Wohnen Hamburg

HafenCity bekommt neuen Blickfang – drei Wasserhäuser

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Wohnen am Wasser in Hamburg:  Im "Watertower" verfügt  jede Wohnung über gezielte Blicke in unterschiedliche Richtungen.

Wohnen am Wasser in Hamburg: Im "Watertower" verfügt jede Wohnung über gezielte Blicke in unterschiedliche Richtungen.

Foto: LIP Ludger Inholte Projektentwicklung GmbH / KCAP

Hamburgs Oberbaudirektor stellte die Architekturentwürfe vor. So sollen die Wohntürme mit 240 Wohnungen im Baakenhafen aussehen.

Hamburg. Sie stehen mitten im Wasser, sind über Stege mit dem Ufer verbunden und werden mit ihrer besonderen Architektur ein neuer Blickfang in der Hamburger HafenCity sein: In unmittelbarer Nähe des Baakenparks wird ein Ensemble aus drei unterschiedlich gestalteten Wohntürmen entstehen. Am Donnerstag stellten Oberbaudirektor Franz-Josef Höing und HafenCity-Geschäftsführer Andreas Kleinau mit den beteiligten Bauherren und Architekten die Ergebnisse eines Architekturwettbewerbs vor, der für die „Wasserhäuser“ ausgelobt worden war.

Wohnen Hamburg: Baustart der 62 Meter hohen Wasserhäuser 2024

Es war bereits das zweite Verfahren für eine Wasserbebauung im Baakenhafen. Bereits 2012 waren die Ergebnisse eines Architekturwettbewerbs für sechs Wohntürme präsentiert worden. Diese Entwürfe sahen drei im Wasser stehende Gebäudepaare vor. In der weiteren Bearbeitung habe sich jedoch gezeigt, dass sie durch ihre Dimension und Anordnung die Blickachsen und die städtebauliche Situation am Baakenhafen beeinträchtigt hätten, so Oberbaudirektor Höing. Zudem hätte keine wirtschaftlich tragfähige Lösung erreicht werden können.

Man einigte sich daher auf drei einzelne, markante Gebäude, die sich städtebaulich wesentlich besser in das Quartier einfügen werden. Mit dem Bau der jeweils 62 Meter hohen Wohntürme soll im Frühjahr 2024 begonnen werden. „Mit den drei Wasserhäusern entsteht in der HafenCity noch einmal eine ganz neue Wohnlage", sagte Höing. „Die Baukörper stehen im Wasser, haben jeweils einen sehr eigenständigen architektonischen Ausdruck und bilden dennoch ein Ensemble – mit sehr guten Grundrissen und sehr schönen Proportionen.“

Wohnen Hamburg: Wasserhäuser sind aufeinander abgestimmt

Bei der Auswahl der Wettbewerbsentwürfe spielten neben der funktionalen Gestaltung auch die Fernwirkung der Gebäude, das Zusammenspiel untereinander sowie der Einklang mit der landseitigen Bebauung entscheidende Rollen.

Zu einer ergänzenden Landbebauung war jeder Bauherr verpflichtet worden, um in der Kombination mit den später hochpreisigen Wohntürmen den erforderlichen Zweidrittelmix (ein Drittel Sozialwohnungen) bieten zu können „Elegant und fein aufeinander abgestimmt, fügen sich die drei Wohntürme in das lebendige und attraktive Umfeld des Quartiers Baakenhafen ein“, so Andreas Kleinau. „Das Workshopverfahren hat der Gestaltung der Wasserhäuser, aber auch dem gesamten Ensemble im Baakenhafen gutgetan.“

Drei Wasserhäuser in der HafenCity mit 240 Wohnungen

Die drei Wohntürme bieten insgesamt rund 240 Wohnungen und viele Spielmöglichkeiten für Kinder. Durch ihre Lage im Hafenbecken ist ihre Realisierung technisch anspruchsvoll und gestalterisch herausfordernd. Außerdem wurden seitens der Stadt hohe Ansprüche an die Nachhaltigkeit gestellt.

Für diese Aufgaben haben die drei Bauherren (LIP Ludger Inholte Projektentwicklung GmbH, Otto Wulff Projektentwicklung GmbH und Richard Ditting GmbH & Co. KG) im Einvernehmen mit der Stadtentwicklungsbehörde sowie der HafenCity Hamburg GmbH zu dem hochbaulichen Workshopverfahren eingeladen. Bei diesem wurde pro Wohnturm ein Architekturbüro ausgewählt: die Büros KCAP B.V. (Rotterdam), Barkow Leibinger Gesellschaft von Architekten mbH (Berlin) und Buchner Bründler Architekten AG (Basel).

"Watertower" in der HafenCity bietet Raum für 62 Wohnungen

Der "Watertower" ist das westlichste der drei Wasserhäuser und wurde in der Grundform eines Seesterns entworfen. Er steht auf einer Plattform, die die Form der geschwungenen Balkonebenen aufnimmt und über einen überdachten Steg erreicht werden kann. Im westlichen Teil befindet sich ein Kinderspielplatz, an der Ostseite der Eingangsvorplatz mit erhöhter Lobby.

Das Gebäude bietet Raum für insgesamt 62 Wohnungen, die zwischen 55 und 175 Quadratmeter groß sind. Die Form des Seesterns soll den Bewohnern und Bewohnerinnen maximale Aussichtsmöglichkeiten bieten und zugleich von allen Seiten unterschiedlichste Ansichten des Gebäudes ermöglichen.

Das Gebäude, das nach dem Platin-Standard des HafenCity-Labels zertifiziert werden soll, erfüllt alle Anforderungen an die Einsparung von CO2-Emissionen und an den Einsatz natürlicher oder recycelter Baustoffe. Geplant sind unter anderem ein Eisspeicher, eine Impulslüftung mit Wärmerückgewinnung, die Nutzung der Badabluft, Solarabsorber an der Hausfassade und eine Zisterne, in der das Regenwasser gesammelt wird.

"Watertower": Gestaltung und Wohnqualität haben überzeugt

„Der Entwurf von KCAP zeichnet sich neben seiner eleganten horizontalen Gliederung durch eine organische Grundform aus, die eine Ausrichtung aller Wohnungen zu mindestens zwei Himmelrichtungen ermöglicht. Dieses optimale Zusammenspiel von Gestaltung und Wohnqualität hat uns uneingeschränkt überzeugt“, sagt Michael Jordan, geschäftsführender Gesellschafter der LIP.

Ergänzt wird die Wasserseite des "Watertowers" durch die ebenfalls von LIP entwickelte Bebauung auf der Landseite, deren Verwirklichung auf Grundlage eines bereits 2017 preisgekrönten Entwurfs von Hadi Teherani Architects beruht.

Wasserhaus bietet "außergewöhnliche Wohnungstypologien"

Auch das zweite Wasserhaus soll durch eine aufgefächerte Grundrissfigur maximale Ausblicke zur Innenstadt, über HafenCity und Elbe ermöglichen. Die 92 Wohnungen öffnen sich vom kompakten Kern ausgehend nach außen und sind leicht zueinander versetzt, wodurch auch das kleinste Apartment Ausblicke in mindestens zwei Himmelsrichtungen bietet.

Die Fassade soll durch horizontale und leicht geknickte Brüstungsbänder aus keramischem Material Struktur und einen feinen Glanz bekommen. Auch hier setzt man auf Nachhaltigkeit: Die Elemente des Holz-Hybrid-Baus bestehen größtenteils aus wiederverwendbaren Rohstoffen und es kommen regenerative Energien zum Einsatz.

Die skulpturale Gestalt des Hauses wird durch starke Brüstungsbänder zusätzlich betont. „Die anspruchsvolle Baulogistik über eine Baustraße auf dem Wasser sowie die Zugänglichkeiten nur über Stege wird für technisch interessierte Bürgerinnen und Bürger ein lohnendes Ausflugsziel darstellen und erfüllt einmal mehr die Innovationskraft an diesem Standort“, so Holger Fieseler von Otto Wulff. Zudem biete der facettenreiche Grundriss außergewöhnliche Wohnungstypologien.

Ein Wasserhaus über zweigeschossige Brücke zu erreichen

Das östliche Wasserhaus trägt den Namen "Palazzo Verticale" und wirkt durch seine Transparenz und Leichtigkeit und wird in Holz-Hybrid-Weise errichtet. Es bietet Platz für 80 bis 85 Eigentumswohnungen mit zwei bis vier Zimmern und bis zu 110 Quadratmetern sowie einem Indoor-Spielplatz.

Der Zugang erfolgt über eine zweigeschossige Hängebrücke über die Baakenallee und den Peterskai. Der konzipierte Entwurf besticht laut Jury durch eine scheinbar schwingende Quaderform und eine sympathisch leichte Silhouette.

Wasserhäuser in der HafenCity: "Ikonenhaftes Gebäude-Trio"

Auch hier werden den künftigen Bewohnern weite Blicke auf Elbe, HafenCity und Innenstadt ermöglicht. Highlights der Ausstattung sind umlaufende Terrassen, Loggien, bodentiefe Verglasung und ein doppelt hohes Erdgeschoss mit Arkadenumlauf. Hier ist auch über zwei Ebenen eine Spielfläche mit Kletterwand, Rutsche und Trampolin untergebracht. Die Bauausführung soll ressourcenschonend und emissionsreduziert erfolgen, außerdem wird es Photovoltaik, ein Gründach, Fahrradstellplätze mit Ladestation sowie Dachvorsprünge für den äußeren Sonnenschutz geben.

„Unser Anspruch ist es, den gelungenen Architekturentwurf mit allen seinen technischen und optischen Raffinessen so umzusetzen, dass in Kombination mit unseren beiden Nachbarn ein ikonenhaftes Gebäude-Trio in diesem zukunftsträchtigen neuen Stadtteil entsteht“, sagt Nikolaus Ditting. Die Architekten haben den Sockel so gestaltet, dass er optisch zur Fassade passt. So soll bei ruhigem Wasser der Eindruck entstehen, dass Gebäude wachse aus dem Wasser heraus.

Die prämierten sowie alle weiteren Entwürfe des Workshopverfahrens werden im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung im HafenCity InfoCenter im Kesselhaus vom 22. April bis zum 8. Mai ausgestellt.

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