Autonomes Fahren

Moia und Co.: Bald 10.000 fahrerlose Autos in Hamburg

| Lesedauer: 5 Minuten
Anjes Tjarks (r), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, mit Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN), stehen am Prototyp ID, ein autonom fahrendes Sammeltaxi.

Anjes Tjarks (r), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, mit Christian Senger, Bereichsleiter Autonomes Fahren bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN), stehen am Prototyp ID, ein autonom fahrendes Sammeltaxi.

Foto: Marcus Brandt/dpa

Bund und Senat vereinbaren: Hansestadt wird „Metropol-Modellregion Mobilität“. Dabei wurden zunächst drei konkrete erste Pläne benannt.

  • Bundesverkehrsminister lobt Hamburg als Vorreiter bei der Digitalisierung des Verkehrs
  • Bis 2030 sollen in Hamburg bis zu 10.000 autonome Fahrzeuge unterwegs sein
  • Erste autonome Fahrten in Winterhude und Uhlenhorst

Die Hansestadt Hamburg soll zur „Metropol-Modellregion Mobilität“ ausgebaut werden. Das haben die Bundesregierung und der Hamburger Senat vereinbart. Am Montag gaben Bundesverkehrsminister Volker Wissing und Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) die Initiative und damit verbundene Vorhaben bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt.

Dabei wurden zunächst drei konkrete erste Pläne benannt: Bis 2030 sollen in Hamburg bis zu 10.000 autonome Fahrzeuge (beispielsweise von Moia, Ioki oder einem anderen Anbieter) unterwegs sein und ein neues digitales On-Demand Verkehrsangebot schaffen, das auch für den ländlichen Raum übernommen werden kann.

Mit einem „ETCS- Standard für automatisiertes Fahren“ soll die Hamburger S-Bahn in Zukunft vollautonom unterwegs sein und einen dichteren Takt ermöglichen. Der Bund unterstützt zudem Hamburgs Bewerbung um die Ausrichtung des UTIP-Weltkongresses, einer der größten Messen für den ÖPNV, in den Jahren 2025 und 2027.

Moia und Co.: Neue Möglichkeiten durch Digitalisierung

Verkehrsminister Wissing und Senator Tjarks betonten, dass das autonome Fahren sicher sei – sicherer als wenn Fahrzeuge durch Menschen gesteuert würden. Denn die allermeisten Unfälle gebe es durch menschliche Fehler. Tjarks sagte, er sei sicher, dass die Hamburgerinnen und Hamburger das Vorhaben begrüßten.

Laut Wissing ist Deutschland das weltweit erste Land, das autonomes Fahren auf Stufe 4 offiziell genehmigt habe. Dies ist die zweithöchste der insgesamt fünf Stufen, die direkte Vorstufe zum vollständig autonomen Fahren, bei der das Fahrzeug den überwiegenden Teil seiner Fahrt selbständig navigiert. Was in Hamburg nun geplant sei, sei also eine Art "Weltpremiere", bestätigte Wissing.

Der Verkehrsminister lobte Hamburg als Vorreiter bei der Digitalisierung des Verkehrs. „Angesichts zunehmender Verkehre brauchen wir mehr denn je neue Technologien, um Mobilität klug zu lenken und die bestehende Infrastruktur effizient zu nutzen“, sagte Bundeverkehrsminister Wissing. „Digitalisierung ist der Schlüssel zu einer effizienten Mobilität für Menschen und Güter und bietet gleichzeitig Chancen, unsere Klimaziele zu erreichen. In Hamburg gibt es ein experimentierfreudiges Klima für neue Mobilitätsformen. Darauf wollen wir aufbauen und Lösungen für andere Regionen und Städte ableiten.“

Tjarks: Digitalisierung soll das Leben komfortabler machen

Die Digitalisierung des Verkehrs eröffne der Mobilität neue Dimensionen, so der Senat. So könne digitale Verkehrslenkung Staus verhindern, die fahrerlose Bahn Personalprobleme lösen oder der autonom fahrende LKW seine Fracht rund um die Uhr sicher transportieren. Um Innovationen im Verkehrsbereich zu fördern, hätten Wissing und Hamburgs Tjarks heute vereinbart, bei Mobilitätsprojekten künftig enger zu kooperieren. Dazu diene die Absichtserklärung „Metropol-Modellregion Mobilität“.

Und Verkehrssenatotr Tjarks ergänzte: „Wir setzen auf die Digitalisierung, um den Menschen der Stadt und der Metropolregion ein modernes, nachhaltiges und effizientes Mobilitätangebot zu machen. Mir ist dabei ganz wichtig: Die Digitalisierung soll das Leben und in diesem Fall die Mobilität der Menschen einfacher und komfortabler machen. Das wirkt sich dann ganz konkret in zukunftsorientierten Projekten aus wie dem des autonomen Fahrens, mit dem wir die Flotte an On-Demand Fahrzeugen deutlich erhöhen können und der digitalen Schiene S-Bahn – die es uns ermöglichen wird, auch mit der bestehenden Infrastruktur Taktfrequenz und Angebot in Hamburgs Schnellbahnnetz deutlich zu verbessern.“

Letztlich sei der Einsatz von autonom fahrenden Fahrzeugen Voraussetzung dafür, den Hamburgtakt wie angekündigt einzuführen. Danach sollen alle Hamburgerinnen und Hamburger tagsüber überall in Hamburg binnen fünf Minuten ein öffentliches Nahverkehrsangebot erreichen können.

Ziel der „Metropol-Modellregion Mobilität“ ist laut Hamburger Senat „die Entwicklung und der Aufbau eines vollständig neuen, digitalisierten und vernetzten urbanen Mobilitätssystems“. Die neue Modellregion stehe dabei nicht in Konkurrenz zu anderen Maßnahmen. Die Ergebnisse sollen auf andere Regionen übertragen werden können.

Erste autonome Fahrten in Winterhude und Uhlenhorst

Bereits 2021 hatte Moia zusammen mit VW einen Prototyp für das autonom fahrende Fahrzeug in Hamburg vorgestellt. Erste Erprobungsfahrten habe es bereits gegeben. Im Laufe des Jahres sollten die ersten, mittlerweile weiterentwickelten autonom fahrenden Fahrzeuge in Winterhunde und auf der Uhrenhorst erprobt werden.

Zunächst sollen die Fahrzeuge zur Kontrolle noch mit zwei Fahrern an Bord unterwegs sein und ausgewählte Gruppen transportieren, in der ersten Phase vor allem Moia-Mitarbeiter. Von 2025 an solle das autonome Fahren dann auf weite Teile der Stadt erweitert werden.

Verkehr Hamburg: Ergebnisse für alle Interessierten zugänglich

Um die Absprache zwischen Hamburg und dem Bund mit Leben zu füllen, werde „als nächster Schritt ein Projektkatalog initiiert und fortgeschrieben“, teilte der Senat mit. „Die Metropol-Modellregion etabliert einen Beirat, in den Vertreterinnen und Vertreter der Beteiligten berufen werden.“ Der jeweilige „Projektstand“ sei bei einem „Projektmanagement-Office“ in Hamburg zu erfahren. Die Ergebnisse des Projekts werden laut Senat auch interessierten Vertretern „des Bundes, der Bundesländer und Gebietskörperschaften, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern transparent zur Verfügung gestellt“. Auf diese Weise sollen alle interessierten Länder, Kommunen , Bürger oder Unternehmen von den Hamburger Erfahrungen profitieren können.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg