Neuer Rekord

Immer mehr Schüler – wie Hamburg ins neue Schuljahr startet

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Zum Beginn des Schuljahrs am Donnerstag haben die Schulen der Hansestadt den Rekord des vergangenen Jahres schon wieder übertroffen und einen neuen aufgestellt.

Zum Beginn des Schuljahrs am Donnerstag haben die Schulen der Hansestadt den Rekord des vergangenen Jahres schon wieder übertroffen und einen neuen aufgestellt.

Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius

260.130 Schülerinnen und Schüler besuchen nun 473 Schulen – 6060 mehr als im Vorjahr. Gute Nachricht für Erstklässler und ihre Eltern.

Hamburgs Schulsystem wächst und wächst und wächst: Zum Beginn des Schuljahrs am Donnerstag haben die Schulen der Hansestadt den Rekord des vergangenen Jahres schon wieder übertroffen und einen neuen aufgestellt: 260.130 Schülerinnen und Schüler besuchen nun eine der 473 Schulen in der Metropole – das sind 6060 mehr als im Vorjahr.

Am stärksten wächst die Zahl der jüngeren Schüler. Allein die ersten Klassen starten mit rund 800 Kindern mehr als im vergangenen Schuljahr. 16.839 Kinder werden in der kommenden Woche eingeschult. Die gute Nachricht für sie und ihre Eltern: Alle Einschulungsfeiern finden ohne coronabedingte Einschränkungen statt.

Ties Rabe: Schulqualität und kleine Klassen bleiben erhalten

„Trotz der erheblich steigenden Schülerzahlen wollen wir die Schulqualität und die kleinen Klassen erhalten“, sagte Schulsenator Ties Rabe am Mittag. „Deshalb investieren wir weiterhin mit großer Kraft in den Schulbau, um zusätzliche Schulgebäude zu bauen und Altbauten zu sanieren.“ Rabe hatte allerdings im Abendblatt-Interview vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass er in Sorge um das ambitionierte Neubauprogramm für die Schulen ist, weil Handwerker derzeit schwer zu finden sind. Eine Vergrößerung der Klassen schloss er aber aus.

Die Schulen starten im Hinblick auf die Corona-Pandemie ohne Einschränkungen. Testpflicht, Maskenpflicht, Betrieb der Luftfiltergeräte oder Einschränkungen bei Musik oder Sport bleiben aufgehoben, wie zuletzt vor den Sommerferien auch. Eine Maskenpflicht besteht also nicht mehr – wer, will, kann aber eine tragen. Das gilt für die Schulkinder ebenso wie für die Lehrer.

Corona-Selbsttests zum Schulstart für Reiserückkehrer

Mit Blick auf die vielen Reiserückkehrer können die Schulen am ersten Schultag allen Schülerinnen und Schülern und allen Schulbeschäftigten zu Unterrichtsbeginn einen Selbsttest aus dem Test-Kontingent der Schule anbieten. Die Teilnahme ist aber freiwillig. Regelmäßige weitere Schnelltestungen von Schülerinnen und Schülern wird es nicht mehr geben. Das schulische Personal kann sich weiterhin testen lassen, so Rabe. Auch gelüftet werden soll nach wie vor regelmäßig: Alle rund 20 Minuten muss jeder Unterrichtsraum mit Quer- oder Stoßlüftung fünf Minuten gelüftet werden.

Schulschließungen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie schloss Rabe erneut aus, auch mit Verweis auf die Corona-Expertenkommission der Bundesregierung. Grundsätzlich sollten sich die Corona-Regeln des Schulbetriebes künftig nicht mehr von den Regelungen vergleichbarer Bereiche des öffentlichen Lebens wie beispielsweise Kultur-, Event-, Bildungs- und Sportveranstaltungen unterscheiden.

Anstieg der Schülerzahlen vor allem in staatlichen Schulen

Der Anstieg der Schülerzahlen betrifft vor allem die staatlichen Schulen. 254.070 Jungen und Mädchen besuchen sie in diesem Jahr – 6260 mehr als zuvor. Der jahrelange Trend hin zur Privatschule ist gebrochen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den privaten allgemeinbildenden Schulen sinkt erneut. So besuchen jetzt nur noch 18.400 (-200) Schülerinnen und Schüler die privaten Schulen, das entspricht einem Anteil von 9,1 Prozent.

Die Zahl der Grundschülerinnen und Grundschüler steigt um 5,2 Prozent. Die Zahl der Vorschülerinnen und Vorschüler wächst in diesem Jahr sogar noch deutlicher von 9700 auf 10.300 (+ 6,2 Prozent). Die weiterführenden Schulen rechnen in diesem Schuljahr in den Klassenstufen 5 bis 10 mit einem Zuwachs von 2700 Schülerinnen und Schülern, das entspricht einem Plus von 3,1 Prozent in der Sekundarstufe I. Insgesamt lernen 57.800 Schülerinnen und Schüler (+1500) an den Stadtteilschulen und 55.200 (+1400) an den Gymnasien.

Das sind die kleinsten Schulen Hamburgs

Die kleinsten Schulen Hamburgs sind die Ganztagsschule an der Elbe mit 92 Schülerinnen und Schülern, die Grundschule am Park (93) und die Schule Mittlerer Landweg, auch wenn diese Schulen in diesem Jahr mehr Schulkinder aufgenommen haben als zuvor. Die größten Stadtteilschulen sind die Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg (1797 Schülerinnen und Schüler), die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg (1718) sowie die Goethe-Schule-Harburg und die Julius-Leber-Schule (jeweils 1661). Die Liste der größten Gymnasien führen das Gymnasium Ohmoor (1283), das Walddörfer Gymnasium (1268) und das Gymnasium Grootmoor (1212) an.

