Bäderland Hamburg

Warum die Freibäder in der Hansestadt erst später öffnen

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Der Sprung ins kalte Wasser, wie hier im Kaifu, muss warten – noch ist das Wasser zu kalt.

Der Sprung ins kalte Wasser, wie hier im Kaifu, muss warten – noch ist das Wasser zu kalt.

Foto: Marcelo Hernandez

Zum 1. Mai wird es nichts: Wann die Saison startet, entscheidet die „Wetter-Task-Force“. Besucher können sich auf Änderung freuen.

Hamburg. Altes Wasser ablassen, Becken reinigen, neues Wasser einfüllen, Rasen mähen, Bänke streichen, Sprungbretter montieren – Hamburgs Freibäder sind startklar, um am 1. Mai in die neue Saison zu starten. Theoretisch. Praktisch ist es derzeit noch viel zu kalt. „Wir brauchen eine verlässliche Tageshöchsttemperatur von über 20 Grad und nachts zumindest zweistellige Werte“, sagt Bäderland-Sprecher Michael Dietel. „Das wird in der kommenden Woche noch nichts.“

Das frische Wasser in den Becken der acht Sommerfreibäder kommt mit gerade einmal zwölf Grad aus der Leitung und müsse durch die Sonne und die Umgebungstemperatur erst einmal erwärmt werden. „Unter 18 Grad ist das Baden nicht gesund, die Schwimmer können Krämpfe bekommen und sich verkühlen“, sagt Dietel. Da habe man eine Fürsorgepflicht für die Gäste – und natürlich auch für die Mitarbeiter. Solange es nachts nicht wärmer ist – für kommende Woche sind Werte zwischen vier und sechs Grad vorhergesagt – sei zudem der Boden noch zu kalt, um tagsüber darauf zu liegen, so Dietel.

Bäderland Hamburg: Berlin senkt Wassertemperatur

Es sei aber auch nicht mehr so wie früher, als die Hartgesottenen es kaum erwarten konnten, ins kalte Wasser zu springen. Heutzutage hätten es die Besucher schon gern etwas wärmer. Einige Besucher trügen selbst bei 28 Grad Wassertemperatur, wie sie in allen Hallenbädern und den Außenbecken der Ganzjahresfreibäder vorherrschen, einen Neoprenanzug.

So ist aktuell auch nicht geplant, die Wassertemperatur in den Bäderland-Bädern allgemein zu senken, wie es beispielsweise der Betreiber in Berlin gerade angekündigt hat. Um angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine Energie zu sparen, soll das Wasser in den Hallenbädern der Hauptstadt um ein und in den Freibädern um zwei Grad kühler sein als normalerweise.

Bäderland hat Daseinsfürsorge

In Hamburg werden die Sommerfreibäder generell nicht beheizt, und die Außenbecken der Ganzjahresfreibäder abzukühlen, würde laut Bäderland-Sprecher Dietel gar nicht so viel bringen: „Die Becken sind nicht so groß und tief, das Einsparpotenzial wäre gering.“ Bei den Hallenbecken müsse man eine Energieersparnis mit den Nachteilen in der Nutzung für die Bevölkerung abwägen, so Dietel. Die Wassertemperatur von 28 Grad sei bereits ein Kompromiss für die beste Nutzung durch alle Besucher – von den sehr aktiven Bahnenschwimmern, für die es ruhig kälter sein kann, zu anderen Badegästen, vor allem Kindern, die es sogar gern noch etwas wärmer hätten.

Bei einer Absenkung würden weniger Menschen kommen – eine Gefahr für die Gesundheitsvorsorge, die unter der Pandemie ohnehin schon sehr gelitten habe. Dasselbe gelte für das Schwimmenlernen, gerade für kleinere Kinder seien 28 Grad die untere Grenze. Hier habe Bäderland eine Daseinsfürsorge. Solange es keine andere politische Entscheidung gebe, werde man derzeit also nichts verändern.

„Bäderland-Wetter-Task-Force“ entscheidet über Eröffnung

„Wir versuchen aber bereits, so wenig Energie wie möglich aufzuwenden, um unsere Angebote bereitzustellen“, sagt Dietel. Weitere Einsparmöglichkeiten gebe es zum Beispiel bei dem Betrieb von Wasserrutschen, bei denen auch der Aufgang beheizt wird – diese gebe es aber nur an zwei Standorten. Stärker beheizte Bäder, wie die Kaifu-Sole oder die Bartholomäus-Therme, seien im Sommer beziehungsweise derzeit aufgrund von Bauarbeiten ohnehin geschlossen.

Die Sommerbäder
Acht reine Sommerfreibäder betreibt Bäderland in Hamburg: Billstedt (zur Ausstattung gehören ein 50-Meter-Becken, ein Fünf-Meter-Sprungturm, eine Rutsche, eine sechs Meter hohe Kletterwand am Beckenrand sowie ein Wasserspielplatz), Bondenwald in Niendorf (50-Meter-Becken, zwei Rutschen, Drei-Meter-Brett, Spielplatz), Finkenwerder (50-Meter-Becken, Rutsche, Drei-Meter-Brett, Blick auf die Elbe), Kaifu in Eimsbüttel (50-Meter-Becken, Zehn-Meter-Sprungturm, Wasserspielplatz, beheiztes Becken), Marienhöhe in Sülldorf (50-Meter-Becken, zwei Rutschen, Drei-Meter-Brett, Spielplatz), Naturbad Stadtparksee (naturbelassenes, gefiltertes Wasser, 50-Meter-Becken, Spielplatz), Neugraben (Rutsche, Beachvolleyballfeld) und Osdorfer Born (50-Meter-Becken, 41 Meter lange Rutsche, Beachvolleyballfeld).

Und wann machen die Hamburger Freibäder nun auf? Das entscheidet die „Bäderland-Wetter-Task-Force“, in der sich Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen regelmäßig abstimmen. Auch ein externer Meteorologe ist eingebunden. „Meistens können wir dann schon im Mai prognostizieren, ob es ein guter Sommer wird oder die Saison ins Wasser fällt“, sagt Dietel, der sich auch an Jahre erinnert, in denen die Freibäder bereits im April öffnen konnten. In diesem Jahr werde es wohl frühestens ab Mitte Mai der Fall sein.

Bäderland Hamburg: Es gibt eine Änderung

Ein bisschen Zeit bleibt also noch, um die Sommerbäder weiter schick zu machen. Neue Attraktionen wird es in den Bädern aber nicht geben. „Das lohnt sich für die kurze Zeit, in der die Bäder geöffnet sind, nicht“, sagt Dietel. Wenn man beispielsweise eine neue Rutsche installiere, dann bei einem Bad, das das ganze Jahr über genutzt werden könne. „Sonst wäre das ja auch eine Verschwendung von Steuergeld.“

Eine große Veränderung im Vergleich zum vergangenen Jahr wird es aber natürlich geben: Mit dem Wegfall aller Corona-Maßnahmen wird auch in den Schwimmbädern wieder Normalbetrieb ohne begrenzte Zeitfenster und Maskenpflicht herrschen. Dietel: „Wir erwarten eine ganz normale, ungetrübte Freibadsaison, wie wir sie aus der Zeit vor 2020 kannten.“

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