Corona Hamburg

Dramatische Entwicklung in Hamburg: Inzidenz schon über 100

| Lesedauer: 6 Minuten
37 Covid-Patienten müssen derzeit auf Intensivstationen Hamburger Krankenhäuser behandelt werden.

37 Covid-Patienten müssen derzeit auf Intensivstationen Hamburger Krankenhäuser behandelt werden.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

So hoch lag der Sieben-Tage-Wert zuletzt im Mai. Laterne laufen mit Abstand möglich. 2G wird von Händlern bislang kaum angenommen.

Hamburg. Die Entwicklung zeichnete sich angesichts der sprunghaft steigenden Fallzahlen ab: Am Sonntag überschritt die Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg erstmals nach fast einem halben Jahr wieder die wichtige Marke von 100. So lag die Zahl neuer Ansteckungen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen am gestrigen Sonntag bei 106,6 – nach 99,0 am Sonnabend. Wie stark der Anstieg nach dem Ende der Herbstferien ausfällt, zeigt der Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert noch bei 64,1 gelegen. Zuletzt war die Sieben-Tage-Inzidenz mit 100,9 am 4. Mai dieses Jahres dreistellig gewesen.

Nachdem zuletzt nur noch vereinzelt neue Todesfälle gemeldet worden waren, stieg auch ihre Zahl am Wochenende dramatisch an: Am Sonnabend meldeten die Behörden 16 Corona-Tote. Am Sonntag waren noch einmal fünf weitere Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen. Ihre Gesamtzahl stieg damit auf 1787.

Corona Hamburg: 37 Patienten auf Intensivstationen

Die Zahl der registrierten Neuinfektionen betrug am Sonntag 280 – 14 mehr als am Sonnabend und 145 mehr als am Sonntag vor einer Woche. Damit sind seit Beginn der Pandemie in Hamburg 96.559 bestätigt worden. 90.100 von ihnen gelten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) als geheilt.

Derzeit werden auf den Intensivstationen der Hamburger Kliniken laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin 37 Covid-Patienten behandelt, 19 von ihnen müssen invasiv beatmet werden. Insgesamt lagen nach Angaben der Gesundheitsbehörde mit Stand Freitag 116 Corona-Patienten im Krankenhaus. Nach jüngsten RKI-Daten vom Freitag sind in Hamburg inzwischen 73,5 Prozent der Einwohner mindestens einmal und 70,8 Prozent vollständig geimpft. Am 4. Mai waren erst 23,8 Prozent einmal und nur 7,3 Prozent vollständig geimpft.

Laternenumzüge in Hamburg erlaubt

Angesichts der dreistelligen Inzidenz dürften die Gedankenspiele über eine Aufhebung der Maskenpflicht an Grundschulen in Hamburg erst einmal wieder passé sein. Trotz Corona wird es in Hamburg in diesem Jahr jedoch wieder Laternenumzüge geben. „Der Schulbehörde ebenso wie den bezirklichen Gesundheitsämtern ist es ein wichtiges Anliegen, dass in diesem Jahr ein gemeinsames Laternenlaufen wieder möglich ist“, sagte der Sprecher der Hamburger Schulbehörde, Peter Albrecht. Gleichzeitig müsse der Infektionsschutz in der erkältungsstarken Jahreszeit beachtet werden. Daher müssen für die Umzüge einige Regeln beachtet werden. Im vergangenen Jahr waren noch die meisten Umzüge abgesagt worden.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Zum Schutz vor Corona gelten dieselben Regeln wie für Veranstaltungen im Freien und auf öffentlichen Wegen. Hierzu gehört, dass die Abstandsregeln zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die nicht zu einer Familie gehören, eingehalten werden müssen. Personen mit einschlägigen Symptomen einer Corona-Infektion dürfen nicht dabei sein, so die Behörde. Maximal dürfen 500 Menschen an einer Veranstaltung teilnehmen. Bei mehr als 500 Menschen ist ein gesondertes Schutzkonzept beim Gesundheitsamt einzureichen.

2G-Optionsmodell auch im Handel möglich

Auch bei den Kitas der Elbkinder sind Laternenfeste wieder möglich, da sie wie eine Außenveranstaltung bewertet werden. „Ein Laternenumzug durch den Stadtteil soll nicht stattfinden, vielmehr ein Laternenfest auf dem Grundstück der Kita“, sagte Sprecherin Katrin Geyer. Die Feste sollten gruppenweise und zeitversetzt geplant werden, sodass sich die Gruppen beim Ankommen und Verlassen der Kita nicht begegnen. Auch hier müssen die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Seit Sonnabend gilt das sogenannte 2G-Optionsmodell nun auch in Teilen des Handels und bei körpernahen Dienstleistungen. Einzelhändler und etwa Friseure können sich entscheiden, nach 2G nur noch Geimpfte und Genesene zu bedienen. Dann entfallen einerseits Masken- und Abstandspflicht, andererseits dürfen Ungeimpfte die Läden dann nicht mehr betreten. Ausgenommen sind beim Handel Angebote des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien oder Apotheken.

2G-Modell wird kaum angenommen

Das Modell wird von den Geschäftsleuten allerdings bislang kaum angenommen. Bisher „beobachten wir ein Abwarten“, sagte die Hamburger Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord, Brigitte Nolte. In Gastronomie und Kultur sei es ähnlich gewesen. „Wir sind gespannt, wie es im Weihnachtsgeschäft angenommen wird.“

Der Inhaber des Schreibwarenladens „Schreibkultur“ in Bergedorf, Ralph Ottensmeyer, sagte der dpa, er nutze das 2G-Modell nicht. „Der Grund ist, dass sich das für unseren kleinen Schreibwarenladen nicht lohnt.“ Gleichwohl finde er es gut, dass es die Regelung gebe – und fügte an: „Ich würde mir wünschen, dass wir bald die Masken weglassen können, dann wäre es noch ein bisschen schöner.“

Corona Hamburg: Viele Restaurants nutzen 2G-Modell

Ähnlich äußerte sich die Geschäftsführerin des Bergedorfer Herrenausstatters Willhoeft, Martina Willhoeft: „Das machen wir nicht mit.“ Denn dann müsste jeder Kunde an der Tür auf seinen Impf- oder Genesenenstatus hin kon­trolliert werden, was im Tagesgeschäft kaum möglich sei. „Zum anderen möchten wir auch alle Kunden gerne beraten und nicht einige ausschließen.“

Die Geschäftsführerin des Juwelier- und Goldschmiedegeschäfts Jean Koch, Birgit Koch-Schallenberg, sagte ebenfalls, sie verzichte auf das 2G-Optionsmodell. Man wolle keinen Kunden ausschließen. Viele hätten sich auch schon an die bisherigen Regeln gewöhnt. Es habe sich eingespielt, dass man eine Maske trage. „Wir hoffen halt einfach, dass sich immer mehr Leute impfen lassen und das Thema irgendwann nicht mehr nötig ist.“ Hamburg hatte Ende August als erstes Bundesland das 2G-Optionsmodell für Publikumseinrichtungen eingeführt. Seither haben schon viele Restaurants, Bars, Kinos und weitere Einrichtungen davon Gebrauch gemacht.

( joa/dpa )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg