St. Pauli

„Park Fiction“: Kiez-Bewohner rufen nach „mehr Ordnung“

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Polizisten bei einer Kontrolle im „Park Fiction“.

Polizisten bei einer Kontrolle im „Park Fiction“.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Müll und Lärm im „Park Fiction“auf St. Pauli seien nicht mehr tragbar. Auch die Bezirksversammlung wurde eingeschaltet.

Hamburg.  Durch St. Pauli geht ein Riss – ausgerechnet Anwohner des „Park Fiction“ rufen jetzt die Politik um Hilfe und fordern „mehr Ordnung“ im Park. Die Zustände dort seien inzwischen unhaltbar, heißt es in einem Bericht der „Hamburger Morgenpost“ über die Forderung einer Initiative mit dem Namen „Lärm im Park“. Solche Töne sind den Einwohnern des Stadtteils mit starker linker Szene sonst eher fremd.

Wie die „Morgenpost“ berichtet, sind einige Anwohner des Parks an der Hafenkante mit den ikonischen Plastik-palmen schwer genervt vom ständigen Trubel und der Klientel dort. Der einstige Treffpunkt im Viertel sei völlig verkommen: Da werde wild gepinkelt, da würden Flaschen zerschlagen, Briefkästen angezündet und Drogen konsumiert. Hinzu komme ein ohrenbetäubender Lärm aus zahlreichen Boxen, und das in jeder Nacht. Ein Anwohner wird mit den Worten zitiert: „Aus dem Ort zum Seele-baumeln-Lassen ist ein Ort der Gewalt geworden des Exzesses und der totalen Rücksichtslosigkeit.“

„Park Fiction“: Anwohnerkritik stößt auf heftigen Widerspruch

Um Ruhe zu bitten berge das Risiko, „aufs Maul zu kriegen“. Beim „Park Fiction“-Komitee stößt die Anwohnerkritik indes auf heftigen Widerspruch. Bei der Initiative handele es sich um „mehr Lobby als Ini“, das von ihr gezeichnete Bild sei „verzerrt und einseitig“. Ihre Argumentation, so heißt es in einer Stellungnahme, öffne den Raum für „Nicht in meinem Hinterhof“-Logiken und etabliere „rechte Narrative“.

Ursprünglich war der „Park Fiction“ – auch als Antonipark bekannt – als Kunstprojekt von einem Nachbarschaftsnetzwerk ins Leben gerufen und in mehreren Etappen zwischen 2003 und 2005 eröffnet worden. Es gibt dort eine Palmeninsel, eine gewellte Rasenfläche, die „fliegender Teppich“ heißt, ein Tartan- und ein Boulefeld – grandiose Aussicht auf den Hafen inklusive. Wenig überraschend wird die Anlage mit der dezenten Subkultur-Note schon lange touristisch vermarktet. Gerade an warmen Tagen und Nächten herrscht in dem kleinen Areal fast schon Platznot.

„Brennpunkt ,Park Fiction‘“: Bezirksversammlung eingeschaltet

Für „Lärm im Park“ waren die Zustände nicht mehr tragbar. Auf Anregung der Anwohner griff die Bezirksversammlung Altona das Thema auf und fasste Ende November einen Beschluss unter dem Rubrum „Brennpunkt ,Park Fiction‘“. Darin heißt es, dass sich im Park „Touristen mit Partyvolk und Drogenabhängigen“ mischen und dort eine „24/7 Dauernutzung und dauerhafte Beschallung“ stattfinde. Der Park gelte als „gefährlicher Ort für Drogen“, es werde „wild uriniert“, da der Zustand der kostenlosen Toilette abends „niemandem zuzumuten“ sei.

Der Antrag, einen Sozialarbeiter einzustellen, der sich um die Drogenkranken im Park kümmert, und das Reinigungsintervall für die öffentliche Toilette zu verdoppeln, scheiterte jedoch: Für eine häufigere Reinigung mangele es am Geld, und Sozialarbeiter gebe es im Viertel schon genug, teilten die Umwelt- und die Sozialbehörde mit.

„Park Fiction“-Komitee verweist auf hohe Polizeipräsenz

Aus Sicht vieler Anwohner dürfte auch die Forderung nach weiteren Hinweisschildern und Polizeikontrollen hochproblematisch sein. Steht doch gerade in diesem Teil von St. Pauli, unweit der Balduintreppe, die Polizei wegen häufiger Drogenkontrollen in der Kritik. Nicht wenige Anwohner werfen den Beamten „racial profiling“ vor, weil gezielt Männer mit dunkler Hautfarbe überprüft würden.

Ohnehin, darauf weist das „Park Fiction“-Komitee in der öffentlichen Stellungnahme ausdrücklich hin, werde das Gebiet „polizeilich so dicht bestreift wie keine andere Straße Hamburgs“. Ordnungspolitischen Maßnahmen erteilt es eine klare Abfuhr. Der Kern des Parks sei eine „informelle Kultur des Selbermachens“. Und die Forderungen nach mehr Ordnung im Park attackierten genau diese Form selbst organisierter Kultur.

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