle“ am St. Pauli Theater.

Foto: Oliver Fantitsch

Theater- und Kinoklassiker, dazu viel fröhlicher Gesang: Hamburgs beste Termine, für die es noch Karten gibt.

Das Jahr mit der „Fledermaus“ ausklingen lassen, sich bei der „Nachttankstelle“ im St. Pauli Theater eine ordentliche Portion gute Laune abholen, in Erinnerungen an Motörhead-Chef Lemmy Kilmister schwelgen oder im Kino ins Harry-Potter-Universum eintauchen: Hamburgs kulturelles Angebot zwischen den Jahren ist vielfältig.

„Nachttankstelle“: Kult-Revue auf St. Pauli

Als Franz Wittenbrink am St. Pauli Theater seinen Liederabend „Nachttankstelle“ herausbrachte, gab es ein paar Ecken weiter noch das Original: die in zahlreichen TV-Doku-Formaten verewigte „Kieztanke“ an der Taubenstraße. Längst ist sie abgerissen, aber ihr herrliches Denkmal auf der Bühne am Spielbudenplatz wird in schöner Regelmäßigkeit aufgebaut und gepflegt.

Wer das originelle Wittenbrink-Musical noch nicht gesehen hat, sollte es in jedem Fall nachholen, es ist lustig und schmissig und rührend. Viel mehr geht nicht.

„Nachttankstelle“ St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz, Karten zu 20,10 bis 49,- (Studenten, Schüler und Azubis zahlen nur die Hälfte) unter T. 4711 060 und www.st-pauli-theater.de

Weihnachtskonzert ohne Weihnachtslieder

Spätestens bis zum 24. Dezember kommen manchen die gängigen klassischen Saison-Schlager aus den Ohren. Das muss ja nicht sein, haben sich die Symphoniker Hamburg gedacht. Ihr Konzert am 25. Dezember trägt zwar den Titel „Weihnachtskonzert“, doch das ist nur kalendarisch gemeint.

Musikalisch kommt anderes aufs Programm: Unter der Alle-Jahre-wieder-Leitung von Konzertmeister Adrian Iliescu spielt das Orchester ein Concerto grosso von Vivaldi, Bachs d-Moll-Konzert für zwei Violinen und Streicher BWV 1043 und Haydns 104. Sinfonie „Salomon“, die trotz der Katalognummer keine Dutzendware ist, sondern zu seinen vielen besten zählt.

Weihnachtskonzert So 25.12., 18.00, Laeiszhalle (U Gänsemarkt), Johannes-Brahms-Platz, Karten ab 20,90; elbphilharmonie.de

Senioren singen Deichkind und Lindenberg

Heaven Can Wait (Der Himmel kann warten) – diesen Namen trägt der Hamburger Chor, der vom 25. bis 27. Dezember auf Kampnagel zu erleben ist, nicht ohne Grund. Die Mitglieder sind sämtlich mindestens 70 Jahre alt, aber noch weit vom Altenteil entfernt. Stattdessen singen sie voller Hingabe Songs von Deichkind, Sarah Connor, Udo Lindenberg und anderen. Gute Laune garantiert.

Das gilt natürlich auch für den Soweto Gospel Chor, der ab dem 28 Dezember (und dann täglich bis 8.1., außer am 2.1.) auf Kampnagel zu erleben ist. „Freedom“ heißt das diesjährige Programm, neben Klassikern wie „Amazing Grace“ und „Hallelujah“ stehen auch südafrikanische Hymnen auf dem Programm.

Heaven Can Wait 25. + 27.12., 19.30, 26.12., 16.00, Karten ab 37,90, Soweto Gospel Chor 28.12. bis 8.1. (außer 2.1.), 19.30 (1.1. + 7.1., 15.30), Karten ab 39,-; Kampnagel, Infos und Karten: kampnagel.de

Jede Menge Gründe für Hamlet am Thalia

Sein oder Nicht-Sein? Hingehen oder Nicht-Hingehen? Unbedingt hingehen, na klar! Für den „Hamlet“, der am 30. Dezember (18 Uhr) im Spielplan des Thalia-Theaters (Alstertor) steht, spricht gleich ein ganzer Schwung von guten Gründen. Zunächst das Stück, natürlich: „Hamlet“, ein Shakespeare-Klassiker.

Dann: die Besetzung, allen voran der irre Mirco Kreibich in der Titelrolle. Wie der sich mit Wucht und Körpereinsatz verausgabt! Und selbstverständlich: die Regisseurin – Jette Steckel ist es hier, deren Arbeiten man am Thalia ohnehin gesehen haben sollte, nicht erst seit sie als mögliche Intendantinnen-Kandidatin gehandelt wird.

Und nicht zuletzt: Steckels Leib- und Magen-Bühnenbildner, Florian Lösche, der dem Hamlet hier einen enormen Brummschädel in die ansonsten leeren Bühne gebaut hat.

„Hamlet“ 30.12., 18.00, Thalia Theater (S/U Jungfernstieg), Alstertor, Karten zu 11,- bis 55,- unter T. 328 14-444 und www.thalia-theater.de

Multimedia-Show im Planetarium

Jean-Michel Jarre ist ein Pionier der elektronischen Musik, dem das Kunststück gelang, weltweit auf die Spitzenplätze der Charts vorzustoßen. „Oxygène“ war 1976 ein Hit für den Franzosen, doch auch danach kam noch sehr viel Hörenswertes für Fans sphärischer Klangreisen. Das Planetarium lädt regelmäßig zu „Planet Jarre – The 360° Experience“ ein, am 26. Dezember ist die Show wieder zu erleben.

„Planet Jarre – The 360° Experience“ Mo 26.12., 19.00, Planetarium (Bus 179), Karten zu 14,- unter planetarium-hamburg.de

Marionettentheater im Jenischhaus

„Der gestiefelte Kater“ ist das Lieblingsmärchen für all die, die daran glauben, dass der Gerechtigkeit unbedingt genüge getan werden muss. Der Müllersohn, der beim Erben am wenigsten bedacht wird, nämlich mit dem Kater, und der dann durch diesen originell denkenden Täuscher am Ende gar auf dem Thron landet: Wer freute sich nicht für ihn?

Im Jenischhaus führen der Holzbildhauer Thomas Zürn und die Illustratorin Diana Skoda bis März noch ihr Marionettentheater auf. Zwischen den Jahren ist „Der gestiefelte Kater“ an der Reihe – als Unterhaltungsstück für Erwachsene und Kinder ab vier Jahre. Die Musik zum Stück komponierte Christine Brückner.

„Der gestiefelte Kater“ Mi 28.12., 14.30 und 16.30, Jenisch Haus (Bus 21), Baron-Voght-Str. 50. Tickets 18, erm. 12 Euro. Infos unter www.marionetten-spieler.de

„Die Fledermaus“ mit Tarrach in der Staatsoper

Strauß‘ Operetten-Klassiker „Die Fledermaus“ ist noch besser als ihr Ruf. Die Musik zählt zum Cleversten, das in diesem Genre zu haben ist, man kann sich also durchaus auf hohem Niveau über die Gesellschaftssatire und das launige Durcheinander amüsieren.

Die Staatsoper hat das Stück zwischen Weihnachten und Neujahr im Sortiment, als Einstimmung auf den Jahreswechsel. Die knallbunte Inszenierung stammt von Renaud Doucet und André Barbe, musikalische Leitung hat Jonathan Darlington, die Humor-Hauptrolle des Frosch übernimmt der Schauspieler Jürgen Tarrach.

„Die Fledermaus“ Mi 28.12., 19.00, Staatsoper (U Gänsemarkt), Große Theaterstraße 25, Karten ab 6; www.staatsoper-hamburg.de

Charlie Chaplins Alterswerk kommt ins Kino

Einer der schönsten Filme Charlie Chaplins ist sein Alterswerk „Rampenlicht“ (Limelight) aus dem Jahr 1952. Er erzählt darin vom alternden und erfolglosen Clown Calvero, der noch einmal ein Comeback versucht. Aber erst als er die junge Tänzerin Thereza (Claire Bloom) von ihren Selbstmordgedanken abbringt, gibt es wieder etwas Licht am Ende des Tunnels.

Chaplin wusste, wovon er sprach, wenn er den Absturz von Künstlern thematisierte, das hatte er oft genug aus nächster Nähe erlebt. Anrührend erzählt er hier seine Geschichte, die er inszenierte, schrieb und produzierte. Außerdem komponierte er auch noch die Filmmusik – und gewann dafür einen Oscar.

„Rampenlicht“ Mo 26.12., 17.00, Metropolis (U Gänsemarkt), Kleine Theaterstraße 10, Karten 9,-/6,-; www.metropoliskino.de

Gedenken an Lemmy Kilmister in der Markthalle

Sieben Jahre ist es am 28. Dezember her, dass der Tod von Lemmy Kilmister vermeldet wurde. Der legendäre Frontmann der Band Motörhead, der sich hauptsächlich von Jack Daniel’s/Cola und Zigarretten ernährte, bleibt unvergessen – und wird einmal im Jahr auch in Hamburg offiziell gefeiert.

Beim „Lemmyversary“ in der Markthalle spielt die Motörhead-Coverband Motörizer (benannt nach dem gleichnamigen Motörhead-Album) die tollsten Stücke von Lemmy & Co. Auf dem Programm steht die Setlist der „No Sleep til Hammersmith“-Show von 1981 mit Krachern wie „Ace Of Spades“, „Overkill“ und „Bomber“.

„Lemmyversary“ Mi 28.12., 19.00, Markthalle (U Steinstraße), Klosterwall 11, Karten zu 19,95 im Vorverkauf

Schanzenkino startet mit Harry Potter durch

Mehr Zauber geht nicht? Wohl kaum. Das SchanzenKino73 hat sich etwas auf die nachweihnachtliche magische Agenda geschrieben: Vom 25. bis zum 30. Dezember werden dort die „Zauberhaften Harry Potter Tage“ gefeiert. Das heißt: Teil eins bis sieben des Welterfolgs kommen noch einmal auf die große Leinwand.

Hinein kommt man ins Kino selbstverständlich nur vom berühmten Bahnsteig Neundreiviertel. Dort warten auf die Besucher eine Fotowand, um Fotos mit Du-weißt-schon-wem zu schießen, Muggel, die in dem Harry-Potter-Universum entsprechender Verkleidung auflaufen, erwartet eine Portion Gratis-Popcorn. Dank der Funkkopfhörer hat man außerdem die Wahl zwischen der Original- und der deutsch synchronisierten Fassung. Klingt nach wahrlich zauberhaften Filmtagen.

„Zauberhafte Harry Potter Tage“ 25.–30.12., SchanzenKino73 (U/S Sternschanze), Schulterblatt 72/73, Eintritt 11,-; www.schanzenkino73.de

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