Corona Hamburg

Kliniken warnen vor Überlastung der Intensivstationen

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Hamburger Kliniken sind besorgt und fürchten eine Überlastung der Intensivstationen (Symbolbild).

Hamburger Kliniken sind besorgt und fürchten eine Überlastung der Intensivstationen (Symbolbild).

Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Waltraud Grubitzsch

Krankenhausgesellschaft: Es droht wieder eine Verschiebung von Operationen. Senat will notfalls 2G-Regel ausweiten.

Hamburg. Die Corona-Fallzahlen steigen wieder, auch die der schweren Fälle, Pflegekräfte verlassen erschöpft und frustriert die Krankenhäuser – und die Intensivstationen geraten schwer unter Druck.

Die Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, Dr. Claudia Brase, warnte im Abendblatt: „Durch die Verknappung des Pflegepersonals insgesamt und die Pflegepersonaluntergrenzen, nach denen eine Intensivpflegekraft nur zwei Patienten versorgen darf, sind aktuell nur 503 Intensivbetten betreibbar.“ Von ihnen sind 448 belegt, mehr als jedes zehnte Bett mit einem Covid-19-Patienten. Noch würden in Hamburg keine Operationen verschoben, das sei aber absehbar.

Der Grund: Wenn weitere Intensivbetten aus der aktuellen Notfallreserve von 315 Betten aktiviert werden, müssen Pflegekräfte von den Normal- auf die Intensivstationen wechseln. Brase sagte: „Zwischen dem Anstieg der Inzidenzen und dem Eintreffen der Patienten mit schwerem Verlauf im Krankenhaus vergehen etwa 14 Tage.“

Brase und Asklepios-Vorstand Prof. Christoph Herborn nannten die Lage auf den Intensivstationen „angespannt, aber derzeit noch beherrschbar“. Bundesweit sind zwischen fünf und zehn Prozent der Intensiv-Pflegekräfte nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstitutes in den vergangenen zwölf Monaten abgewandert.

Asklepios: Mehr Intensivpflegekräfte als vor einem Jahr

Herborn sagte dagegen: „In keinem unserer Häuser hat es dort eine signifikante Abwanderung gegeben. Wir haben im vergangenen Jahr rund 500 neue Pflegekräfte in Hamburg angestellt und konnten auch zusätzliche Intensivpflegekräfte für uns gewinnen, sodass die Zahl unserer Intensivpflegekräfte heute höher ist als vor einem Jahr.“

Nur: Gäbe es mehr Intensivpflegekräfte, könnte Asklepios noch mehr Betten betreiben. „Aber unser medizinisches Personal ist nach der langen Zeit der Pandemie zusehends erschöpft, sehnt sich nach einer Entlastung von der körperlich und seelisch extrem belastenden Arbeit. Insgesamt sind wir in den Kliniken heute aber besser vorbereitet als noch im vergangenen Jahr.“

Herborn machte darauf aufmerksam, dass unter den ungeimpften Covid-19-Patienten weiterhin viele mit ausländischen Wurzeln seien. „Das ist keine Frage der Nationalität, aber des sozialen Umfelds. Und hier merken wir überdeutlich, dass es insgesamt bei der Impfkampagne bislang nicht gelungen ist, in prekäre Milieus auch durchzudringen.“ Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit sagte: „Die klare Rückmeldung von den Intensivstationen ist, dass es dort weiter auch viele Patienten mit Sprachbarrieren gibt.“

UKE-Intensivmediziner appelliert an die Politik

UKE-Intensivarzt Prof. Stefan Kluge sagte: „Die Pflegeproblematik ist derzeit die dringlichste. Das betrifft die Intensivstationen, aber auch die Normalstationen und die Medizinischen Fachangestellten in den Praxen sowie die Altenpflege. Die künftige Bundesregierung und der neue Bundesgesundheitsminister müssen das umgehend anpacken.“ Der Hamburger Senat ließ seinen Sprecher Marcel Schweitzer erklären: „Der Senat ist entschlossen, die 2G-Regelung auszuweiten, wenn die Entwicklung in den Krankenhäusern oder auf den Intensivstationen das erfordert.“

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