Forschung in Hamburg

Neue Hightech-Labore für Nano- und Materialforscher am Desy

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In dem neuen Gebäude CXNS am DESY in Bahrenfeld werden Wissenschaftler mithilfe von Röntgenlicht an neuartigen Materialien forschen. Das Foto zeigt Physiker im DESY Nanolab.

In dem neuen Gebäude CXNS am DESY in Bahrenfeld werden Wissenschaftler mithilfe von Röntgenlicht an neuartigen Materialien forschen. Das Foto zeigt Physiker im DESY Nanolab.

Foto: Heiner Müller-Elsner, Hamburg / DESY

Im 18-Millionen-Euro-Neubau sollen Wissenschaftler aus Hamburg und Schleswig-Holstein zusammenarbeiten.

Bahrenfeld. Mit winzigen Strukturen sind große Erwartungen verbunden: Nanopartikel könnten zum Beispiel verschiedene Katalysatoren effizienter machen – nicht nur um Abgase zu reduzieren, sondern auch um Strom aus Wind- und Sonnenenergie in „grünen“ Wasserstoff umzuwandeln. Auch bessere Speicher für diesen vielseitig einsetzbaren Energieträger könnten durch Nanotechnologie möglich werden und dazu beitragen, dass wir künftig weniger auf fossile Brennstoffe wie Gas angewiesen sein werden – darauf hoffen zumindest Politik, Wissenschaft und Unternehmen.

Zu den nötigen technischen Fortschritten beitragen soll künftig eine 18 Millionen Euro teure Einrichtung auf dem Campus des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (Desy) in Bahrenfeld: das Zentrum für Röntgen- und Nanoforschung (CXNS).

Neue Hightech-Labore für Nano- und Materialforscher

Zur Eröffnung des länderübergreifenden Neubaus kamen am Dienstag gleich drei Spitzenpolitikerinnen. Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) griff zu großen Worten. „Mit dem CXNS ist ein Forschungszentrum entstanden, das seinesgleichen sucht“, sagte sie. Der Bund hatte mit 15 Millionen Euro den Löwenanteil der Finanzierung übernommen. Den Rest bezahlten Hamburg, Schleswig-Holstein und die drei beteiligten Forschungseinrichtungen.

„Wir müssen noch mehr Tempo machen, um unabhängiger zu werden von Rohstofflieferanten und souveräner bei den Technologien“, sagte die Bundes­forschungsministerin bei dem Festakt vor gut 100 Gästen, womit sie auf Deutschlands Abhängigkeit von Energie aus Russland anspielte.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) kam darauf zu sprechen, dass der russische Angriffskrieg auch die wissenschaftliche Gemeinschaft erschüttert. Im Moment sei einem „eigentlich überhaupt nicht danach zumute zu lachen, sich zu freuen“, sagte Fegebank. „Dennoch ist es wichtig, dass wir Tage haben wie diese und Eröffnungen feiern, weil wir uns nicht kleinkriegen lassen dürfen.“ Die Gesellschaft müsse weiter auf die Kraft der Vernunft, des Zusammenhalts, der Demokratie und auf die Kraft der Wissenschaft setzen. Die wachsende Science City Bahrenfeld, deren jüngstes Mitglied das neue Zentrum für Röntgen- und Nanoforschung ist, stehe für Vielfalt und das Miteinander der Nationen, sagte Fegebank.

Karin Prien: CXNS ist ein „Haus der Chancen"

Schleswig-Holsteins Bildungs- und Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) erklärte, das CXNS sei ein „Haus der Chancen in einer Zeit, in der unser Optimismus auf die Probe gestellt wird“. Trotz des Krieges und der Corona-Pandemie müsse Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema bleiben. „Es geht darum, dass wir unsere natürlichen Ressourcen schonen, dass wir Energie, Wasser, Rohstoffe einsparen müssen. Dabei werden neuartige Materialien eine entscheidende Rolle spielen“, sagte Prien.

Anschließend übergab sie zusammen mit Bettina Stark-Watzinger und Katharina Fegebank einen symbolischen Schlüssel für den Neubau an dessen Nutzer: Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des Helmholtz-Zen­trums Hereon in Geesthacht und des Desy. Neben ihnen sollen Materialwissenschaftler in dem Gebäude arbeiten, die an einer Kooperation des Desy mit der Technischen Universität Hamburg in Harburg beteiligt sind. Das neue Zentrum werde zudem Dienstleistungen für „Partner aus der Industrie“ anbieten, sagte Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger. „Zugleich heißt das, Forscherinnen und Forscher mit Unternehmergeist zu fördern.“

Neue Hightech-Labore für bis zu 250 Menschen Forschende

Der fünfgeschossige Bau hat eine Grundfläche von mehr als 5000 Qua­dratmetern. Davon entfallen etwa 700 Quadratmeter auf 20 Hightech-Labore, die mit verschiedenen Mikroskopen ausgestattet sind. Mithilfe der Elektronenmikroskope wollen Forschende etwa bestimmte Nanostrukturen, die besonders vielversprechend erscheinen, markieren und als Proben vorbereiten, um sie dann eingehender mit der Röntgenlichtquelle „Petra III“ am Desy zu untersuchen. Praktischerweise steht die Petra-Experimentierhalle gleich nebenan.

Die Universität Hamburg ist zwar nicht am CXNS beteiligt, trotzdem war auch der neue Uni-Präsident Hauke Heekeren am Dienstag zur Eröffnung gekommen – dem Vernehmen nach, um gegenüber der Bundesforschungsministerin die Bedeutung der Science City Bahrenfeld aus Hamburger Sicht zu untermauern.

Schließlich werden auch weitere geplante Vorhaben und die Anschaffung teurer neuer Großforschungsgeräte davon abhängen, ob Berlin mitmacht. Zuletzt hatte sich der Bund schon erheblich etwa an der Finanzierung des Zentrums für strukturelle Systembiologie (CSSB) und des Zentrums für hybride Nanostrukturen (CHYN) in Bahrenfeld beteiligt. Die beiden Einrichtungen waren 2017 eröffnet worden.

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