HVV Hamburg

3G in Bus und Bahn – Impfkontrollen mit zweifelhaftem Wert

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Elisabeth Gefeller
Ein Mitarbeiter der Hamburger Hochbahn lässt sich in Hamm den digitalen Impfnachweis zeigen.

Ein Mitarbeiter der Hamburger Hochbahn lässt sich in Hamm den digitalen Impfnachweis zeigen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Am Dienstag prüfen Mitarbeiter in Hamm die Nachweise. Die Reaktionen sind zustimmend – doch es gibt noch große Lücken.

Hamburg. Sechs uniformierte Männer stehen mit verschränkten Armen und schwarzen Lederhandschuhen in einer Linie aufgestellt und versperren den Zugang: Was auf den ersten Blick bedrohlich wirkt, dient der Kontrolle zu den neuen 3G-Regelungen im öffentlichen Nahverkehr.

Seit vergangenem Mittwoch müssen alle Fahrgäste im HVV einen gültigen Nachweis mit sich führen: Geimpft, genesen oder getestet. An der U-Bahn-Station Burgstraße wurde dies am Dienstag vom Service-Personal der Hamburger Hochbahn-Wache (HHW) kontrolliert – vor Fahrtantritt.

3G-Regel im HVV – so laufen die Kontrollen in Hamburg

„Im Prinzip ist es wie in der Disco,“ scherzt der Geschäftsführer der HHW, Arndt Malyska, „entweder du kommst rein oder eben nicht, je nachdem ob du weiße Sneaker trägst.“ Statt weißer Sneaker zeigen Fahrgäste lediglich ihren 3G-Nachweis vor – wer diesen hat, darf die Fahrt antreten, wer nicht, muss vorerst umkehren. Auch in der Bahn gibt es stichprobenartige Kontrollen: Bei einem Verstoß muss der Fahrgast an der nächsten Station aussteigen.

Mit der bisherigen Bilanz zeigt sich Herr Malyska zufrieden: Während die Verstoß-Quote am ersten Tag der Kontrollen noch bei sechs Prozent lag, liegt sie mittlerweile bei nur zwei Prozent. Der Geschäftsführer betont, dass eine flächendeckende Überprüfung der 3G-Regeln nicht möglich ist, und dass dies auch nicht zusammen mit jeder Fahrkarten-Kontrolle geschieht. Ihm geht es eher um einen „smarten Einstieg“ in die Prüfung der neuen Regelungen, da diese noch nicht alle Menschen erreicht haben – zum Beispiel Touristen oder aufgrund sprachlicher Barrieren.

3G-Regel im HVV: "Viel positives Feedback"

Im Allgemeinen sind die Reaktionen auf die neue Regelung zustimmend, so Malsyka: „Es hat sich noch nie jemand bedankt, dass wir Fahrkarten kontrollieren – aber über die 3G-Regelung haben wir schon viel positives Feedback bekommen.“

Anna ist sich noch nicht sicher, was sie von der Kontrolle halten soll. Die 25-Jährige hat gerade ihren Impfausweis vorgezeigt und darf jetzt weiter in Richtung Bahnsteig: „Ich bin richtig zerrissen innerlich – auf der einen Seite weiß ich, dass die Infektionszahlen steigen, andererseits denke ich mir auch, dass Jeder das Recht haben sollte, immer mit der Bahn zu fahren, ohne davor einen Test machen zu müssen.“ Auch ihre Freundin Alina hat ihre Zweifel – grundsätzlich fühlt sie sich nun zwar ein wenig sicherer in Bus Bahnen, aber von der Art der Überprüfung ist sie nicht überzeugt: „So kontrollieren bringt genauso viel wie gar nicht kontrollieren – da kann sich ja Jeder einen Screenshot von einem Impfpass machen und vorzeigen. Die haben kein Scan-Gerät dabei, kontrollieren den Perso nicht – das bringt gar nichts.“

Verstoß gegen 3G-Regel im HVV kann bald teuer werden

Geschäftsführer Malyska räumt ein, dass es hier in der Tat noch eine Lücke gibt – aber vorerst genüge es, nur den 3G-Nachweis zu überprüfen: „Wir müssen erstmal in Schwung kommen. Wenn wir feststellen, dass es Bedarf gibt, auch den Ausweis zu kontrollieren, machen wir das.“

In Zukunft könnte ein Verstoß gegen die 3G-Regeln übrigens nicht nur das Ende der Fahrt bedeuten, sondern auch teuer werden: Eine Vertragsstrafe ist bei den zuständigen Behörden in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein beantragt, so Pressesprecher der HVV Rainer Vohl. Mit einem Ergebnis wird in zwei Wochen gerechnet: Dann kostet ein Verstoß wohl 80 Euro.

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