Lebensretterpreis

Das sind die Asklepios Lebensretter 2021

| Lesedauer: 6 Minuten
Friederike Ulrich
Die Nominierten vor der Preisverleihung: Andreas Dondera (v.l.), Arne Janke, Anika Glischinski, Christoph Kelch und Jan Hoenig.

Die Nominierten vor der Preisverleihung: Andreas Dondera (v.l.), Arne Janke, Anika Glischinski, Christoph Kelch und Jan Hoenig.

Foto: Jürgen Joost

Am Mittwoch wurde in der Speicherstadt der Lebensretterpreis an vier Hamburger Schutzengel verliehen. Das sind die Gewinner.

Hamburg.  „Natürlich denkt man immer, das passiert einem nicht. Dass es dann aber doch schnell gehen kann, habe ich ja am eigenen Leib erlebt.“ Christoph Kelch, Busfahrer auf der Linie 562, hat einem Menschen das Leben gerettet. Einem Mann, den er im Vorbeifahren am Straßenrand kauern sah, woraufhin er anhielt, ihm aufhalf – und unversehens damit konfrontiert wurde, dass der Mann leblos neben ihm zusammenbrach. Und er der einzige war, der in dieser Situation eingreifen konnte.

Man muss nicht Arzt oder Rettungssanitäter sein, um jemanden ins Leben zurückzuholen. Dass das auch medizinische Laien schaffen – zu Hause, am Arbeitsplatz, nach einem Konzert oder eben am Straßenrand – zeigen die Geschichten der Asklepios Lebensretter 2021, die am Mittwochabend für ihr Engagement ausgezeichnet wurden.

Lebensretterpreis: Melanie Leonhard und Stefan Gwilids feiern Schutzengel

Alle hatten während des Notfalls schnell und automatisch gehandelt; die Dramatik des Geschehens wurde ihnen erst hinterher bewusst. In nachgestellten Filmen schilderten sie ihre aufwühlenden Erlebnisse – und trieben damit manchen Gästen die Tränen in die Augen.

Der Asklepios Lebensretterpreis wurde bereits zum siebten Mal vergeben. 100 Gäste aus der Hamburger Gesundheitsbranche, von Vereinen und Rettungsdiensten waren ins ehemaligen Hauptzollamt am Alten Wandrahm in der HafenCity gekommen. Mit dabei waren auch Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard, Joachim Gemmel aus der Asklepios-Geschäftsführung, Martin Schneider, Leiter der Feuerwehr-Pressestelle, Claas Schmedtje, Geschäftsführer der Funke Medien Gruppe Hamburg, und Stefan Gwildis, der später für den musikalischen Höhepunkt der Feier sorgte.

Abendblatt-Leser konnten Lebensretter vorschlagen

Moderatorin Vanessa Seifert begrüßte die Anwesenden und sagte, dass ihr „Herz gerade auch schnell schlage – vor Freude über die herausragend couragierten Einsätze der Preisträger“.

Dann erklärte sie das Abstimmungsverfahren: Die Abendblatt-Leser konnten jemanden aus dem Großraum Hamburg als den „Asklepios Lebensretter 2021“ vorschlagen, der durch Herzdruckmassage oder den Einsatz eines Defibrillators in den vergangenen 18 Monaten einen Menschen ins Leben zurückgeholt hatte. Aus allen Einreichungen hat eine Jury fünf Lebensretter ausgesucht, die im Hamburger Abendblatt vorgestellt wurden. Anschließend hatten Leser per Telefon-Voting die drei Sieger bestimmt.

Hamburger Busfahrer bekommt den ersten Preis

In freudiger Erwartung saßen die Nominierten nun im Publikum, darunter auch der eingangs erwähnte Busfahrer Christoph Kelch, der für seinen Einsatz den ersten Preis erhielt. Als der Mann neben ihm leblos zu Boden gesunken war, hatte Kelch sofort den Rettungsdienst gerufen, dann mit der Herzdruckmassage begonnen und diese bis zum Eintreffen des Notarztes durchgeführt. Als Kelch das Ereignis im Film noch einmal Revue passieren lässt, ist ihm anzusehen, dass ihn der Vorfall – auch, wenn er schon zehn Monate zurückliegt – noch immer bewegt.

Berührend sind auch die Geschichten der Zweit- und Drittplatzierten. Arne Janke, Angestellter in einem Pflanzenmarkt, erhielt den zweiten Preis. Er hielt die Kundin Christa Weinmann-Grandt, die im November 2020 an der Kasse zusammengebrochen war, mit Herzdruckmassage und Defibrillator bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Leben.

Zwei dritte Preise für einen Polizisten und eine Musikerin

Der dritte Platz ging in diesem Jahr an zwei Personen, die jeweils gleich viele Leserstimmen erhalten hatten: An den LKA-Beamten Andreas Dondera, der am frühen Ostermontag das Leben seiner Frau Babro rettete, nachdem diese erst über ein Engegefühl in der Brust und ein Brennen im Hals geklagt hatte und dann leblos zusammengebrochen war.

Und Anika Glischinski, die im vergangenen November einen befreundeten Sänger wiederbelebte, der zuvor aufgetreten und anschließend bei Freunden in der Wohnung leblos zusammengesackt war. Den Gewinnern wird ein Wunsch erfüllt. Im Fall von Sieger Christoph Kelch, für den übrigens mehr als die Hälfte der Anrufer gestimmt hatten, wird das ein Urlaub mit der Familie in Dänemark sein. Den vierten Platz erhielten Monique und Jan Hoenig, die ihren Mann und Stiefvater Markus Keller gerettet haben.

Bäderland bekommt Sonderpreis für Schulungsprogramm

Bereits zum vierten Mal wurde auch ein Sonderpreis vergeben. Diesen erhielt in diesem Jahr Bäderland für sein Schulungsprogramm, das die 400 aktive Rettungsschwimmer und -schwimmerinnen mindestens einmal im Jahr machen müssen. Die Urkunde wurde von Ausbildungsleiter Andreas Mohr und Personalleiterin Annett Schäbel-Ukoha entgegengenommen.

„Wir alle können ganz plötzlich in eine Situation kommen, in der direkt neben uns jemand unsere Hilfe braucht“, sagte Sozialsenatorin Leonhard (SPD). Mit dem Lebensretter-Preis seien vier Menschen ausgezeichnet worden, die nicht gezögert und sofort gehandelt haben. „Das ist unschätzbar!“

Die Feuerwehr sei „sehr stolz auf Menschen, die in besonderen Situationen Mut und Engagement zeigen“, betonte auch Brandrat Martin Schneider. „Einem Menschen das Leben zu retten ist etwas ganz besonderes. Die Gewinner haben gezeigt, dass jeder Teil der Rettungskette sein kann, wenn es drauf ankommt.“

Asklepios will "selbstlose Lebensretter" in den Fokus rücken

Leider reagierten viele Menschen zu zögerlich, wenn in Notsituationen lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden müssten, betonte Joachim Gemmel vom Asklepios-Konzern. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir hin und wieder durch den Asklepios Lebensretterpreis diejenigen in den Fokus rücken, die selbstlos und ohne medizinisches Fachwissen geholfen und anderen das Leben gerettet haben.“ Das Hamburger Abendblatt trage durch seine Reichweite gerne dazu bei, betonte Abendblatt-Geschäftsführer Claas Schmedtje.

Wie schon bei der letzten Feier fand auch diese Preisverleihung wieder coronakonform statt: Nach dem Einlass wurde jeder direkt zu seinem Platz gebracht, wo der Aperitif serviert wurde. Anschließend an die Preisverleihung wurde in einem beheizten Zelt ein feines Menü serviert.

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