Innenstadt Hamburg

Karstadt Sports: Kreative Pläne für das verwaiste Kaufhaus

| Lesedauer: 6 Minuten
Das Gebäude der ehemaligen Karstadt-Sports-Filiale an der Mönckebergstraße in der Hamburger Innenstadt (Archivbild).

Das Gebäude der ehemaligen Karstadt-Sports-Filiale an der Mönckebergstraße in der Hamburger Innenstadt (Archivbild).

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Hamburg Kreativ Gesellschaft übernimmt das Gebäude in der City. Bis Jahresende ist etwas Besonderes für die Räumlichkeiten geplant.

Hamburg. Von der Wand, an der früher die neusten Sneaker ausgestellt waren, blicken einen heute lustige Tierfiguren aus unterschiedlich gefärbten Stoffstreifen an. Und statt der vielen Ständer mit Laufbekleidung wird jetzt Kunst ausgestellt im ehemaligen Karstadt Sport Gebäude an der Mönckebergstraße.

An Stellwänden, auf Sockeln, hinter Glas und auf dem Boden zeigen Kreative des Künsterkollektivs Artstadt hier ihre unterschiedlichen Werke: Skulpturen, Gemälde, Foto- und Teppichkunst, digital und analog, realistisch und abstrakt, bunt, blinkend oder einfarbig – auf alle Fälle aber sehenswert. Und nicht nur eine Belebung des seit Oktober 2020 geschlossenen Gebäudes, sondern auch eine neue Attraktion am Ende von Hamburgs bekanntester, durch Corona, Baustellen und Onlinehandel gebeutelter Einkaufsstraße.

Innenstadt Hamburg: Neue Pläne für Karstadt-Sports-Gebäude

Bis Ende des Jahres übernimmt die Hamburg Kreativ Gesellschaft die Nutzung des verwaisten Kaufhauses, in das nach und nach weitere Kulturinstitutionen und Kreative einziehen werden. Auf rund 8000 Quadratmeter Fläche, die sich über sechs Geschosse verteilen, werden temporäre Ateliers, Ausstellungsflächen, Co-Working-Spaces und Produktionsorte angesiedelt. Damit ist das verwaiste Kaufhaus aut Finanzsenator Andreas Dressel, der das Projekt am Donnerstag mit Kultursenator Carsten Brosda und Katja Wolframm von der Hamburg Kreativ Gesellschaft vorstellte, der größte Standort kreativwirtschaftlicher Zwischennutzung in Deutschland.

Möglich gemacht wird das umfangreiche Projekt, das zu einer Belebung der Innenstadt beitragen soll, über das Programm Frei_Fläche der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Fonds für kreative Zwischennutzung. Diesen hat der Senat im Juni 2021 beschlossen und mit 9 Millionen Euro ausgestattet. Seit Programmstart im Juli 2021 sind rund 19.466 Quadratmeter an Kreativschaffende aus Hamburg vermietet worden.

Kreative Zwischennutzung soll Innenstadt beleben

Das jüngste Projekt funktioniert so, dass die Eigentümerin des Karstadt Sport Gebäudes, die R+V Lebensversicherung AG, auf eine Miete verzichtet, die Stadt aber alle laufenden Nebenkosten wie Strom, Heizung und Wasser zahlt. Den Kreativen werden die Flächen für 1,50 Euro pro Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Die Differenz dieser beiden Beträge wird durch das Förderprogramm finanziert. „Für das Projekt Frei_Fläche ist die Zwischennutzung des ehemaligen Karstadt Sport Gebäudes ein toller Erfolg. Zusammen mit unserem Neustartfonds, den wir gerade noch einmal um 500.000 Euro aufgestockt haben, unterstützen wir mit dem Programm gezielt die Innenstadt und die bezirklichen Zentren beim Wiederbeginn nach Corona“, so Finanzsenator Dressel.

Kreativwirtschaftliche Zwischennutzungen wie an der Mönckebergstraße sorgten bereits an zahlreichen anderen Orten in Hamburg für eine Belebung der Quartiere. Mittel für weitere Projekte seien vorhanden. „Wir hoffen sehr, dass sich Immobilieneigentümer von diesem Projekt inspirieren lassen. Öffentlicher Raum kann auch anders genutzt werden als erwerbswirtschaftlich.“

Carsten Brosda lobte die neuen Pläne

Auch Kultursenator Carsten Brosda war voll des Lobes. „Dass Besucherinnen und Besucher der City an einem der exponiertesten Orte der Innenstadt nun Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft aus Hamburg erleben können statt Leerstand, ist ein bemerkenswerter Erfolg des Programms Frei_Fläche.“

Und Katja Wolframm, Leiterin der Immobilienabteilung der Hamburg Kreativ Gesellschaft, ergänzte: „Ein großes Kaufhaus für die Kreativwirtschaft zu öffnen, war von Beginn an Idee und größte Herausforderung zugleich. Dass uns mit diesem Förderprogramm gelungen ist, was niemand und kein Konzept vorher vermochte, ist eine große Freude.“ Bislang sei in der Innenstadt wenig Kreativwirtschaft erlebbar. Jetzt könne an diesem zentralen Ort gezeigt werden, welche Potenziale die Branche habe.

Kreative aus der ganzen Welt

Den Anfang im Erdgeschoss macht ab sofort das Artstadt mit diversen Ausstellungen lokaler, internationaler und zeitgenössischer Kunst im Juni und Juli. „Wir freuen uns sehr, uns auf dieser Fläche präsentieren zu können“, sagen Gerland Øye und Markus Armbrecht, die die Ausstellung kuratiert haben und dafür Künstler aus aller Welt gewinnen konnten. „Hier sind Kreative aus Chile, dem Iran und Norwegen vertreten, aber auch aus dem Harz“, sagen die beiden Künstler, die Teppichkunst (Armbrecht) und mit buntem Puffreis verzierte Sexaccessoires (Øye) zeigen.

Stolz sind sie auf die Geschwindigkeit, mit der sie die Kaufhaus- in Ausstellungsflächen verwandelt habe. Nur sieben Tage brauchten sie für die Vorbereitungen, etwa den Aufbau der Stellwände. 8000 Euro haben sie dafür aus eigener Tasche investiert – und hoffen, dafür nachträglich Fördermittel beantragen zu können.

Innenstadt Hamburg: Gebäude wird aufgeteilt

Alle Informationen über die ersten Ausstellungen im Juni und Juli werden unter www.artstadt.com bekannt gegeben und aktualisiert. Im August feiert dann das Internationale Sommerfestival von Kampnagel drei Wochen lang die Eröffnung des Deutschen Museums für Schwarze Unterhaltung und Black Music. Wie es danach weitergeht, erfährt man unter kreativgesellschaft.org/moenckebergstrasse.

Vermietet wird das Gebäude in viertel, halben oder auch ganzen Geschossen. Zwei Geschosse (EG und 2. Obergeschoss) sind mit wechselnden Projekten wie Ausstellungen oder Festivals belegt, in den übrigen Etagen soll es Aktionen geben, die mehrheitlich über die gesamte Laufzeit geben. Im dritten Stock etwa sitzt die Initiative Zentrum für Zukunft, deren Mitglieder als eine der ersten generell eine Zwischennutzung für leerstehende Gebäude in Hamburg gefordert hatten. Sprecher Marco Hosemann: „Wir wünschen uns, dass neben der Kunst auch soziale Einrichtungen dauerhaft in das ehemalige Sportkaufhaus einziehen.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg