Kirche

Hamburgs einziges Nonnenkloster schließt – nach 23 Jahren

| Lesedauer: 6 Minuten
Der Abschied fällt ihr nicht leicht: Schwester Maria in der Kirche der Karmelzelle von der Menschwerdung auf Finkenwerder.

Der Abschied fällt ihr nicht leicht: Schwester Maria in der Kirche der Karmelzelle von der Menschwerdung auf Finkenwerder.

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Nur noch zwei Schwestern leben in der Karmelzelle von der Menschwerdung auf Finkenwerder. Das kann nun nicht fortbestehen.

Hamburg.  Hamburgs einziges Nonnenkloster wird geschlossen. Die beiden verbliebenen Schwestern Maria Burger und Miriam Sauter werden die Karmelzelle von der Menschwerdung auf Finkenwerder schweren Herzens aufgeben. „Trotz intensiver Bemühungen ist es leider nicht möglich gewesen, die Gemeinschaft personell auf die notwendige Grundlage zu stellen“, so die beiden Karmelitinnen.

So sehr die Schließung im ganzen Erzbistum bedauert wird – ganz überraschend kommt sie nicht. Schon vor zwei Jahren zogen dunkle Wolken über dem idyllischen Kloster auf, das auch Menschen außerhalb der Gemeinschaft für Gebete, Stille-Tagen und kontemplativer Einkehr offenstand. Zunächst starb Schwester Veronika (95) und gerade einmal sechs Wochen später auch die Mitbegründerin und langjährige Priorin Schwester Teresa (83).

Kirche Hamburg: Nonnen müssen Kloster aufgeben

Zudem stellte sich heraus, dass Schwester Katharina (55) krankheitsbedingt nicht länger im Kloster leben konnte. Eine weitere Nonne hatte es bereits vor mehreren Jahren verlassen. „Kirchenrechtlich müssten wir aber sechs Schwestern sein“, so Schwester Maria (56), die seit acht Jahren im Kloster und seit 2017 dessen Vorsteherin ist. „Daher bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als unser geliebtes Kloster hier auf Finkenwerder aufzugeben.“

Die Einrichtung am Norderkirchenweg, in der zunächst drei Schwestern lebten, war am 1. Advent 1999 vom Kloster im hessischen Hainburg aus gegründet worden. Als dieses im Jahr 2014 geschlossen wurde, wurde Finkenwerder ein selbstständiger Karmel. „Über uns steht damit also eigentlich nur noch Rom“, formuliert es Maria. Die Autonomie bedeutet aber auch, eigenständig für den Betrieb und das Fortbestehen des Klosters zu sorgen: für die Finanzen, die auch eine Altersvorsorge der Schwestern sowie mögliche Pflegekosten im Krankheitsfall umfassen, für die Steuererklärung, das Archiv und so weiter. Gleichzeitig fielen während der Corona-Pandemie die Einnahmen durch Besucher und Tagungsgruppen weg. „Es war zuletzt eine Herausforderung“, so Schwester Maria. Und so mischt sich vielleicht auch ein Fünkchen Erleichterung in die Trauer. Aber diese überwiegt.

Nonnen werden sich einem anderen Kloster anschließen

Was mit der Anlage geschieht, die aus einer Kirche, einem Gemeinde- und einem Gästehaus sowie dem früheren Pfarrhaus besteht, in dem die verbliebenen Nonnen wohnen, ist noch offen. Aus dem Erzbistum heißt es, man sei mit einer geistlichen Gemeinschaft wegen der Übernahme im Gespräch. Die Nonnen dagegen werden sich einem anderen Kloster anschließen. Es sei nicht üblich, sich zur Ruhe zu setzen, zumal man sich dem Orden gerade wegen der Nachwuchssorgen auch verpflichtet fühle, sagen sie.

Für die aus einem Dorf in Baden-Württemberg stammende Schwester Miriam (59) steht bereits fest, dass sie in den Karmel Kirchzarten (in der Nähe von Freiburg im Breisgau) wechselt. Schwester Maria möchte ihre nächste Oberin um ein Sabbatjahr bitten: „Ich brauche eine Auszeit, auch für die Trauerarbeit.“ Sie und Schwester Katharina haben bereits ein Kloster gefunden, das bereit ist, sie anzugliedern. Alle zuständigen Stellen haben zugestimmt – nur Rom muss noch seinen Segen geben.

„Wir sind hier verwurzelt"

Der Entschluss, Finkenwerder zu verlassen, sei ihnen sehr schwergefallen, betonen die Schwestern. „Wir sind hier verwurzelt und empfinden uns als selbstverständlich angenommen und zugehörig – in der katholischen Gemeinde hier vor Ort, deren Teil wir sind, aber auch auf Finkenwerder insgesamt mit seinen Vereinen und dem Kulturkreis, in der Ökumene und im Miteinander der verschiedenen geistlichen Gemeinschaften.“ Die großzügige Unterstützung seitens der Pfarrei und insbesondere des Erzbistums seien Zeichen großer Wertschätzung. Hinzu kämen die Internationalität und Offenheit der katholischen Kirche in Hamburg, die sie sehr schätzen. „Zudem gehen wir im Bewusstsein, dass wir eine Lücke hinterlassen. Denn immer wieder erhalten wir Rückmeldungen von Menschen, denen unsere Präsenz hier fehlen wird.“

Auf der Website der Karmelzelle drücken viele Anhänger des Klosters ihr Bedauern aus. „Ich werde nicht müde werden, sehr dankbar zu sein für alles, was ich von Ihnen gelernt habe – und da ist Gottvertrauen einer der vielen Schätze, die in mein Herz gefallen sind“, schreibt jemand. Oder „Auch ich werde Sie sehr vermissen, Sie und den guten Geist, den Sie hier immer wieder sichtbar werden ließen mit Ihrer Präsenz. Es ist dieses schlichte, einfache, demütige, was mir immer so gutgetan hat. Ohne Prunk, ohne große Auftritte, die mich in der katholischen Kirche oft zurückschrecken lassen.“

Nonnenkloster in Hamburg schließt: Erzbischof Heße betroffen

Auch Erzbischof Stefan Heße zeigt sich von der bevorstehenden Aufgabe des Klosters betroffen. „Wir verlieren ein wichtiges geistliches Zentrum im Erzbistum und vor allem in der Stadt Hamburg. Viele Jahre lang war der Karmel ein gastfreundlicher Ort für Menschen, die Ruhe und Orientierung suchen. Für nicht wenige ist er eine geistliche Heimat geworden. Dieser Ort wird uns fehlen. Ich danke den Schwestern sehr für ihr Gebet und ihre Begleitung so vieler Menschen.“

Mit einem von Heße geleiteten Vespergottesdienst werden sich die Karmelitinnen aus Finkenwerder am Sonnabend, 11. Juni, um 17 Uhr verabschieden. Es gibt bereits 160 Anmeldungen. Die Kirche hat nur 200 Plätze. Die beiden Nonnen befürchten, dass das Gotteshaus aus allen Nähten platzen wird. Aber die rege Anteilnahme sei auch ein Trost in all der Trauer.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg