Verkehr Hamburg

Umbaupläne für Kieler Straße – ADFC hat Lob und Kritik

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Franziska Coesfeld
Verkehr in Hamburg: Die Kieler Straße in Eimsbüttel hat bislang viel Platz für Autofahrer, aber wenig für Radfahrer und Fußgänger. Das soll sich ändern, wenn es nach SPD und Grünen geht.

Verkehr in Hamburg: Die Kieler Straße in Eimsbüttel hat bislang viel Platz für Autofahrer, aber wenig für Radfahrer und Fußgänger. Das soll sich ändern, wenn es nach SPD und Grünen geht.

Foto: ADFC Hamburg

Der ADFC begrüßt das Vorhaben, den Autoverkehr zu reduzieren – stellt aber weitere Forderungen. CDU spricht von "Schildbürgerstreich".

Hamburg. Die Umbaupläne für die Kieler Straße, auf der täglich mehr als 33.000 Fahrzeuge unterwegs sind, haben in Hamburg eine hitzige Debatte ausgelöst. Nachdem der ADAC die Pläne scharf kritisiert hatte, hat sich nun auch der Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zu dem von SPD und Grünen angestoßenen Vorhaben geäußert. Ihr Fazit in Kurzfassung: Der ADFC lobt die rot-grünen Pläne, kritisiert sie aber als halbherzig.

„Es ist toll, dass die Senatsparteien auch Hauptverkehrsstraßen wie die Kieler Straße menschen- und fahrradfreundlich umgestalten wollen“, sagt Tom Jakobi vom ADFC. „Mindestens genauso dringender Handlungsbedarf wie nördlich der A7 besteht aber auf dem doppelt so langen, südlichen Abschnitt, wo die Kieler Straße als sechs- bis achtspurige Stadtautobahn dient und wo seit Jahrzehnten katastrophale Bedingungen für Radfahrende und Fußgänger herrschen.“

Verkehr Hamburg: ADFC will Pop-Up-Bikelanes – sofort

Der ADFC fordert den Senat deshalb auf, die gesamte Kieler Straße fit für die Mobilitätswende zu machen und als Sofortmaßnahme Pop-Up-Bikelanes einzurichten. Nach den Plänen von SPD und Grünen soll es auf der Kieler Straße zwischen der Anschlussstelle Stellingen, der A7 und dem Eidelstedter Platz nur noch eine Spur pro Richtung für den Autoverkehr, breitere Fußwege, einen geschützten Radfahrstreifen und mehr Straßenbäume geben. Ziel des Vorhabens ist es, den Autoverkehr an dieser Stelle zu reduzieren.



Jakobi verweist jedoch auf den Koalitionsvertrag von CDU und Grünen in Eimsbüttel von 2019, in dem gefordert wird, die Kieler Straße ab Eimsbütteler Marktplatz neu zu ordnen und dabei die Belange des Bus-, Fuß- und Radverkehrs in den Blick zu nehmen. Erreicht werden sollte das auch durch die Streichung des dritten Fahrstreifens für den Autoverkehr zwischen Eimsbütteler Marktplatz und Volksparkstraße zugunsten einer Protected Bike Lane und durch die Auflösung der unechten Zweispurigkeit zwischen der Anschlussstelle Stellingen und Eidelstedter Platz.

ADFC fordert, gesamte Kieler Straße in den Blick zu nehmen

„Wir erwarten vom Senat, dass er die ganze Kieler Straße im Blick hat“, so Jakobi. „Wenn die Mobilitätswende gelingen soll, darf der radverkehrsfreundliche Umbau von Hamburgs Magistralen nicht auf den St.-Nimmerslein-Tag verschoben werden.“

Sofort eingerichtet werden könnte nach Ansicht des ADFC eine Pop-Up-Bikelane in beide Richtungen. Dasselbe sei im nördlichen Teil der Kieler Straße zwischen A7 und Rahlskamp möglich. Die Evaluation der Pop-Up-Bikelane „Beim Schlump“ habe gezeigt, dass sich dadurch Unfälle halbieren ließen und es zu weniger Konflikten zwischen den Verkehrsteilnehmern komme.

CDU: Pläne zur Kieler Straße "Schildbürgerstreich"

Der ADFC-Mann sieht jedoch nicht nur auf der Kieler Straße Handlungsbedarf. Auch auf anderen wichtigen Straßen in Hamburg wie der Reeperbahn müsse dringend etwas passieren. Auf der Reeperbahn etwa gebe es weder eine Radinfrastruktur noch sei eine solche geplant. „Hamburg muss in Sachen Mobilitätswende endlich einen Gang höher schalten, wenn es seine eigenen Klimaziele noch erreichen will“, mahnt Jakobi.

Unterdessen übte auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion Kritik an den Plänen zur Kieler Straße. Diese nannte Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Fraktion, den "neuesten Schildbürgerstreich". SPD und Grüne wollten die Ausfallstraße zur Dorfstraße zurückbauen, so der Vorwurf. Thering monierte zudem die Baustellenkoordination in Hamburg.

"Bürgermeister Peter Tschentscher hatte eine deutlich bessere Abwicklung der Baustellen versprochen, doch die jüngste Ankündigung des grünen Verkehrssenators Anjes Tjarks macht deutlich, dass in seiner Behörde kein Interesse an einer besseren Koordination des Verkehrsflusses besteht", so der CDU-Politiker. "Das ist eine politische Bankrotterklärung mit Ankündigung." Immer weniger Stellplätze, Bewohnerparken ohne Ausnahmen für Gewerbebetriebe und Handwerker kämen noch obendrauf. "Das ist eine provinzielle Verkehrspolitik, die nicht zur Lebensrealität der Menschen in unserer Stadt passt."

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