Corona Hamburg

„Eine neue gefährlichere Variante ist unwahrscheinlich“

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Prof. César       Muñoz-Fontela    ist Leiter der          Abteilung „Virus Immunologie“ am BNITM.

Prof. César Muñoz-Fontela ist Leiter der Abteilung „Virus Immunologie“ am BNITM.

Foto: BNITM / Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Virologe César Muñoz-Fontela sieht die Chance, dass Omikron die Pandemie beenden könnte – wenn wir weiterimpfen und vorsichtig bleiben.

Hamburg. Prof. César Muñoz-Fontela ist Leiter der Abteilung „Virus Immunologie“ am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Er ist optimistisch, wenn der Impffortschritt weitergeht.

Ist Omikron der Gamechanger in der Pandemie, der alles ändert?

César Muñoz-Fontela: Inzwischen ist klar, dass Omikron hochgradig ansteckend ist, mehr als jede bisherige Sars-CoV-2-Variante. Dadurch besteht die Chance, die akute Phase der Pandemie zu beenden. Omikron wird einen hohen Prozentsatz der Weltbevölkerung immunisieren, unabhängig davon, ob die Menschen zuvor geimpft wurden oder nicht. Diese verbesserte Immunität der Bevölkerung kann zu mehr Schutz gegenüber zukünftigen Virusvarianten und einer insgesamt verringerten Schwere der Krankheit führen. Die Übertragung wird nicht gestoppt, aber die mit der Pandemie verbundene Letalität könnte weitgehend reduziert werden.

Um wie viel weniger gefährlich ist denn die Mutation, etwa bezogen auf Hospitalisierungen?

César Muñoz-Fontela: Der Hauptunterschied besteht darin, dass ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung bereits zwei- oder dreimal geimpft ist. Trotz der hohen Fallzahlen ist die Letalität also insgesamt geringer. Betrachtet man jedoch die Fälle auf den Intensivstationen, handelt es sich bei einem hohen Prozentsatz dieser Fälle um ungeimpfte Personen. Wenn wir keine Impfstoffe hätten, würde Omikron wahrscheinlich so viele Menschen wie in der ersten Welle töten.

Wie wahrscheinlich ist eine neuerliche Mutation, die dann wieder gefährlicher wird?

César Muñoz-Fontela: Solange sich das Virus überträgt, werden immer wieder Varianten auftauchen. Obwohl es theoretisch möglich ist, in Zukunft eine neue Variante zu haben, die pathogener wäre, ist dies aber unwahrscheinlich aufgrund des hohen Anteils der Weltbevölkerung, der wegen der Impfungen und Omikron eine gewisse Immunität aufweisen wird.

Aber wie effizient sind die Impfungen noch? Gerade die Impfvorbilder haben derzeit die höchsten Inzidenzen ...

César Muñoz-Fontela: Da müssen wir uns die Statistiken genau ansehen: Die Zahl der Infektionen bei geimpften Personen ist deshalb hoch, weil es mehr Geimpfte als Ungeimpfte gibt. Eindeutig ist die Situation auf den Intensivstationen. In Europa werden trotz des geringen Anteils ungeimpfter Personen etwa 50 Prozent Ungeimpfte mit schweren Covid-Verläufen ins Krankenhaus eingeliefert, in einigen Gebieten liegt der Anteil sogar bei bis zu 80 Prozent. Alle von der EMA zugelassene Impfstoffe haben eine hohe Wirksamkeit beim Schutz vor schweren und tödlichen Verläufen gezeigt. Das war die dringendste Aufgabe und ist ein großer Erfolg. Jetzt müssen wir uns auf Impfstoffe der zweiten Generation konzentrieren, die auch eine Übertragung verhindern können.

Wie sollte die Gesellschaft mit der Herausforderung durch Omikron umgehen? Ist der englische Weg ein Modell?

César Muñoz-Fontela: Der Weg muss sich an den Empfehlungen der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, orientieren. Wir können nicht mehr in einem Modell leben, in dem einem Lockdown die vollständige Vernachlässigung der Regeln folgt. Entscheidend ist, weiterzuimpfen und die Maßnahmen, die wir in den letzten zwei Jahren gelernt haben, einzuhalten, also Masken richtig zu benutzen, Abstand zu halten und Kontakte zu beschränken.

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