Bau-Monitoring 2021

Hamburger Großbauprojekte: Wenn die Stadt baut, wird’s teuer

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Die Dauerbaustelle CCH wird langsam fertig, die Fläche rund um den Dammtorbahnhof neu gestaltet.

Die Dauerbaustelle CCH wird langsam fertig, die Fläche rund um den Dammtorbahnhof neu gestaltet.

Foto: Michael Rauhe / Funke Foto Services

37 Prozent der größeren Bauvorhaben werden letztlich teurer als geplant. Bei welchem Projekt die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind.

Hamburg. Von der Instandsetzung der Elbchaussee bis zur Sanierung des Congress Center Hamburg (CCH) – viele Hamburger Großbauprojekte werden deutlich teurer als geplant. Bei mehr als jedem dritten Bauprojekt kann der Kostenrahmen nicht eingehalten werden, wie aus dem aktuellen Bericht zum Bau-Monitoring 2021 des Senats an die Bürgerschaft hervorgeht. Die höchste Kostensteigerung verzeichnet dabei die Erneuerung des Zollkanals mit der dazugehörigen Sanierung der Venloer Brücken. Sie soll 66 Prozent mehr kosten als ursprünglich veranschlagt. Die Baukosten für das Projekt steigen damit von 51,8 Millionen auf 86,2 Millionen Euro.

Dem Bericht zufolge baut die Stadt mit Stand Ende September 2021 an 93 Groß-Projekten für insgesamt 8,65 Milliarden Euro. 37 Prozent der Projekte sprengen demnach den Kostenrahmen. Bei 15 der städtischen Bauprojekte (17 Prozent) stehen die Ampeln auf Rot. Das bedeutet, dass die Kosten um mehr als zehn Prozent über der Planung liegen. Weitere 18 Projekte (20 Prozent) werden bis zu zehn Prozent teurer als bei Baubeginn kalkuliert.

Bau-Monitoring 2021: Hamburg baut teuer

Das durch die Senatskanzlei initiierte Bau-Monitoring erfasst in der Regel alle Bauvorhaben ab 10 Millionen Euro Gesamtaufwand. Daneben werden beispielsweise auch Projekte, die weniger als 10 Millionen Euro Baukosten aufweisen und aus dem „Sanierungsfonds Hamburg 2020“ finanziert werden, betrachtet. Das Programm Schulbau wird nicht berücksichtigt.

Knallrot leuchtet die Ampel unter anderem beim Neubau des Oberhafentunnels. Die Baukosten sind gegenüber dem angesetzten Budget in 2019 um 59 Prozent gestiegen und liegen nun bei rund 24 Millionen statt den ursprünglich rund 15 Millionen Euro.

Auch die Grundinstandsetzung der Elbchaussee wird deutlich teurer als geplant. Die Abweichung der Kostenpro­gnose liegt bei 45 Prozent. Vor dem Beginn im März 2018 rechnete die Stadt noch mit knapp 28 Millionen Euro für die Sanierung. Inzwischen sind es mehr als 40 Millionen.

Hamburg: Einige Großprojekte günstiger

Die Kostenkalkulation für die Sanierung des Kongresszentrums CCH muss ebenfalls nach oben korrigiert werden – und zwar um 27 Prozent. Statt der ursprünglich angesetzten rund 230 Millionen Euro schlägt das Projekt nun mit rund 293 Millionen Euro zu Buche. Die Kosten für den barrierefreien Ausbau des Rathauses steigen um knapp 26 Prozent auf 3,61 Millionen Euro, der Umbau der Kreuzung Schwanenwik/Sechslingspforte wird um zwölf Prozent teurer. Die Gesamtkosten liegen damit nun bei rund 44 Millionen Euro. Für die Sanierung des Philosophenturms und der Mensa waren 2016 mal rund 60 Millionen Euro eingeplant, mittlerweile sind es knapp 90 Millionen.

Die ohnehin schon ungünstige Lage habe sich durch die Corona-Pandemie weiterverschlechtert, führt der Senat als einen der Gründe für die Kostensteigerungen an. „Die durch Produktionsausfälle und unterbrochene Lieferketten entstandenen Verzögerungen und reduzierten Verfügbarkeiten wirken sich deutlich auf die Preis- und Kostendynamik und auf die Planungssicherheiten aus“, heißt es in dem Bericht. „Hinzu kommen stark gestiegene Baupreise, die die Lage weiter erschweren.“

Einige Großprojekte bewegen sich jedoch auch weiterhin im Kostenrahmen oder sind sogar günstiger geworden – in diesen Fällen steht die Ampel auf Grün. So bewegt sich beispielsweise die auf 1,49 Millionen Euro geschätzte Sanierung der Sportanlage Sachsenweg in Niendorf weiterhin im prognostizierten Rahmen. Das gilt auch für den barrierearmen Ausbau des Alsterwanderwegs. Die Neustrukturierung des Hamburger Justizvollzuges ist sogar um zwölf Prozent auf 14,55 Millionen Euro gesunken.

Kostenentwicklung soll transparent sein

Ausreißer im positiven Sinn war der Sielbau an der Jenfelder Au, der 20,4 Prozent unter der Kostenprognose blieb und nun rund 33 Millionen Euro kosten soll. Für 13 Projekte wurden die Ampeln nachträglich auf Grün gestellt, weil sie aufgrund von Nachbewilligungen in den Kostenrahmen zurückgeführt wurden und zum Stichtag des Berichts im Soll lagen. Die Zahl der Projekte mit Nachfinanzierungsbedarf liegt also höher, als es das Monitoring ausweist. Nachbewilligungen erhielten unter anderem die Erweiterung von Planten un Blomen, die Sanierung des Bismarck-Denkmals, der Neubau eines Atelierhauses für die Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK), das neue Universitätsgebäude „Haus der Erde“, die Modernisierung und Erweiterung der Alster-Schwimmhalle sowie die Grundinstandsetzung der Weströhre des Alten Elbtunnels.

Das Ampelsystem zeige „neben der Kosteninformation auch den Bedarf an Gegensteuerungsmaßnahmen bzw. einer zeitnah anstehenden Nachfinanzierung“, schreibt der Senat in seinem Bericht. Damit im Falle von Nachbewilligungen die vollständige Information über die Kostenentwicklung transparent bleibt, sei die Erstveranschlagung gesondert gekennzeichnet worden.

Kostenexplosionen und endlose Bauzeiten vermeiden

Soweit erhebliche Überschreitungen von Gesamtbaukosten oder Sollterminen in der Prognose zum 30. September 2021 zwar bereits erkennbar waren, jedoch noch nicht mit belastbaren Daten hinterlegt werden konnten, sei die Ampel unabhängig von den abgebildeten Prognosedaten auf Rot gestellt worden. So zum Beispiel beim Neubau des „MIN-Forum und Informatik“, dem Campus für Naturwissenschaften an der Bundesstraße.

Im Dezember 2012 habe der Senat beschlossen, der Bürgerschaft jährlich „einen Bericht über die Ergebnisse des Kosten- und Terminmonitorings von großen Bauprojekten“ zu erstellen. Der aktuelle Bericht ist somit der neunte zum Bau-Monitoring. Kostenexplosionen und endlose Bauzeiten wie einst bei der Errichtung der Elbphilharmonie, welche der Stadt Hamburg lange nachhingen, sollen sich durch das „kostenstabile Bauen“ nicht wiederholen.

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