Einen Rekord gibt es auch beim pädagogischen Personal: Zum neuen Schuljahr wird die Zahl der Stellen für Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Schulen um 437 auf 15.083 Stellen erhöht. 5057 Stellen davon entfallen auf Grundschulen (+220), 779 Stellen auf Sonderschulen (-4), 5408 Stellen auf Stadtteilschulen (+174) und 3839 Stellen auf Gymnasien (+47). Darüber hinaus stehen den allgemeinbildenden Schulen 2113 Stellen (+105) für pädagogisches und therapeutisches Fachpersonal zur Verfügung. Somit gibt es insgesamt 542 zusätzliche pädagogische Stellen an den allgemeinbildenden staatlichen Schulen. Zusammen mit den 2459 Stellen an den berufsbildenden Schulen verfügen die staatlichen Schulen im kommenden Schuljahr über 19.655 pädagogische Stellen – ein neuer Höchststand, wie die Schulbehörde erklärte. Auch gibt es drei Millionen Euro zusätzlich für Vertretungskräfte, um allen Schulen einen guten Start in das neue Schuljahr zu ermöglichen, wie es heißt.

298 neue Referendarinnen und Referendare in Hamburg

Am 1. August hatte Rabe 398 neue Referendarinnen und Referendare im Rathaus begrüßt. Während bundesweit der Lehrermangel zum Teil dramatisch zunimmt, gibt es in Hamburg zurzeit noch knapp doppelt so viele Bewerberinnen und Bewerber (732) wie Ausbildungsplätze, teilte die Behörde mit. Gegenüber dem vorherigen Einstellungstermin im Februar 2021 ist die Zahl der Bewerbungen leicht angestiegen (+38). Insgesamt bildet Hamburg pro Jahr rund 810 neue Lehrkräfte aus. „Es ist schön, dass Hamburg weiterhin viele junge Nachwuchslehrkräfte anzieht“, sagte der Schulsenator. „Das stärkt unser Bildungssystem und gibt zugleich Rückenwind für Hamburgs Schulen.“

Die Bewerbungen verteilen sich sehr unterschiedlich auf die einzelnen Lehrämter. Am begehrtesten waren wie schon in den Vorjahren die Plätze für den Vorbereitungsdienst zum Lehramt an Gymnasien. Den insgesamt 165 Plätzen standen 356 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, die Einstellungsquote liegt bei 46,3 Prozent. Für die 88 Plätze für das Lehramt der Primar- und Sekundarstufe I gab es 141 Bewerbungen (Quote 62,1 Prozent), für die 43 Plätze für Berufsschullehrkräfte gab es 68 Bewerbungen (Quote 63,2 Prozent) und für die 62 Plätze für Sonderschullehrkräfte 86 Bewerbungen (Quote 72,1 Prozent). Für die 40 Plätze des neuen, erst zum vierten Mal ausgeschriebenen Lehramts an Grundschulen liegt die Einstellungsquote bei 49,4 Prozent (81 Bewerbungen).

Schulbehörde erwartet mehr ukrainische Schülerinnen und Schüler

Die Schulbehörde erwartet mehr ukrainische Schulkinder. Vor Beginn der Sommerferien hatten im vergangenen Schuljahr bereits 4226 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine einen Schulplatz an 293 Hamburger Schulen bekommen, weitere 500 haben sich in den vergangenen Tagen angemeldet und werden zurzeit den Schulen zugewiesen. „Hamburgs Schulen haben in kürzester Zeit tausende ukrainische Schülerinnen und Schüler aufgenommen und für sie rund 120 neue Schulklassen aufgebaut“, sagte Rabe, der sich „für das beispiellose Engagement“ bei den Schulgemeinschaften bedankte. „Auch in diesem Schuljahr ist für neue Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine – und für alle die länger bei uns in Hamburg bleiben ein Platz in einer Klasse sicher. Jede und jeder ist willkommen.“

Rabe verwies darauf, dass die CO2-Emissionen an Hamburger Schulen seit 2013 bereits deutlich gesunken sind – mit Ausnahme eines Anstieges 2021, als wegen Corona viele Luftfiltergeräte betrieben worden waren und häufig gelüftet wurde. Die Schulgebäude würden sukzessive mit Solardächern, Gründächern, mit Wärmepumpen und einer automatischen Steuerung der Heizungsanlagen ausgestattet, um den Verbrauch zu optimieren. Bis Ende 2022 werden bereits 101 Gründächer mit einer Fläche von rund 84.000 Quadratmetern auf den Schuldächern fertiggestellt, teilte die Behörde mit. Rund 20.000 Quadratmeter Solardachfläche wurde auf den Dächern der Hamburger Schulen installiert.

Zu möglichen weiteren Energiesparmaßnahmen an den 374 Hamburger staatlichen Schulen hieß es nur: Derzeit würden Möglichkeiten geprüft. Dabei geht es um die Frage der Raumtemperatur in Klassenräumen, Schulturnhallen und sonstigen schulischen Räumlichkeiten, sowie um die Frage, ob in den Nachtstunden beziehungsweise am Wochenende eine entsprechende Anpassung der Temperatur erfolgen kann. „Jetzt in der Gas-Krise überprüfen wir noch einmal mit allen Beteiligten, wo wir noch weiter optimieren können“, so Rabe. „Dabei achten wir jedoch auch immer darauf, den Unterricht nicht zu beeinträchtigen. Niemand soll mit Schneeanzug und Pudelmütze im Klassenraum lernen müssen.“

( inga )

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