Spektakuläre Pläne

"Quartier der Zukunft": Ein Holzhochhaus für Hammerbrooklyn

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Der zweite Bauabschnitt hinter dem Treetop Tower soll 2028 fertig sein.

Der zweite Bauabschnitt hinter dem Treetop Tower soll 2028 fertig sein.

Foto: Art-Invest Real Estate

Bauarbeiten für den Treetop Tower beginnen im kommenden Jahr. Auch eine Veranstaltungshalle ist vorgesehen. Fertigstellung 2024 geplant.

Hamburg. Hammerbrooklyn nimmt Gestalt an: Das laufende Planverfahren schreitet voran, nach dem Erhalt der Baugenehmigung wird die Art Invest am Stadtdeich mit dem zweiten Bauabschnitt beginnen. Voraussichtlich im nächsten Jahr wird der Grundstein für den 16-geschossigen Treetop Tower gelegt: Das Hochhaus von Spine Architects aus Hamburg wird in Hybrid-Bauweise realisiert – das Gebäude besitzt einen Betonkern und eine Glasfassade, die Decken, Böden und das Trägerwerk sind aus Holz. Dieses Holzhybridhochhaus mit 12.200 Quadratmeter soll Ende 2024 fertiggestellt werden – und damit früher als zuletzt geplant.

„Das Thema Nachhaltigkeit steht im Fokus“, sagt Martin Wolfrat, Geschäftsführer bei Art-Invest Real Estate. „Daraus entstammt die Idee, den Treetop Tower mit dem nachhaltigen Baustoff Holz zu errichten, dem ältesten Baumaterial der Menschheit.“ Ein Großteil der Tragkonstruktion wird aus regionalem Holz gefertigt. „Es wird das erste Bürohochhaus in der Bauweise in Hamburg sein.“

Immobilien Hamburg: Platanen als Stütze

Holz gilt als nachhaltiger Baustoff, der wiederverwendbar ist und eine bessere CO2-Bilanz aufweist. „Der Treetop Tower ist geprägt von einer besonderen Bauweise: Im Erdgeschoss und unterm Dach stützen markante Platanen die Decken“, sagt Wolfrat. Das spiegele sich in der Fassade im Erdgeschoss und im obersten Staffelgeschoss, der sogenannten „Krone“. Dort ist eine Veranstaltungsfläche geplant, das Erdgeschoss bekommt ein Auditorium für Veranstaltungen und vielleicht ein Café.

Noch deutlich größer wird das dahinter liegende Areal Big Market, für das die Planungen nun konkretisiert wurden. Bis 2028 wächst hier ein Ensemble aus drei Gebäuden: Das so genannte Stairway Building soll mit spektakulärer treppenförmigen Architektur ein Hingucker werden. Im Inneren entsteht eine Mehrzweckhalle auch für hybride Veranstaltungen; nicht nur Wände, sondern auch einige Decken sollen flexibel bewegt werden können. Auf dem Dach könnte eine Kunstinstallation den Namen Hammerbrooklyn über die Elbe senden, grüne Terrassen geben dem Haus ein besonderes Äußeres.

Ebenfalls grün wird das „Greenhouse“ mit seiner Fassade, hinter der sich Klimagärten verbergen. Der so genannte Gallery Complex bietet Raum für Ateliers, Werkstätten und innovativen Arbeitsplätze. Zwischen den drei Häusern soll ein Platz entstehen, der das Leben nach Hammerbrook bringt, mit Gastronomie, Aufenthaltsqualität und Kultur. „Wir wollen dabei die Ideen vom Alten Wall nach Hammerbrook holen und den Platz aktiv bespielen“, sagt Wolfrat.

Nach Plänen der Art Invest soll der Big Market „ein Ort der Begegnung werden, an dem verschiedene Marktkonzepte zu Themen wie Mobilität, Wissenschaft und Food integriert werden“. Das ist noch Zukunftsmusik, könnte aber ab 2025 umgesetzt werden.

Hammerbrooklyn als "Quartier der Zukunft"

Das Ensemble „Big Market“ geht auf die Pläne des Zürcher Architekturbüro EM2N zurück, das sich im Rahmen einer kollaborativen internationalen Ideenmeisterschaft durchsetzen konnte. „Wir legen besonderen Augenmerk auf neue Bürokonzepte, die auf die veränderten Bedürfnisse nach der Corona-Pandemie eingehen“, sagt Wolfrat.

Hammerbrooklyn zählt mit rund 60.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche zu den wichtigen Stadtentwicklungsprojekten – es entsteht an einem Ort, der in den vergangenen Jahren wachgeküsst wurde: So führt die Veloroute nach Süden, aber auch der Elberadweg an dem Gelände vorbei, unweit feierte „Harry Potter“ vor einigen Wochen seine Deutschlandpremiere im Mehr Theater. „Wir wollen dort Leben hinbekommen und ein Quartier der Zukunft entwickeln“, sagt Wolfrat.

Das erste Gebäude ist bereits fertiggestellt und komplett an die Factory Hammerbrooklyn vermietet: Der frühere Expo-Pavillon der USA zog von Mailand an den Stadtdeich und ist dort zum Wahrzeichen des ambitionierten Projekts geworden. „Das Thema Upcycling bewegt alle. Wir wollten ein bereits bestehendes Gebäude wiederverwerten und nun durch weitere Neubauten ergänzen“, sagt der Art-Invest-Geschäftsführer.

Das temporäre Expo-Gebäude ohne Fassade, durch das in Mailand der Wind pfiff, wurde in Hamburg als Bürogebäude ertüchtigt. Auf einer Fläche von 7317 Quadratmetern finden sich ein Saal für bis zu 800 Menschen und zahlreiche Arbeitsplätze und Konferenzräume, in die sich Kreative, Firmen oder Start-ups einmieten können. Eine Dachterrasse über den fünf Stockwerken ermöglicht Weitblicke auf das Quartier am Oberhafen zwischen Deichtorhallen und Großmarkt. Mit dem Big Market könnte dann bis 2028 ein neues Wahrzeichen entstehen.

Der digitale Campus Hammerbrooklyn wird von der Politik unterstützt – hier sollen nicht nur ein moderner Stadtteil der Zukunft entstehen, sondern auch 5000 Arbeitsplätze und ein Zentrum für Start-ups und innovative Konzepte. Nach Startschwierigkeiten und Verzögerungen durch die Pandemie drückt die Art-Invest nun aufs Tempo. „Das Quartier wird ein modernes Viertel am Wasser wiederaufleben lassen, das digitale Transformation und Vielfalt in der Architektur für jeden erlebbar macht“, sagt Wolfrat, der sich eine „Strahlkraft nach Europa“ erhofft. „Hammerbrooklyn gehört zu den Top-5-Projekten, die wir international entwickeln.“

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